Interview

Bandion: Nicht jeden Freitag wird geköpft

18.10.2014

Ex-Justizministerin äußert sich zur Hinrichtungspraxis in Saudi-Arabien.

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© TZ ÖSTERREICH (Archiv)
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Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hat im "profil" die Praxis der saudi-arabischen Justiz, Verurteilte an Freitagen nach dem Gebet öffentlich auszupeitschen und zu enthaupten, relativiert. "Das ist nicht jeden Freitag" und natürlich sei sie gegen die Todesstrafe, so die nunmehrige Vize-Generalsekretärin des größtenteils von Saudi-Arabien finanzierten König Abdullah Dialog-Zentrums in Wien.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden in Saudi-Arabien 2013 mindestens 79 Todesurteile vollstreckt. 2014 wurden bisher 60 Menschen hingerichtet.

Bandion-Ortner zog laut der Vorausmeldung vom Samstag eine positive Bilanz der ersten beiden Jahre im "König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog" (KAICIID): "Saudi-Arabien mischt sich in unsere Arbeit überhaupt nicht ein." Auch ihre persönlichen Erfahrungen in Saudi-Arabien schilderte sie gegenüber dem "profil" durchgehend positiv, auch wenn als Frau dort zu leben "sicher nicht einfach" sei. Als emanzipierte Frau "hätte ich sicher meine Schwierigkeiten dort", aber sie sei sehr gut und nett behandelt worden, so Bandion-Ortner.

Verhüllt
Wie alle Frauen in Saudi-Arabien musste sich Bandion-Ortner mit einem weiten, schwarzen Gewand (Abaya) und einem gleichfarbigen Kopftuch verhüllen. "Aber ich muss sagen: Die (Abaya, Anm.) ist praktisch. Ein angenehmes Kleidungsstück. Sie hat mich ein bisschen an den Talar erinnert." Sie habe an einem Damenabend gebildete hochintelligente Frauen, Managerinnen, Universitätsprofessorinnen getroffen und sei sich vorgekommen "wie in Österreich bei einer Damenrunde. Da war eigentlich kein Unterschied."

Gespräch mit dem König
Durch die Dialogbereitschaft könne sich in Saudi-Arabien langsam etwas verändern, glaubt Bandion-Ortner. "Der König steht da wirklich sehr dahinter, ich habe mit dem König persönlich darüber gesprochen." Auch werde das Zentrum in Wien am 18. und 19. November eine Konferenz mit hohen religiösen Repräsentanten zum Thema "Religionsführer gegen Gewalt im Namen der Religion" veranstalten. Genaueres könne sie nicht bekannt geben, denn "so eine Konferenz ist auch ein Sicherheitsrisiko", so Bandion-Ortner im "profil".

 

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