Experten warnen

"Noch nie gesehen": Uns drohen zwei extreme Hitze-Sommer

15.05.2026

„Wir werden Wetterereignisse erleben, wie wir sie in der modernen Geschichte noch nie gesehen haben.“ 

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Die Anzeichen für ein baldiges starkes Wetterphänomen El Niño werden stärker. Darauf deuten die rapide steigenden Temperaturen der Meeresoberfläche im äquatorialen Pazifik hin, berichtete die Weltwetterorganisation (WMO). Die Auswirkungen könnten bereits ab Mai spürbar sein. Das Wetterphänomen sorgt für schwere Regenfälle in einigen Weltregionen, etwa in Teilen Afrikas oder in Südamerika, andererseits für Dürren, etwa in Australien oder Indonesien.

El-Niño-Ereignisse heizen zudem die globalen Temperaturen zusätzlich an. Dem bisher heißesten Jahr 2024 ging zum Beispiel ein El Niño voraus. Damals lag die globale Durchschnittstemperatur bei etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Auch 2027 könne in einem Bereich über 1,5 Grad liegen, sagte der Leiter der WMO-Abteilung für Klimavorhersagen, Wilfran Moufouma Okia.

Super-El-Niño 

Andere Experten sprechen bereits von einem Super-El-Niño. Der Klimaforscher Daniel Swain erwartet zwischen 2026 und 2027 neue Temperaturrekorde. Meteorologe Jeff Berardelli warnt sogar gegenüber dem TV-Sender WFLA-TV: „Ich glaube, wir werden Wetterereignisse erleben, wie wir sie in der modernen Geschichte noch nie gesehen haben.“

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Ein Super-El-Niño ist eine besonders starke Form des Klimaphänomens El Niño. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik außergewöhnlich stark. Dadurch verändern sich Wind- und Luftströmungen weltweit – mit möglichen Folgen wie extremer Hitze, Dürren, Starkregen oder Überschwemmungen. El Niño tritt unregelmäßig etwa alle drei bis acht Jahre auf und dauert oft mehrere Monate bis über ein Jahr.

Der letzte El Niño in den Jahren 2023 und 2024 trug laut WMO dazu bei, dass 2024 das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurde. Klimaforscher Carlo Buontempo hält deshalb bereits 2026 für ein mögliches Rekordjahr. Der Klimatologe Tido Semmler geht sogar davon aus, dass die Auswirkungen 2027 noch stärker ausfallen könnten, da die Atmosphäre Zeit brauche, um auf El Niño zu reagieren. Deshalb bestehe „ein erhöhtes Risiko, ein Jahr mit Rekordhitze zu werden, wenn sich El Niño in der zweiten Jahreshälfte von 2026 entwickelt“.

Besonders besorgniserregend sind mögliche Folgen wie extreme Waldbrände. Theodore Keeping vom Imperial College London warnt, dass El Niño das Risiko für Hitze und Dürre in Australien, Kanada, den USA und im Amazonas-Regenwald deutlich erhöhen könnte. Sollte sich tatsächlich ein starker El Niño entwickeln, könnte die Gefahr extremer Brände „den höchsten Stand der jüngeren Geschichte erreichen“.