Messe im Stephansdom

Kardinal Schönborn über Otto Habsburg

16.07.2011

Schönborn  erinnert im Stephansdom an Fehler Kaiser Franz Josephs.

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Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, der am Samstag als Vertreter von Papst Benedikt XVI. den Trauergottesdienst für Otto Habsburg-Lothringen zelebrierte, hat das "Lebenswerk des großen Verstorbenen" gewürdigt. Es sei der "Versuch" gewesen, das "Unglück des Ersten Weltkriegs wieder gut zu machen". Otto Habsburg habe dem "Friedensprojekt Europa gedient".



Schönborn drückte seine Bewunderung für zwei Haltungen des Verstorbenen aus: die Fähigkeit sich ohne Scheu auf Neues einzustellen, und gleichzeitig das Festhalten an der Herkunft. "Menschen sind oft gefordert, ihrer Berufung treu zu bleiben, obwohl sich das Umfeld geändert hat", so Schönborn, der an das kindliche Alter Otto Habsburgs von sechs Jahren erinnerte, als die Monarchie zu Ende ging. Er sei ein "leuchtendes Beispiel der Treue zur eigenen Berufung".



Otto Habsburg sei durch "keinerlei Standesdünkel" aufgefallen. Der "große Heimgekehrte" und "treue Diener" sei auch ein Friedensstifter gewesen. Habsburg soll gesagt haben, "ein Tag Krieg kostet mehr als ein Jahr Friedenserhalt".

Otto Habsburg hat laut Kardinal Schönborn "nicht der Vergangenheit nachgetrauert". "Er hat sich aber auch nicht von jenen einschüchtern lassen, die die Vergangenheit kleinreden möchten und nur deren Schattenseiten sehen wollen. Er hat uns vorgelebt, wie wir unverkrampft aus dem Gestern für das Morgen schöpfen können", erklärte der Kardinal beim Requiem für den verstorbenen Kaisersohn. "In Sachen Umgang mit der Geschichte dürfen wir in Österreich von ihm lernen."

Schönborn betonte weiter, dass Habsburg "Gottesgnadentum" nicht als ein Anrecht auf eine Herrschaftsposition verstanden habe, sondern "zuerst als Verantwortung": "als Auftrag, die anvertrauten Aufgaben, in die wir hineingestellt sind, in Verantwortung vor Gott wahrzunehmen", so der Wiener Erzbischof.

In seinem Auftrag, seiner Berufung, das "Zusammenleben der Völker und Kulturen, der Sprachen und Religionen zu fördern", sei Otto Habsburg ein "Friedensstifter" gewesen. In der "in vieler Hinsicht segensreichen" Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph habe es wohl keinen schwereren, folgenreichen Fehler gegeben, als den Krieg zu erklären, der zum Ersten Weltkrieg wurde und dessen "bittere, giftige Früchte" auch "die beiden schlimmsten, massenmordenden Ideologien" der Menschheit gewesen seien. "Dürfen wir das Lebenswerk dieses großen Verstorbenen nicht auch als einen unermüdlichen Versuch verstehen, das Unglück, das der Erste Weltkrieg über Europa, über die Menschheit gebracht hat, wieder gutzumachen?", fragte der Wiener Erzbischof.

Aufgrund der gewaltigen politischen Umbrüche von 1918 sei der Kaisersohn in eine neue Lebenssituation gekommen, "die ihm als Kronprinz und Thronfolger der großen Doppelmonarchie sicher nicht vorgezeichnet war". Als er sechs Jahre alt gewesen sei, "ging die Monarchie zu Ende, und damit die Welt, in der er eine so große Rolle hätte spielen sollen", sagte Schönborn.

Zu Beginn des Requiems erinnerte Schönborn an Worte des Verstorbenen, wonach der wichtigste Moment jedes Menschen der Tod sei, der jenseits der Schwelle liege, "vor der wir alle noch stehen". Der Kardinal appellierte angesichts der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika um Spenden für die vom Hungertod Bedrohten. Die Kollekte kommt der Caritas-Katastrophenhilfe zugute.



 

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