Afffären
WKStA: Wirtschaftskriminalität ist geradezu explodiert
18.03.2026Die Zahl der Fälle hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ist gut beschäftigt: Die Zahl der Fälle von Wirtschaftskriminalität hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 22.000 auf rund 50.000 Fälle pro Jahr mehr als verdoppelt, verwies die WKStA am Mittwoch auf Zahlen des Bundeskriminalamts. Dabei gehe es vor allem um Betrug, Untreue und Krida-Delikte. Gleichzeitig stiegen auch die Schadenssummen, die Konstruktionen würden komplexer und die Verfahren dadurch aufwendiger.
Die WKStA sieht in der Wirtschaftskriminalität System. Wirtschaftskriminelle handelten nicht im Affekt, sie handelten "extrem rational". "So weit wir das aus den Ermittlungen sehen, kalkulieren sie ihre Gewinnchancen", sagte WKStA-Leiterin Ilse-Maria Vrabl-Sanda bei einem Pressegespräch. "Sie preisen die Entdeckungswahrscheinlichkeit ein und sie rechnen auch unter Umständen mit Möglichkeiten einer Verurteilungsunschärfe." "Lohnten" sich diese Kalkulationen betriebswirtschaftlich, stehe man vor einem strukturellen Problem.
Von Signa über Wienwert zu Baukartell
Derzeit verfolgt die WKStA 70 Großverfahren in Österreich. Es handelt sich dabei um Verfahren mit zwei- bis dreistelligem Millionenschaden oder tausenden Geschädigten. Neben der Causa Signa mit geschätztem Schaden in Milliardenhöhe beschäftigt die WKStA etwa die Affäre um die insolvente Immobiliengesellschaft Wienwert, die derzeit vor Gericht verhandelt wird, in der Anlegerinnen und Anleger um 41 Mio. Euro geschädigt worden sein sollen. Zudem hob Vrabl-Sanda das Straßenbau-Baukartell hervor, das kürzlich für die Strabag mit einer Rekordstrafe von 146 Mio. Euro endete.
Kritik üben die Oberstaatsanwältinnen und Oberstaatsanwälte an der Neuregelung der Beschlagnahmung von Datenträgern ("Handy-Sicherstellung neu"), die seit Anfang 2025 gilt. Diese sei praxisfern und widerspreche internationalen Standards, sagte Wolfgang Handler, stellvertretender WKStA-Leiter. Die neue Rechtslage verursache Mehraufwand und stoße auf zu wenig Personal und technische Ressourcen. "Technische Probleme sind schwer zu lösen und fehlende Ressourcen bei allem verständlichen Spardruck behindern die Strafverfolgung massiv", so Handler. Außerdem dauere die Auswertung der Daten deutlich länger als zuvor.
Auch die Dauer von Strafverfahren war Thema. Gerade im Bereich der Wirtschaftskriminalität werde seitens der Beschuldigten immer wieder versucht, Verfahren zu verschleppen oder in die Länge zu ziehen, so Handler. Es sei natürlich legitim, Beschuldigtenrechte in Anspruch zu nehmen, betonte Vrabl-Sanda. Aber es gehe hier darum, die Grenze zum Missbrauch zu ziehen.
200 Ermittlungsverfahren anhängig
Aktuell sind bei der WKStA rund 200 Ermittlungsverfahren anhängig. Rund 72 Prozent davon entfallen auf reine Wirtschaftsstrafsachen, 15 Prozent auf Wirtschafts- und Korruptionsdelikte und in etwa 13 Prozent der Fälle handelt es sich um reine Korruption.