Personalmangel

Insbesondere Favoriten ruft nach mehr Polizei

04.02.2026

Etliche Bezirke rufen seit Langem nach mehr Polizisten und Polizistinnen auf der Straße. Laut Innenministerium können bei der Wiener Polizei zwar Pensionierungen mit Neuaufnahmen ausgeglichen werden, der Personalbedarf bleibt allerdings hoch. 

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© Petar Radovanovic
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Wie viel die Polizei in Wien zu tun hat, lässt sich auch einer parlamentarischen Anfragebeantwortung des Innenministeriums entnehmen. Demnach hat jeder Polizeibedienstete in den Stadtkommandos im Jahr 2024 durchschnittlich 340 Überstunden im Jahr geleistet.

In Wien seien aktuell rund 7.300 Polizistinnen und Polizisten im Dienst, sagte Polizeisprecher Markus Dittrich gegenüber dem ORF Wien. 

Personalsituation in Favoriten besonders schlecht

Auf Bezirksebene in Wien wünscht man sich jedenfalls mehr Polizei, wie ein Rundruf bei mehreren Bezirksvorstehungen zeigte. Mehr Polizistinnen und Polizisten seien immer wünschenswert, so der gemeinsame Nenner. Vor allem in Favoriten sei die Personalsituation schlecht, kritisierte der SPÖ-Bezirksvorsteher Marcus Franz.

Dort würden nur 14 Polizisten auf 10.000 Einwohner kommen, im ersten Bezirk seien es 217. Eine Ungerechtigkeit, findet Franz: "Viele rufen gar nicht mehr die Polizei, weil sie sagen, es kommt eh keiner. Und wir haben Rückmeldungen aus der Bevölkerung, dass nach zwei Stunden ein Anruf kommt und wir keine verfügbaren Einsatzkräfte haben.“ 

Viele Bewerbungen für aktuelle Ausschreibung

Bewerberinnen und Bewerber sucht die Polizei mittlerweile über alle möglichen Kanäle. In Wien würden sich auch tatsächlich mehr Menschen bewerben. „Im letzten Quartal hatten wir für die aktuelle Ausschreibung 900 Bewerber. Das ist eine sehr gute Zahl“, meinte Polizeisprecher Dittrich. 200 sollen ab März die Ausbildung in Wien beginnen. Man müsse mehr über das geplante Dienstzeitsystem informieren, kritisierte die Gewerkschaft. 

© APA/MAX SLOVENCIK

Exklusiv-Interview mit oe24.at

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Warum, Herr Marcus Franz, Bezirksvorsteher von Favoritenist die Situation in Favoriten personalmäßig, was die Polizei betrifft, im Moment eher schwierig?

  • • In Österreich kommen auf 100.000 Einwohner durchschnittlich 333 Polizisten. In Favoriten bräuchte es also bei 223.000 Einwohnern 732 Polizisten. Tatsächlich versehen hier im Bezirk aber bei 319 Planstellen nur mickrige 296 Polizisten tatsächlich ihren Dienst.
  • • Um diesen schockierenden Missstand zu überdecken, kommuniziert die Polizei seit rund eineinhalb Jahren die falsche Zahl von 410 Polizisten – sie zählt hier alle Büro-Beamten mit.
  • • Die bisherigen Innenminister haben versagt: Karl Nehammer (ÖVP) versprach als Innenminister 2020 ganze 4.300 neue Polizisten. Innenminister Herbert Kickl versprach vor ihm 4.100 neue Polizisten. Alle Versprechen wurden gebrochen. In Favoriten hat sich nichts seitdem getan!

Können Sie bitte weitere Beispiele nennen, hier werden Sie zitiert mit:
• Ein konkretes Beispiel sind die Road-Runner auf der Filmteichstraße. Die Bewohner sind leidgeplagt. Der Bezirk hat bisher bauliche Maßnahmen zur Eindämmung der Raser gesetzt. Aber wir brauchen Polizei vor Ort, die Präsenz zeigt und die geltenden Gesetze exekutiert. Sonst sind auch alle baulichen Maßnahmen nur bedingt wirksam.

Wie ist die Situation generell in Favoriten?

• Man kann Favoriten mit einer Ambulanz vergleichen: Wir haben einen Arzt für eine ganze Notaufnahme. Andere Bezirke sind wie eine Privatklinik ohne Patienten – dafür mit 20 Ärzten, 3 Oberärzten und 10 Krankenschwestern.

Noch ein Vergleich mit dem 1. Bezirk bitte.
• In der Inneren Stadt kommen auf 10.000 Einwohner gerechnet 217 Polizisten, in Favoriten sind es lediglich 14. Oder anders ausgedrückt: Würde der Zehnte den gleichen Zuteilungs-Schlüssel wie die Innenstadt erhalten, so müssten in Favoriten 4.795 Polizisten auf der Straße stehen. In Wahrheit gibt es bloß 319 Planstellen, wovon nicht alle besetzt sind, sodass lediglich 296 Polizisten im 2.-einwohnerstärksten Bezirk ihren Dienst verrichten.
• Die Polizei argumentiert, dass eine höhere Zuteilung für Favoriten wegen mobiler Bereitschaftseinheiten nicht notwendig wäre. Warum die Innenstadt dann um 1.501 Prozent mehr Polizeiplanstellen zugeteilt erhält als der 10. Bezirk, ist nicht nachvollziehbar! Vor allem die Innenstadt könnte als Rumpfbezirk schließlich von 7 direkt angrenzenden Bezirken (2, 3, 4, 6, 7, 8, 9) schnell versorgt werden.
• Wenn das Argument der Bereitschaftseinheiten richtig wäre, warum wurde in der Josefstadt, die 277 Prozent mehr Polizeiplanstellen hat als Favoriten, die Planstellen von 386 im Jahr 2021 auf 393 Planstellen im Jahr 2024 sogar aufgestockt?