Zeugin packt auf oe24 aus

Ibiza-Maklerin: "Ich filmte den Lockvogel"

07.12.2019

Die Wiener Maklerin Irena Markovic stellte 2017 den Kontakt zwischen „Oligarchen-Nichte“ und Gudenus her.

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Wien. Zu Beginn des Ibiza-Skandals stand ein Anruf: „Ein bekannter Anwalt meldete sich und fragte, ob ich das Ehepaar Gudenus gut kenne?“, erzählt Maklerin Irena Markovic im ÖSTERREICH-Interview. Damit begann die Ibiza-Affäre, die letztlich Strache aus dem Amt kegelte und die Regierung stürzte. Markovic, die früher Society-Events in Wien organisierte und nun mit einem Austro-Immo-Multimillionär verheiratet ist, glaubte an ein Geschäft. Das Gudenus-Grundstück hätte um mehrere Millionen verkauft werden sollen. Die „Russin“ gab auch vor, „weitere 300 Millionen investieren zu wollen“.
 
Missbraucht. Heute weiß Markovic, dass alles Täuschung war. Es ging nur darum, Strache in die Ibiza-Falle zu locken: „Ich bin heute noch komplett perplex, wie perfekt alle agiert haben“, sagt Markovic. In ÖSTERREICH schildert sie, wie die „Oligarchin“ agierte, warum sie sie heimlich filmte und erzählt, was sie wirklich über die Russin weiß.
 

ÖSTERREICH-Interview: Was sie über die "Russin" weiß

 
Immobilien-Maklerin Irena Markovic hat den Lockvogel der Ibiza-
Affäre mehrmals getroffen. Das sagt sie über die „schoafe Oligarchennichte“.
 
ÖSTERREICH: Was wissen Sie über die vermeintliche Oligarchin, die Strache und Gudenus in die Ibiza-Falle gelockt hat?
 
Irena Markovic: Ich fand sie sehr hübsch. Sie ist groß, schlank, attraktiv. Anfang 30 dürfte sie sein, schätze ich. Ich weiß nicht, wie sie wirklich heißt, jetzt, im Nachhinein betrachtet, wissen wir eigentlich gar nichts über sie. Schon beim ersten Treffen im Grand Hotel ist mir aufgefallen, dass ich der Dame nicht sehr sympathisch war. Sie hat es gemieden, mit mir zu sprechen. Auch hat sie meist russisch gesprochen und ich kann kein Russisch. Mit mir und ihrem Begleiter hat sie stets englisch geredet. Sie war von Beginn an nur am Ehepaar Gudenus interessiert. In dieser Form habe ich das noch nie erlebt. Ich hab sogar um ein Geschäft gefürchtet.
 
ÖSTERREICH: Sie haben die vermeintliche Oligarchin sogar verdeckt mit dem Handy gefilmt. Warum haben Sie das gemacht?
 
Markovic: Es ging im ersten Schritt um den Verkauf des Gudenus-Grundstücks im Waldviertel, daran war sie ­primär interessiert. Als wir ­einander dann zum zweiten Mal getroffen haben, gab’s noch immer keinen schriftlichen Maklervertrag. Ich bin sogar früher aus dem Urlaub zurück nach Wien geflogen. Viele Male wollte ich zuvor an sie oder ihren Begleiter den Maklervertrag schicken. Mir ist stets gesagt worden, dass dies erledigt werde, aber geschehen ist nichts.
 
ÖSTERREICH: Und dann?
 
Markovic: Dann stand die ­Besichtigung am Tagesplan.
 
ÖSTERREICH: Dabei haben Sie die „Oligarchin“ verdeckt gefilmt mit Ihrem Handy. Warum?
 
Markovic: Ja, ich wollte mich einfach absichern, wir hatten ja keinen Maklervertrag, ich hab befürchtet, dass ich letztlich nicht gebraucht werde.
 
ÖSTERREICH: Sie haben lange der Polizei nicht mitgeteilt, dass Sie ein Video von der Hauptperson in der Affäre haben. Warum haben Sie geschwiegen?

Markovic: Die Behörden wissen den konkreten Grund, warum ich nichts vom Video erzählt hab. Näher möchte ich mich dazu nicht äußern. Da gibt es Gründe, warum ich das nicht mit der Öffentlichkeit teilen möchte.
 
ÖSTERREICH: Wie ist es eigentlich zum Kontakt mit dem Lockvogel gekommen?
 
Markovic: Ein bekannter Anwalt hat mich angerufen und vom Kauf des Gudenus-Grundstücks im Waldviertel gesprochen. Er hat zuerst nur von einer Russin gesprochen, die in Österreich investieren will. Einerseits ist es um das Gudenus-Grundstück gegangen. In einem zweiten Schritt ging es um 300 Millionen, die sie angeblich investieren wollte. So eine Chance bekommst du kein zweites Mal im Leben, hab ich mir damals gedacht.
 
ÖSTERREICH: Als die Affäre platzte und das versteckt aufgenommene Video auftauchte – was passierte dann?

Markovic: Ich war völlig perplex, das war surreal, mir ­fehlen noch heute die Worte. Frau Gudenus hat mich angerufen: „Das war eine Falle“, hat sie zu mir gesagt. Ich habe weder die Reichweite verstanden noch die Konsequenzen.
 
ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen?
 
Markovic: Nicht gut. Ich habe Angst vor diesen Leuten, die das eingefädelt haben. Da ist unglaublich viel kriminelle Energie, schließlich habe nur ich Bilder von der Oligarchin. Auch finde ich es schlimm, was jetzt mit mir und meiner Karriere passiert. Jetzt sehe ich mein Image und meine Firma in Gefahr. Gleichzeitig gibt es Leute, die zugegeben haben, dass sie hinter der Affäre stecken, und die meisten Medien befassen sich nicht mit ihnen. Diese Logik verstehe ich nicht.
 
R. Schmitt, K. Wendl
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