Mercosur

Riesen-Wirbel um "Hormon-Fleisch" aus Brasilien

17.05.2026

Riesen-Wirbel um "Hormon-Fleisch" aus Brasilien. 

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Das Mercosur-Abkommen, es trat mit 1. Mai vorläufig in Kraft, sorgt weiter für Wirbel. Neuester Anlass: Antibiotika und Hormone (Östradiol), die in der EU verboten sind, in Brasilien aber zum Einsatz kommen dürften. Eine Spurensuche führt nach Irland, Brüssel und die Niederlande.

Neuen Schwung in die Causa bringt zum einen ein Importstopp der EU für Brasilien-Fleisch ab September. Der Grund: Antibiotika-Einsatz. Zum anderen berichtet nun "Servus TV" von einem "Hormon-Skandal" rund um Mercosur. Demnach wurden im März 63 Tonnen brasilianisches Fleisch, das mit Antibiotika belastet war, in europäischen Supermärkten gefunden. Kontrollen hätten daraufhin ergeben, dass in Brasilien Rinder mit Wachstumshormonen gefüttert würden, die in der EU streng verboten seien. 

Hormon-Fleisch wurde schon letztes Jahr entdeckt

Ganz so ist es allerdings nicht. Die 63 Tonnen dürften aus einer Anfragebeantwortung des niederländischen Gesundheitsministeriums von Anfang Februar stammen. In dieser geht es um 62.781 Tonnen Rindfleisch, die mit Östradiol belastet waren und zurückgerufen wurden. Beim Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed, RASFF) ging bereits am 11. November die entsprechende Meldung ein, dass das Rindfleisch in Brasilien zu Unrecht mit einem Gesundheitszeugnis versehen worden sei. 

Da das Ablaufdatum der betroffenen Charge allerdings bereits Ende Oktober 2025 war, dürfte das Fleisch verzehrt worden sein. Das Gesundheitsministerium hält in der Beantwortung allerdings fest, dass bei einmaligem Konsum kein Gesundheitsrisiko bestehe. 

Und die Antibiotika bzw. weiteren Kontrollen? Die dürften auf eine Reportage des "Irish Farmers Journal" zurückgehen. Dieses war Ende 2025 nach Brasilien gereist und konnte dort unbehelligt Antibiotika und Hormone erwerben. Die Produkte waren zudem ohne Barcode gekennzeichnet, auch eine Identitätsfeststellung gab es nicht. Das Fazit also: Es gebe keine wirklichen Kontrollmöglichkeiten. 

"Gefährdet die Gesundheit" 

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz griff die Meldungen jedenfalls auf, um eine Frontalattacke gegen die ÖVP zu starten: „Das gefährdet direkt die Gesundheit der Konsumenten und unsere Bundesregierung sieht tatenlos zu. Nun tritt also ein, wovor wir immer gewarnt haben: Die ÖVP ruiniert die Bauern und gefährdet gleichzeitig die Konsumenten. Man kann hier nicht zur Tagesordnung übergehen. (Bundeskanzler Christian, Anm.) Stocker und Co sind rücktrittsreif.“

Der ÖVP-Bauernbund ist allerdings ebenso gegen das Mercosur-Abkommen. Vor allem der niederösterreichische EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber macht dagegen mobil.

Heimische Supermärkte verzichten auf Frischfleisch aus Brasilien 

Österreichs Supermarktketten verzichten bei Frischfleisch aber ohnehin auf Produkte aus Brasilien.