Im Sommer

Mega-Wirbel: Salzburg sperrt Autos aus der Stadt aus

04.05.2026

Die Stadt Salzburg startet einen neuen Versuch, das im Sommer immer wieder auftretende Verkehrschaos in den Griff zu bekommen.  

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© getty/Symbolbild
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Im Juli und im August wird die Durchfahrt für Pkw durch das Zentrum rund um die Staatsbrücke gesperrt. Die Regelung gilt für alle Autos, die von außerhalb des Salzburger Zentralraums kommen. Kontrolliert wird zunächst "klassisch" mit Wachdiensten und Polizei, in Zukunft könnten einmal kamerabasierte Zufahrtssysteme wie in Italien zum Einsatz kommen.

Das Phänomen ist keineswegs neu: Besonders bei Regen nutzen zahlreiche Touristen aus den Urlaubsgemeinden im Umland Salzburgs das Schlechtwetter für einen Besuch der Stadt. Dabei fahren sie vorzugsweise mit dem eigenen Auto. Der starke Andrang sorgt dann im besten Fall für Verzögerungen auf den Straßen, im schlimmsten Fall für den kompletten Verkehrsstillstand: Nicht nur für die Öffis in der Stadt geht dann oft nichts mehr, auch Einsatzfahrzeuge tun sich schwer, an ihr Ziel zu kommen.

"Haben Touristen bis in unser Wohnzimmer fahren lassen"

"Schon 1.000 Fahrzeuge zusätzlich bringen das System an die Grenzen", sagte Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) bei der Vorstellung der neuen Regelung am Montag. "Wir wollen darum 1.000 Pkw-Fahrten weniger pro Tag durch die Stadt erreichen." Von den Durchfahrtsbeschränkungen betroffen sind alle Fahrzeuge, die kein Kennzeichen der Bezirke S (Salzburg-Stadt), SL (Salzburg-Umgebung), HA (Hallein) oder BGL (Berchtesgadener Land) mit den Ablegern BGD (Berchtesgaden), REI (Bad Reichenhall) und LF (Laufen) haben.

Ausnahmen gelten etwa für den Lieferverkehr, Hotelgäste, Menschen mit Behinderung und Personen, die einen Arbeitsplatz in der Altstadt nachweisen können. "Wir haben in der Vergangenheit die Touristen de facto bis in unser Wohnzimmer fahren lassen. Ich kenne das aus keiner anderen Stadt", betonte Auinger. Die Lösung sei im Sinne der Bewohner, der Wirtschaftstreibenden und der Touristen selbst.

Schiester: "Mehr Dolce Vita und Flanier-Qualität"

Planungsstadträtin Anna Schiester (Bürgerliste) sprach am Montag von einem ersten Schritt und von "ein bisschen mehr Dolce Vita und Flanier-Qualität" nach italienischem Vorbild. "Ziel ist es, dass die Urlauber möglichst weit draußen am Stadtrand parken. Wenn sich die Regelung eingespielt hat, werden wir sie möglicherweise mit einem videobasierten System kombinieren."

Unterstützung erhofft sich die Stadtpolitik durch das im Mai 2025 eingeführte Salzburger "Guest Mobility Ticket", einer Netzkarte für den Öffentlichen Verkehr für jeden Nächtigungsgast. Außerdem können Autofahrer im Juli und August auf den drei Park-und-Ride-Parkplätzen bei der Messe, beim Outlet-Center und im Süden der Stadt um 7,50 Euro den ganzen Tag parken - ein Öffi-Ticket für bis zu fünf Personen inklusive. Für das Angebot, Informationskampagnen und zusätzliches Wachpersonal nimmt die Stadt rund 150.000 Euro in die Hand.

Verlängerung der Regelung für Stadtchef denkbar

"Die Touristen können sich unabhängig vom Wetter darauf verlassen, dass sie anders als bisher nicht mehr mit dem Auto durch die Innenstadt fahren können", betonte Auinger. Der Bürgermeister stellte am Montag auch eine mögliche Verlängerung der Regelung ab September in Aussicht, wenn das Neutor wegen der Festspiel-Baustelle gesperrt werden muss. "Das würde Sinn machen."

Die Stadt Salzburg hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, dem Problem mit dem Urlauberverkehr Herr zu werden. Der gewünschte Erfolg blieb aber weitgehend aus. Weder die Zwangsableitung von Touristen-Fahrzeugen auf Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand bei vollen Altstadtgaragen, das Aufstellen von Pförtnerampeln, eine Einfahrtssperre in die Altstadt in den Mittagsstunden oder ein freiwilliges Busshuttle stellten sich als probate Mittel heraus.