Frauentag: Kampagne für Halbe-halbe

Karmasin nimmt Männer in Pflicht

05.03.2016

Pünktlich zum Frauentag zeigt eine Studie, wie ungleich Haus- und Familienarbeit noch verteilt ist.

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© TZOe Fuertbauer
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ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin drängt vor dem Frauentag am 8. März auf mehr Beteiligung der Väter bei der Kinderbetreuung und im Haushalt. Denn laut einer Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung arbeiten Frauen 45,7 Stunden pro Woche (bezahlte und unbezahlte Arbeit), Männer nur 41,7. Das heißt: Vom 1. Jänner bis zum 8. März haben Frauen insgesamt bereits 40 Stunden mehr gearbeitet als Männer.

Karmasin: »Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit«

Karmasin sagt zu ÖSTERREICH: „Hier herrscht ein wirkliches Ungleichgewicht vor. Frauen erledigen nicht nur mehr unbezahlte Arbeit, sondern arbeiten grundsätzlich mehr.“

Die Ministerin hat in der Studie, die sie morgen präsentieren wird und ÖSTERREICH bereits vorliegt, genau aufgeschlüsselt, in welchen Bereichen die unbezahlte Arbeit besonders ungerecht verteilt ist: So bereiten Frauen sieben Stunden in der Woche Essen zu, Männern nur zwei. Fürs Putzen verwenden Frauen drei Stunden, Männern nur eine halbe. Für die Kinderbetreuung wenden Frauen doppelt so viel Zeit auf wie Männer.

Auch ist die Teilzeit-Quote in Österreich sehr hoch. Anders als SPÖ-Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek will Karmasin aber Frauen nicht so sehr von der Teilzeitarbeit abhalten, sondern mehr Männer dazu animieren.

Vatermonat und Bonus bei Aufteilung der Karenzzeit

Mit gesetzlichen Änderungen soll jetzt die Väterbeteiligung erhöht werden. Einen Bonus von 1.000 Euro gibt es, wenn sich Paare die Karenzzeit gerecht aufteilen. Zusätzlich kommt ein „Vatermonat“ nach der Geburt. Ob es einen Rechtsanspruch darauf gibt, verhandeln SPÖ und ÖVP derzeit noch.

Karmasin im ÖSTERREICH-Interview

ÖSTERREICH:
Wie können Sie mehr Männer zur Hausarbeit animieren?

Sophie Karmasin: Das hängt eng mit der Kinderbetreuung zusammen. Mit dem neuen Kindergeld-Gesetz gibt es einen Partnerschaftsbonus für Männer und Frauen, die die Karenz gerecht teilen. Wenn Väter bei den Kindern bleiben, müssen sie ja auch den Rest tun. Darüber hinaus werden wir unter dem Motto „Sharing is Caring“ eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung starten.

ÖSTERREICH: Auffällig ist, dass Frauen viel häufiger Teilzeit arbeiten. Sehen Sie das eigentlich negativ?

Karmasin: Teilzeit an sich sehe ich nicht negativ. Es gibt Phasen im Leben, da macht das Sinn. Aber warum immer nur die Frauen? Mein Idealmodell wäre, wenn beide nach der Geburt schnell wieder einsteigen, aber beide mit Teilzeit: Also z. B. 30 und 10 Stunden oder jeder 25 Stunden. Es geht um Partnerschaftlichkeit.

ÖSTERREICH: Welche Schlüsse ziehen Sie noch aus der Studie?

Karmasin: Wesentlich ist natürlich der weitere Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Wo immer es neue Kindergärten vor allem für unter Dreijährige gibt, sind die im Nu voll.

ÖSTERREICH: Haben Sie die ÖVP für Ihren Kurs im Boot?

Karmasin: Die Partnerschaftlichkeit ist eine Position, die die ÖVP sehr gut mittragen kann.

Debora Knob

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