"Fall Luca"

Kdolsky will Standards für Behörden setzen

22.11.2007

Nach dem "Fall Luca" soll nicht das Gesetz gegen Kindesmisshandlung geändert werden, sondern der ganze Prozess soll optimiert werden.

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© APA
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Wegen des tragischen Tods des kleinen Luca ist die Diskussion über die Jugendwohlfahrt in vollem Gange. Verschärft wird die Diskussion nun durch das Auftauchen der Bilder des mit blauen Flecken übersäten Luca. Diese Bilder wurden im Krankenhaus gemacht, und an die Jugendämter weitergeleitet, aber die Jugendfürsorge reagierte nicht. Im "Runden Tisch" des ORF diskutierten Experten über den Fall und seine Folgen.

Schuld liegt beim Täter
Ministerin Kdolsky ist der Meinung, das Fotos nicht weiterhelfen, sondern Untersuchungsergebnisse genauer und besser kommuniziert werden müssen. Fotos würden oft dramatisieren und das Bild verzerren. Man dürfe nicht zwischen schwerer und leichter Misshandlung unterscheiden, auch schon ein leichter Missbrauchsfall sei tragisch genug. Für Kdolsky stellt nicht sicht die Frage, ob die Jugendwohlfahrt oder das Krankenhaus die Schuld trägt, Schuld hat der Täter.

Standards für Vorgehen der Behörden
Kdolsky sagte, außerdem, dass für die Vorgangsweise bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung sollen mit Experten, Behörden- und Ländervertretern Standards erarbeitet werden.

Kinder sollen möglichst lange bei Familien bleiben
Die Jugendwohlfahrt ist generall angewiesen, Kinder so lange wie möglich in ihrem familiären Umfeld zu belassen, sie aber vom Täter zu trennen. In diesem Fall klappte das nicht, weil die weiteren Folgen nicht vorhersehbar waren. Sichere Prävention wäre nur durch Kameras in den Wohnzimmern möglich.

Prozess standardisieren
Der Leiter der Kinderabteilung am Wiener AKH, Dr. Arnold Pollak ist für einen standardisierten Prozess, da es zu viele Graubereiche gibt. Es sei besser im "Fall Luca" keinen Schuldigen zu finden und dafür die Löcher im System zu stopfen und es zu optimieren.

Mehr Sozialarbeiter
"Wieder mehr Sozialarbeiter in den Spitälern" forderte Kinderpsychiater Ernst Berger. Deren Präsenz in den Krankenhäusern sei auf Grund knapper Ressourcen nach und nach zurückgegangen.

Gesellschaftliches Problem
Kindesmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. In den meisten Fällen geht es um ohnehin kranke Kinder oder Kinder mit einer Behinderung mit jungen Eltern, die nicht mehr zurecht kommen. Aus diesen Gründen sind heute Sozialarbeiter häufig unterwegs, um sich Familien anzusehen und gegebenenfalls zu intervenieren. Deswegen fehlen aber heute die Sozialarbeiter in den Krankenhäusern und somit kommen ihre Erfahrungen in solchen Fällen nur selten zum Tragen.

Ablauf überprüfen und optimieren
Wachgerüttelt durch den "Fall Luca" soll nun der gesamte Ablauf überprüft werden, nicht nur vom Staatsanwalt, sondern auch von der Jugendfürsorge und von den Krankenhäusern. Bleiben soll auf alle Fälle, dass es keine polizeiliche Anzeigepflicht gibt, denn dadurch werden Eltern oft davon abgehalten, ihre Kindern in Krankenhäuser zu bringen. Es gehe darum den Prozess zu verbessern, ihn zu standardisieren und nicht darum, das Gesetz zu ändern.

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