Zwei-Klassen-Medizin
Kassenpatienten müssen 13 Mal länger auf Arzttermin warten
21.01.2026Im österreichischen Gesundheitssystem fließt Jahr für Jahr mehr Geld, doch bei vielen Patientinnen und Patienten kommt davon wenig an.
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Die SPÖ schlägt Alarm und warnt vor einer weiter wachsenden Zweiklassenmedizin. Besonders die Wartezeiten für Kassenpatienten seien ein massives Problem, sagt SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan – und beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie des Vergleichsportals krankenversichern.at.
„Wer nicht zahlen will, muss lange warten – bis zu 13-mal länger auf einen Facharzttermin“, zeigt sich Silvan entsetzt. Für ihn ist klar: Die Versorgung habe sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Die Verantwortung sieht er nicht bei den Beschäftigten im System, sondern bei der Politik. „Das ist das Versagen der letzten Regierungen – von Blau, Schwarz und Grün“, kritisiert Silvan scharf und nimmt dabei auch den aktuellen Koalitionspartner ÖVP ins Visier.
Besonders deutlich wird die Schieflage laut einer Analyse von krankenversichern.at, die auf 1.591 sogenannten Mystery-Terminanfragen zwischen Ende November 2025 und Mitte Jänner 2026 basiert. Demnach klaffen die Wartezeiten zwischen Kassen- und Wahlärzten in vielen Fachrichtungen weit auseinander. In stark nachgefragten Bereichen wie der Orthopädie erhalten Privatpatienten im Schnitt bereits nach zwei Tagen einen Termin, in der Radiologie nach drei Tagen und in der Augenheilkunde nach vier Tagen. Kassenpatienten warten hier oft mehrere Wochen.
Auch in der Inneren Medizin, der Psychiatrie und der Augenheilkunde zählt der Unterschied zu den größten. Selbst in Fachrichtungen wie Gynäkologie oder Urologie, wo Kassenpatienten im Schnitt 46 beziehungsweise 48 Tage auf einen Termin warten müssen, liegt die Wartezeit bei Wahlärzten mit rund 13 Tagen deutlich unter zwei Wochen.
Für die SPÖ ist diese Entwicklung nicht länger hinnehmbar. „Es muss wieder die E-Card und nicht die Kreditkarte zählen“, fordert Silvan. Seine Partei setzt zunächst auf freiwillige Maßnahmen: Wahlärzte sollen stärker ins Kassensystem eingebunden werden. Sollte das nicht ausreichen, stellt Silvan auch verpflichtende Schritte in Aussicht. „Wenn die Wartezeiten hoch bleiben, werden wir weitere Schritte gehen – bis hin zur Verpflichtung von Privatärzten, einen gewissen Teil an Kassenpatienten anzunehmen.“