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Studie: DARUM sind die meisten Menschen Rechtshänder

19.05.2026

Warum fast alle Menschen Rechtshänder sind, zählt zu den großen ungelösten Fragen der Evolutionsforschung.  

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Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler zu erklären, weshalb rund 90 Prozent der Menschheit bevorzugt die rechte Hand nutzen – und zwar unabhängig von Kultur, Herkunft oder Epoche. Eine neue Studie der University of Oxford liefert nun einen umfassenden Erklärungsansatz: Entscheidend könnten vor allem der aufrechte Gang und die außergewöhnliche Entwicklung des menschlichen Gehirns gewesen sein.

Das Forschungsteam um Evolutionsanthropologe Thomas Püschel analysierte Daten von mehr als 2000 Individuen aus 41 Primatenarten. Dabei untersuchten die Wissenschaftler unter anderem Gehirnvolumen, Körperbau, Werkzeuggebrauch und Fortbewegungsarten. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal PLOS Biology.

Besonders auffällig: Keine andere Primatenart zeigt eine ähnlich starke Dominanz einer Körperseite wie der Mensch. Zwar gibt es auch bei Affen und Menschenaffen individuelle Vorlieben für rechts oder links, doch die Verteilung bleibt dort deutlich ausgeglichener. Erst beim modernen Menschen entwickelte sich eine beinahe universelle Rechtshändigkeit.

Aufrechter Gang

Nach Ansicht der Forschenden begann diese Entwicklung mit dem aufrechten Gang. Als frühe Vorfahren des Menschen zunehmend auf zwei Beinen gingen, wurden die Hände von der Fortbewegung entlastet. Dadurch konnten sie für immer komplexere Aufgaben genutzt werden – etwa zum Tragen, Greifen oder später zum Herstellen und Verwenden von Werkzeugen. Mit zunehmender Spezialisierung wurde es offenbar vorteilhaft, eine Hand stärker zu bevorzugen, statt beide gleich intensiv einzusetzen. So konnten Bewegungen präziser und effizienter ausgeführt werden.

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Hinzu kam die starke Vergrößerung des Gehirns im Verlauf der menschlichen Evolution. Bestimmte Funktionen spezialisierten sich zunehmend auf eine Gehirnhälfte – ein Prozess, den Forschende als Lateralisierung bezeichnen. Da die linke Gehirnhälfte die rechte Körperseite steuert und gleichzeitig häufig für Sprache, Feinmotorik und komplexe Bewegungsabläufe verantwortlich ist, könnte sich daraus die Dominanz der rechten Hand entwickelt haben.

Evolutionäre Vorteile

„Das ist die erste Studie, die mehrere zentrale Hypothesen zur menschlichen Händigkeit in einem einzigen Modell untersucht“, erklärte Studienleiter Püschel. Besonders bei frühen Menschenarten wie Homo erectus oder später den Neandertalern zeigte sich laut den Berechnungen bereits eine deutlich stärkere Rechtsdominanz als bei früheren Vormenschen.

Warum dennoch etwa jeder zehnte Mensch linkshändig geblieben ist, bleibt offen. Denkbar sei jedoch, dass eine gewisse Vielfalt evolutionäre Vorteile bot – etwa bei Kampf, Kooperation oder bestimmten Bewegungsabläufen. Die Studie liefert damit zwar keine endgültige Antwort, verbindet aber erstmals Gehirnentwicklung, Anatomie und Fortbewegung zu einem schlüssigen Modell für die Entstehung der menschlichen Rechtshändigkeit.