Täuschung

Wiener Wein-PFUSCH-Skandal: "Fake-Bio" vom Weingut Cobenzl

21.01.2026

Das städtische Wiener Weingut Cobenzl soll es mit dem Bio-Gütesiegel "nicht so genau" genommen haben. Die Rede ist von einem schweren Imageschaden für den Wiener Weinbau.

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Pure Enttäuschung für "Bio-Jünger": Das Wiener Weingut Cobenzl gilt an und für sich als eines der wenigen Vorzeigeunternehmen der Stadt Wien. Vor zwei Jahren verkündete man noch stolz, dass alle Weine nun Bio seien. Doch wie der „Kurier“ berichtet, stimmt das nun offenbar doch nicht. 

Vom 60 Hektar großen Weinberg wurden 30 Hektar mit chemischen Hilfsmitteln bearbeitet. Das bestätigte auch die dafür zuständige MA 49: "Im Jahr 2024 wurden aus betriebsstrategischen Gründen rund 30 Hektar am Bisamberg auf konventionelle Art und Weise bewirtschaftet“. Allerdings mit dem Zusatz, dass sich die Rebflächen bereits wieder auf der Umstellung auf Bio befinden würden. Ob das wohl den (getäuschten) Konsumenten - so es welche gibt - weiterhilft? Die MA 49 bestreitet nämlich einen Etikettenschwindel. Die Weine aus der konventionellen Landwirtschaft seien nicht als Bio-Wein in den Handel gebracht worden. Das gilt es, nun intensiv zu prüfen.

Der Schaden ist angerichtet

© Weingut Cobenzl

Der Schaden ist jedoch bereits angerichtet: Nicht nur der Imageschaden, sondern auch die finanziellen Folgen für das Weingut dürften beträchtlich sein. Experten beziffern sie mit mit etwa einer Million Euro. Denn Bio-Wein kann teurer verkauft werden. 

Kritik der anderen Parteien

Die Wiener FPÖ spricht von einem "beispiellosen Weinskandal" und fordert volle Aufklärung. Umweltsprecher Michael Stumpf sagt: "Das ist nicht nur unglaublich, sondern auch beschämend für den Wiener Weinbau und ein Schlag ins Gesicht der Konsumenten“. Der Skandal habe längst politische Dimensionen angenommen: "Hier geht es nicht um einen kleinen Betriebsfehler, sondern um systemisches Versagen, mögliche Irreführung der Öffentlichkeit und politische Verantwortung im Rathaus.“ Die FPÖ Wien werde daher entsprechende Anfragen an den zuständigen SPÖ-Stadtrat Czernohorszky einbringen, um für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen. 

© Weingut Cobenzl

Kritik kommt auch von den Wiener Grünen. Sie befürchten einen "Vertrauensverslust in die gesamte Bio-Zertifizierung“ und fordern ebenfalls rasche Aufklärung. "Die Verantwortung liegt hier nicht nur beim Weingut selbst, sondern auch bei der Stadt als Eigentümerin“, so Umwelt- und Ernährungssprecherin Tina Wirnsberger. Besonders kritisch sieht Wirnsberger, dass laut Medienrecherchen im Handel Bio-Weine des Jahrgangs 2024 aufgetaucht seien, obwohl nach Angaben der MA 49 rund 30 Hektar konventionell bewirtschaftet wurden. "Wie konnte das in einem Betrieb unter städtischer Verantwortung überhaupt passieren?“, so Wirnsberger. 

© APA/GERALD MACKINGER

"Die bekannt gewordenen Vorgänge rund um das städtische Weingut Cobenzl werfen schwerwiegende Fragen auf und sind ein erheblicher Schaden für die Glaubwürdigkeit“, erklärt die Umweltsprecherin der Wiener Volkspartei, Gemeinderätin Elisabeth Olischar. Demnach wurde trotz offiziell verkündeter Bio-Zertifizierung im Jahr 2024 rund die Hälfte der Rebflächen am Bisamberg konventionell – also unter Einsatz chemischer Hilfsmittel – bewirtschaftet. Gleichzeitig wurde weiterhin mit dem EU-Bio-Logo geworben. Dieser Vorfall sei nicht nur gegenüber Konsumenten problematisch, sondern auch ein Schlag ins Gesicht aller Landwirte, die nach strengen Bio-Vorgaben produzieren. Ständig predigedie Stadt, wie wichtig die biologische Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Wien sei – "und setzt für private Landwirtinnen und Landwirte strenge Ziele. Selber hält sie sich nicht daran“, so Olischar 

Erste Reaktion der Stadt Wien

Der Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49) halte "ausdrücklich fest, dass der Forst- und Landwirtschaftsbetrieb die kurzfriste Umstellung eines Teils der Rebflächen, nämlich jene am Bisamberg, weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert hat". Im Rahmen einer standardmäßigen strengen Qualitätskontrolle war für die MA 49 der Einsatz chemischen Düngers "nicht auszuschließen, was sogleich formal richtig der Landwirtschaftskammer Wien sowie der BIO-Zertifizierungsstelle gemeldet wurde. Damit konnte rechtzeitig sichergestellt werden, dass weder Wein falsch bezeichnet bzw. etikettiert noch als BIO-Wein in den Handel gebracht wurde." Es gilt, die Reaktion der anderen Parteien auf diese erste Stellungnahme der Stadt-SPÖ abzuwarten.

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