Großer Auftritt

Favorit für ORF-Chefposten spricht über Haushaltsabgabe

21.05.2026

Man kann vermuten, dass es eine Wahlkampfrede war. APA-Chef Clemens Pig sprach vor großem Publikum im Tirol ausführlich zum ORF. Denn über den Sender sei viel gestritten worden...

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© APA/EXPA/ JOHANN GRODER
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Einer der profiliertesten Medien-Manager und Digital-Experten des Landes soll künftig den ORF führen. Der APA-Chef Clemens Pig soll im Stiftungsrat am 11. Juni zum neuen ORF-Generaldirektor gewählt werden, heißt es aus der Kanzlerpartei. Am Donnerstag sprach Pig beim Mediengipfel in Seefeld auch zum ORF. Vor seinem Keynote-Vortrag herrscht geballte Spannung: Wird Pig seine Kandidatur bekannt geben? Nein, das tut er nicht. Aber er kommt schnell auf das Thema ORF und sagt folgendes: "Der ORF ist eine der zentralen, demokratischen Infrastrukturen dieses Landes. Gerade deshalb wird über ihn so leidenschaftlich gestritten."

"ORF erneuern": Die Haushaltsabgabe

Man müsse den ORF ernst nehmen und erneuern. "Wenn alle zahlen, muss der ORF allen zeigen, warum er da ist", sagt Pig. Er spricht damit die Haushaltsabgabe an. Die Aufgabe sei schwer, weil das Publikum auch schon zersplittert sei in viele verschiedene Gruppen mit verschiedenen Sichtweisen. Der ORF dürfe keinen "Aktivismus" betreiben, sondern müsse "demokratische Grundversorgung" bieten.

Er nennt Punkte, wie man den Sender erneuern könnte. Selber deklariert er sich aber nicht als Kandidat für die Wahl des ORF-Generaldirektors. Spricht aber vor der aktuellen ORF-Chefin Ingrid Thurnher und dem möglichen - eher chancenlosen - Kandidaten Markus Breitenecker. Diese diskutieren später in einem Panel mit Christian Stögmüller (Präsident VÖP), Maximilian Dasch (Präsident VÖZ) und Stefan Ströbitzer (Medienexperten). Thurnher empfahl in der Diskussion eine Wiederbelebung des Video-Austauschs zwischen ORF und Zeitungsherausgebern (Austria Video Plattform). 

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Bisher als Kandidatin deklariert hat sich nur Lisa Totzauer (ORF-Magazinchefin) in Wien. Dort ging es am Donnerstag ebenfalls heiß her, oe24 berichtete.

Die Neos starteten eine Initiative für eine ORF-Reform. „Mit einem reinen Führungswechsel an der ORF-Spitze kann es nicht getan sein. Das Vertrauen in den ORF ist zertrümmert, insbesondere in sein ,Gremium des Grauens', den ORF-Stiftungsrat", so NEOS-Klubchef Yannick Shetty gegenüber oe24.  

Von Medienminister Andreas Babler (SPÖ) wurde angekündigt, einen ORF-Reformprozess zu starten - allerdings erst nach den Sommerferien, lange nach der Wahl des neuen Generaldirektors.

Nennung von Namen "Einschüchterung" für andere Bewerber

In Hinblick auf die anstehende Wahl eines ORF-Generaldirektors kritisieren die NEOS, dass die ÖVP noch während der laufenden Ausschreibung einen bestimmten Kandidaten (eben APA-CEO Clemens Pig) favorisiere. Dies sei eine "klare Einschüchterung all jener, die sich noch nicht beworben haben". Von den NEOS werde es zu keinem Zeitpunkt Unterstützungserklärungen für einzelne Kandidatinnen und Kandidaten geben, die Stiftungsräte allein würden ihre Wahl treffen. Für Transparenz sorgen solle jenes öffentliche Hearing, zu dem die NEOS am 2. Juni ins Funkhaus geladen haben.

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