Steiermark
Einstimmig für generelles Rauchverbot
12.12.2006
Alle vier Parteien sprachen sich für ein Rauchverbot in Lokalen, in Buschenschenken und in Tankstellen-Shops aus
Der steirische Landtag hat am Dienstagabend einstimmig eine Petition anhand eines SPÖ-Antrags beschlossen, mit der an den Bund zwecks eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie heran getreten werden soll, da die landesgesetzlichen Möglichkeiten für eine Umsetzung nicht ausreichen. Der Bund solle die Petition zum Anlass nehmen, das Tabakgesetz zu ändern. ÖVP-Klubchef Christopher Drexler meinte, das entscheidende Argument sei, dass in einem Lokal unbeteiligte Dritte durch Rauch direkt geschädigt würden, was z.B, bei Alkoholgenuss in einer Gaststätte nicht der Fall sei.
Rauchen kein "Teil der Kultur"
SPÖ-Abgeordnete Ursula
Lackner erklärte, dass man die Sorgen die Gastronomie nicht gering schätzen
wolle, aber die Politik habe auch Verantwortung gegenüber der Gesundheit der
Bürger. Nach einer kurzen Phase der Umsatz- und Arbeitsplatzrückgänge sei in
jenen europäischen Ländern mit Rauchverbot Umsätze und Beschäftigtenzahlen
in den Gaststätten wieder angestiegen. Dieser Schluss entstamme einer
Untersuchung des deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Gesundheit
könne man nicht kaufen, und hinsichtlich des Arguments, dass Rauchen Teil
der Kultur sei, so müsse gesagt werden, dass Nichtrauchen der größere Teil
der Kultur sei.
Raucherin gegen Raucher
Die KPÖ-Abgeordnete Claudia
Klimt-Weithaler - nach eigenen Angaben "leidenschaftliche Raucherin" -
erklärte, man unterstütze den Antrag deshalb, weil man Bewegung in die Frage
bringen wolle. Es gehe anscheinend nicht anders, da alle Bitten und Gebote
um Trennung von rauchfreien und Raucherzonen offenbar bei vielen Wirten
nichts gefruchtet hätten. Die SPÖ-Mandatarin Martina Schröck meinte, man sei
als Jugendlicher durch das Rauchen in Lokalen sehr im Gruppendruck.
Indoor-Rauchverbot
ÖVP-Klubchef Christopher Drexler, dessen
"Nichtraucherkarriere durchaus nicht lückenlos" gewesen ist, gab zu, dass
ihn das italienische Beispiel überzeugt habe. "Wenn schon, denn schon kann
man bei allen Veranstaltungen, ausgenommen jene, die unter Himmel
stattfinden, ein generelles Rauchverbot sicherstellen. Dazu zählt auch ein
großes Festzelt - das wäre nur fair gegenüber den Gastronomen", so Drexler.
Dies müsse aus ÖVP-Sicht sicher gestellt werden. Ein zusätzlicher
entsprechender Entschließungsantrag der ÖVP fand ebenfalls die Zustimmung
aller Parteien.
Italien: 500.000 Raucher weniger
Gesundheitslandesrat Helmut Hirt
(S) hatte zuvor den Vorstoß bereits durch die Regierung gebracht, in der SPÖ
und ÖVP dafür waren. Im Landtag haben auch KPÖ und Grüne ihre Unterstützung
avisiert. Auch Tankstellen-Shops und Buschenschenken sollen inkludiert sein,
so ein SPÖ-Zusatzantrag, der ebenfalls von allen Parteien angenommen wurde.
Wenn auch der Gültigkeitsbereich - etwa für Zeltfeste oder in Vereinslokalen
- schwer eindeutig zu definieren sei, liege es im Zug der Zeit, dass sich
die künftige Bundesregierung damit auseinander setzen müsse, lautete der
Tenor. Hirt räumte ein, er sei über manche Diskussionen der vergangenen
Wochen unglücklich gewesen: Es gehe nicht um eine Raucherhatz. Es nenne eine
Zahl: In Italien hat im Gefolge des Rauchverbots in Lokalen eine halbe
Million Menschen das Rauchen aufgegeben. Das ist eine Zahl, an der ein
Gesundheitspolitiker nicht vorbei kann", sagte Hirt.
Gegen ein Rauchverbot in Lokalen hatten sich im Vorfeld der Landtagsentscheidung die Wirtschaftskammer und die Sparte Gastronomie sowie BZÖ und FPÖ - die beide nicht im Landtag vertreten sind - ausgesprochen.