Frauentag

"Gläserne Decke" ist für Österreichs Frauen aus Panzerglas

07.03.2026

Am Sonntag ist wieder internationaler Frauentag. Man sollte meinen, 2026 hätten wir das Thema "Gleichberechtigung" längst in den Aktenordnern der Geschichte abgelegt – aber weit gefehlt. Hier ist der schonungslose Lagebericht für die Österreicherinnen. 

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Es wäre ein Tag zum Feiern, gewiss – aber für viele Frauen in Österreich ist es auch ein Tag der bitteren Statistik. Während am Sonntag, dem 8. März, vielfach Blumen verteilt werden, zeigt ein Blick auf die Konten und Karriereleitern, dass die "gläserne Decke" in Österreich eher aus Panzerglas besteht.

Das sind die bitteren Fakten zum Frauentag

 

1. Lohnschere: 42 Tage "Gratis-Arbeit"

Auch 2026 ist das Geldbörserl der Österreicherinnen deutlich schmaler als das der Herren der Schöpfung. Der Equal Pay Day fiel heuer auf den 11. Februar.

Der Gap: Frauen verdienen im Schnitt 11,6 % weniger (laut Median-Bruttojahreseinkommen bei Vollzeit). Am Stundenlohn berechnet sind es sogar 17,6 %.

Das Fazit: Rein rechnerisch haben Frauen vom Neujahrstag bis zum 11. Februar unbezahlt gearbeitet. Besonders krass bleibt das Gefälle in Vorarlberg (Gap über 20 %), während Wien mit rund 4 % fast als Musterbeispiel durchgeht. Das Bittere daran: Zwei Drittel des Gender Pay Gap können eben nicht durch Betreuungspflichten oder Ähnliches erklärt werden - es handelt sich um pure Diskriminierung.

2. Chefetagen: Fast nur Testosteron im Vorstand

Wer glaubt, in den Vorständen der Top-Unternehmen wehe ein neuer Wind, der irrt. In den im Wiener Börse Index (WBI) gelisteten Unternehmen herrscht fast schon gespenstischer Stillstand.

Die Quote: Nur 13,8 % der Vorstandsposten sind mit Frauen besetzt (26 von 188 Mitgliedern).

Der CEO-Check: Es gibt mit Stand Jänner 2026 keine einzige Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens in Österreich.

Aufsichtsräte: Hier greift die Quote zwar langsam (31,7 %), aber in den operativen Machtzentren bleiben die Herren unter sich.

 

3. Politik: Rückschlag an der Staatsspitze

In der Bundesregierung sieht es optisch nach Parität aus, doch blickt man tiefer ins Land, wird die Luft für Politikerinnen dünn.

Nationalrat: Der Frauenanteil liegt aktuell bei nur noch 35 % – ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders die FPÖ zieht den Schnitt mit einer Frauenquote von nur rund 23 % nach unten.

Gemeinden: Hier wird es richtig schwierig. Nur knapp 12 % der österreichischen Gemeinden werden von einer Bürgermeisterin angeführt (236 von 2.092).

Gemeinderäte: In 21 Gemeinden sitzt nach wie vor keine einzige Frau im Gemeinderat. Politik bleibt auf lokaler Ebene oft eine reine Männerpartie beim Heurigen oder im Wirtshaus.

 

Und was sagt Österreichs Frauenministerin  Eva-Maria Holzleitner?  

""Vor ein paar Jahren war Emanze ein Schimpfwort, heute ist es Feministin", ortet die SPÖ-Politikerin Gegenwind. Mit einer Kampagne unter dem Titel "Gerecht oder Geschlecht?" will sie für mehr Bewusstsein für strukturelle Benachteiligungen von Frauen sorgen. Auch heute noch würden Frauenrechte jeden Tag angegriffen, verwies sie unter anderem auf Einschränkungen beim Abtreibungsrecht, den "Tradewife"-Trend oder die Entrechtung von Frauen in Afghanistan und in Konflikten weltweit. Neben Maßnahmen gegen Gewalt gegen Frauen wie mit dem beschlossenen Nationalen Aktionsplan sei auch Bewusstseinsarbeit notwendig. Denn Sicherheit sei nicht nur die Abwesenheit von Gewalt, sondern auch ökonomische Unabhängigkeit die Basis für ein freies und selbstbestimmtes Leben.