Schulreform

64 Standorte der "Neuen Mittelschule"

21.01.2008

Die meisten Standorte sind in der Steiermark. Betroffen sind voraussichtlich 154 Klassen mit rund 3.500 Schülern.

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An insgesamt 64 Standorten sollen im Schuljahr 2008/09 Modellversuche zur "Neuen Mittelschule" (NMS) starten. Am vergangenen Freitag endete die vom Unterrichtsministerium vorgegebene Frist für die Projektanmeldungen der Landesschulräte - am Montag prüfte die Projektgruppe im Unterrichtsministerium die Anträge. Die meisten Standorte gibt es in der Steiermark und Vorarlberg, gefolgt vom Burgenland sowie Kärnten und Oberösterreich.

Teilnehmen werden vor allem Hauptschulen, echte Gesamtschul-"Modellregionen" sind mangels Mitwirkung von AHS-Unterstufen dabei nicht entstanden. Mit dem BG/BRG Klusemannstraße in Graz ist nur eine einzige AHS-Unterstufe mit dabei. Insgesamt werden laut Unterrichtsministerium voraussichtlich 154 Klassen mit rund 3.500 Schüler erfasst.

Steiermark
In der Steiermark haben sich in drei Regionen (Graz, Voitsberg-Köflach und Murau) 28 Hauptschulen mit 1.200 beteiligten Schülern angemeldet. Dazu zählen auch die fünf Schulen, die schon zuvor im Schulverbund Graz-West ein ähnliches pädagogisches Modell erprobt haben. An einigen Hauptschulen (Murau, Oberwölz, St. Peter, Stadl, Neumarkt und in Graz die EDV-Hauptschule Ferdinandeum und die Sporthauptschule Bruckner) lehnten die Lehrer in Abstimmungen das Modell ab.

Vorarlberg
In Vorarlberg werden voraussichtlich 23 der insgesamt 55 Hauptschulen mit insgesamt 1.500 Schülern teilnehmen. Alle bisherigen Lehrer- und Elternabstimmungen haben meist einstimmige Zustimmung zum Modell gebracht, in Satteins wird diese Woche noch abgestimmt.

Die "Vorarlberger Mittelschule in den Vorarlberger Hauptschulen" sieht unter anderem vor, dass in der dritten Klasse eine zweite lebende Fremdsprache angeboten wird. Auch an eine weitergehende Vermittlung von naturwissenschaftlich-technischen Inhalten ist gedacht. Zusätzlich werden an den einzelnen Standorten speziell auf die Kinder abgestimmte Förderkonzepte erarbeitet und reformpädagogische Lernkonzepte umgesetzt. So könnte Unterricht etwa von mehreren Lehrpersonen und fächerübergreifend gestaltet werden. Vorgesehen ist dabei eine vertiefte Kooperation zwischen Gymnasien und den Modellschulen. Zum Teil werden - etwa bei der zweiten Fremdsprache - Gymnasiallehrer den Unterricht übernehmen.

 

Grafik: APA-GRAFIK

Burgenland
Im Burgenland sind neun Hauptschul-Schulstandorte für den Modellversuch nominiert. Diese sind über mehrere Bezirke verstreut, aus den ursprünglich angedachten ganzen Modellregionen in Güssing und Jennersdorf wurde mangels Zustimmung bei den Eltern- und Lehrerabstimmungen nichts. So wurden die Versuche in Güssing, Stegersbach und St. Michael sowie in Jennersdorf abgeblasen. Welche Schwerpunkte die Hauptschulen wählen, steht noch nicht fest. Sie können laut Landesschulratspräsident Gerhard Resch aus etwa zehn möglichen Schwerpunkten fünf aussuchen, darunter zum Beispiel Förderung von Begabten oder Lernschwachen oder Nachmittagsbetreuung. Laut Ministerium werden knapp 500 Schüler beteiligt sein.

Oberösterreich
In Oberösterreich wird die Europaschule in Linz, eine Praxisschule der Pädagogischen Hochschule, mit der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) kooperieren und dabei sein. Die Europaschule läuft bereits jetzt als Reformschule ohne Noten und Sitzenbleiben. Eine erste und eine zweite Hauptschulklasse sollen ab Herbst am Modellversuch teilnehmen, wie Hochschul-Rektor Wolfgang Ratzinger der APA erklärte. Möglicherweise wird zusätzlich noch ein Gymnasium mit ins Boot geholt.

Kärnten
In Kärnten wird im kommenden Schuljahr der Modellversuch an zwei Schulstandorten in Klagenfurt eingeführt. Betroffen sind einerseits die Praxishauptschule und das BORG Klagenfurt sowie die katholische Bildungseinrichtung St. Ursula, in der neben einem Kindergarten derzeit ein Oberstufenrealgymnasium sowie eine Hauptschule untergebracht sind.

In der Praxishauptschule und im BORG Klagenfurt wird eine Klasse mit 25 Schülern eingerichtet. "Dort werden AHS-Lehrer mit HS-Lehrern zusammenarbeiten und Kinder mit AHS-Reife mit lernschwachen Kindern zusammentreffen", sagte Elisabeth Herzele, Direktorin der Praxishauptschule. Unter dem Schlagwort "Teamteaching" werden einzelne Gegenstände von zwei Lehrern unterrichtet. Gegenstände wie Geografie und Geschichte würden zu "Lernfeldern" zusammengefasst. Der Andrang ist groß, die 25 Plätze sind mehrfach überbucht. Bei den Ursulinen werden drei Klassen für insgesamt 75 Schüler eingerichtet.

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