2,5 Mio. Euro Prozesskosten

Grasser rechnet ab: ''Letzte Jahre waren Strafe''

18.12.2019

Erst zum zweijährigen Jubi­läum des Buwog-Prozesses zeichnet sich ein Ende ab.

Zur Vollversion des Artikels

This browser does not support the video element.

Zur Vollversion des Artikels

130 Tage vor Gericht. Bei Fellner! Live auf oe24.TV im Interview mit Wolfgang Fellner sprach Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser über ein absehbares Ende des Monsterverfahrens, das den Bawag-Prozess locker in den Schatten stellt, und über sein neues Leben.

© TZOE/Kernmayer

Grasser rechnet bei Fellner! LIVE ab

ÖSTERREICH: Sie haben jetzt genau 2 Jahre Prozess hinter sich. Wie erlebt man das?

Karl-Heinz Grasser: Es sind mehr als 130 Tage vor Gericht, fast 10 Jahre mit Ermittlungen, und die sind das Schlimmste: 30.000 Zeitungsartikel über mich – da ist jede Woche eine neue Bombe eingeschlagen, da sind Dinge über mich gestanden und wir hatten nicht einmal Akteneinsicht. Es waren massive Vorverurteilungen, ohne die Wahrheit zu kennen. Das tut schon weh.

ÖSTERREICH: Wann kommt das Urteil?

Grasser: Ich hoffe vor Sommer 2020. Die Richterin ist im März mit den Zeugen am Ende, mehr als 90 wurden befragt. Für mich sind die letzten 10 Jahre aber so was wie eine virtuelle U-Haft. Auf der Straße, von Freunden, überall wirst du angesprochen, kannst dich nirgendwo für einen Job bewerben.

ÖSTERREICH: Was kostet Ihnen das Verfahren?

Grasser: In Summe sind es 2,5 Mio. Euro – also Kosten für Gutachter, Anwalt etc.
ÖSTERREICH: Haben Sie aktuell einen Job?

Grasser: Nein, ich kann auch keinen haben. Drei Tage in der Woche wird verhandelt, viele Stunden wende ich für Akten auf. Ich möchte meine Unschuld beweisen.

ÖSTERREICH: Sie haben 10 Jahre kein Geld verdienen können? Wovon leben Sie?

Grasser: Von dem, was ich aufgebaut habe. Ich habe meine Wohnung in Wien und mein Haus am Wörthersee verkauft. Ich habe alles verkauft, was ich hatte. Das musste ich, denn meine Frau muss sowieso den Großteil unseres Lebens bestreiten. Aber: Mein Vater ist 81, meine Mutter 77 – wie die darunter zu ­leiden haben, wenn du da zuschaust, das ist noch viel schlimmer.

ÖSTERREICH: Es geht ja um 10 Jahre Haft, haben Sie Angst davor?

Grasser: Es wäre gelogen, wenn ich etwas anderes sagen würden. Man hat Angst. Aber ich erwarte mir am Ende einen Freispruch.

ÖSTERREICH: Hat Sie das alles als Mensch verändert?

Grasser: So ein Verfahren hinterlässt Spuren, ich bin demütiger und bewusster geworden, freue mich über alles Positive. Die letzten 10 Jahre sind eine enorme Strafe, meine Familie, meine Kinder leiden massiv, da hadert man mit dem Schicksal.

ÖSTERREICH: Wollte man Sie politisch kaputt machen?

Grasser: Als ich in die Politik gegangen bin, habe ich mich mit egal wem angelegt – ohne nachzudenken wer später mein Feind sein könnte. Auch meine Persönlichkeit hat zur Polarisierung beigetragen. Dieses Verfahren ist ein politisches, meine Hoffnung ist aber, dass das Gericht objektiv urteilen muss. Auch das Ausmaß der Berichterstattung war ein Tsunami, der Staatsanwalt hat 20 Jounalisten zur Hausdurchsung bei mir eingeladen. Dabei soll der Staat Bürgerrechte schützen, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt.

ÖSTERREICH: Es geht ja um 10 Jahre Haft, haben Sie Angst davor?

Grasser: Man hat Angst. Aber ich erwarte mir am Ende einen Freispruch.

ÖSTERREICH: Hat Sie das alles als Mensch verändert?

Grasser: So ein Verfahren hinterlässt Spuren, ich bin demütiger und bewusster geworden, freue mich über alles Positive. Die letzten 10 Jahre sind eine enorme Strafe, mein Familie, meine Kinder leiden massiv, da hadert man mit dem Schicksal.

Zur Vollversion des Artikels