Nach den alarmierenden Studienergebnissen zu den Werten der Wiener Jugend drängt Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling auf Reformen und will die Eltern der Schüler stärker in die Pflicht nehmen.
Eine neue Untersuchung zu den Wertvorstellungen der Wiener Jugend sorgt aktuell für heftige Diskussionen. Viele junge Muslime legen demnach mehr Wert auf religiöse Regeln als auf die Gesetze der Republik Österreich. Integrationsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) zieht daraus nun Konsequenzen und will im Unterricht sowie mit einer verpflichtenden Elternarbeit gegensteuern.
Alarmierende Warnsignale
Die Ergebnisse der 133 Seiten umfassenden Studie zeigen, dass stark konservative Wertvorstellungen und autoritäre Einstellungen unter den Jugendlichen weit verbreitet sind. Für die Erhebung wurden 1.200 Jugendliche und junge Erwachsene befragt, wobei manche von ihnen einen Migrationshintergrund haben und andere nicht. Insgesamt wurden in der Umfrage zehn verschiedene ethnische Zugehörigkeiten wie die österreichische, serbische, polnische, rumänische, bosnische, türkische, kurdische, syrische, afghanische und tschetschenische Herkunft angegeben.
Der Studienautor Kenan Güngör sprach nun im "ZiB 2"-Interview von deutlichen Warnsignalen und ortet in bestimmten Teilgruppen bedenkliche sowie alarmierende Entwicklungen. Weil in der Studie aber auch die tieferen Gründe abgefragt wurden, kenne man nun die Hebel für Veränderungen. Neben der Religion und der Herkunft spielen laut dem Experten auch die sozialen Medien sowie die Einstellungen in den Familien eine tragende Rolle.
Zahlen im Detail und die Rolle des Glaubens
Die Studie liefert dazu eindeutige und zugleich schockierende Beispiele aus dem Alltag der Jugendlichen.
- Beim Thema Gesetze gegen Glauben stimmten ganze 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen der Aussage zu, dass die Vorschriften ihrer Religion über den Gesetzen in Österreich stehen. Bei den christlichen Jugendlichen liegt dieser Wert bei 21 Prozent.
- Auch veraltete Rollenbilder sind nach wie vor stark verankert. Dass der Mann in einer Familie für alle größeren Entscheidungen zuständig sein sollte, glauben 18 Prozent der österreichischen Jugendlichen sowie jene mit polnischen oder rumänischen Wurzeln. Bei Jugendlichen mit syrischem, afghanischem oder tschetschenischem Hintergrund steigt dieser Anteil hingegen auf 45 Prozent an.
Bereits 42 Prozent Muslime an Pflichtschulen
Die Wiener Integrationsstadträtin hat die Erhebung ganz bewusst in Auftrag gegeben, da in der Metropole besonders viele junge Menschen mit verschiedenen Glaubensbekenntnissen leben. Der Blick auf die aktuellen Zahlen der öffentlichen Pflichtschulen verdeutlicht diese Entwicklung. An den Wiener Volksschulen, Mittelschulen und Polytechnischen Schulen sind mittlerweile 42 Prozent der Schülerinnen und Schüler islamischen Glaubens. Demgegenüber stehen 32 Prozent christliche Kinder und Jugendliche sowie 23 Prozent ohne ein Bekenntnis.
Stadträtin fordert verpflichtende Elternarbeit
Für Bettina Emmerling liefert die Studie eine wesentliche Grundlage für zukünftige politische Maßnahmen, wie sie im Gespräch mit der „ZiB 2“ klarstellte. Sie betont, dass die Mehrheit der Jugendlichen zwar demokratisch gefestigt ist, sieht aber gleichzeitig eindeutige Risikokonstellationen und einen klaren Handlungsauftrag für die Politik.
Als konkrete Schritte fordert die Stadträtin einen gemeinsamen Ethik- und Demokratieunterricht sowie ein deutliches Mehr an Elternarbeit. Die Eltern sollen in Zukunft stärker eingebunden und auch in die Pflicht genommen werden. Diese Pläne stoßen auch beim Studienautor auf Zustimmung, der in diesem Zusammenhang sogar ein Social-Media-Verbot für sinnvoll erachtet.