In Schule und Beruf

Migrantinnen häufig benachteiligt

05.06.2013

Kritik am Österreichischen Bildungswesen bei SPÖ-Enquete im Parlament.

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Frauen mit Migrationshintergrund sind in Österreich in vielen Bereichen des Lebens, etwa in der Schule oder im Beruf, benachteiligt. Dies haben die Teilnehmerinnen der SPÖ-Enquete zum Thema "Integration unter dem Frauenaspekt" am Mittwochvormittag im Parlament festgestellt. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek erklärte dabei: "Zusammenleben kann man nicht per Gesetz herstellen. Das muss man sich erarbeiten", beide Seiten seien gefordert.

Bildung
In Zukunft sei aufgrund laufender Migrationsströme viel stärker mit vielsprachigen, multikulturellen Schulklassen zu rechnen: "Unsere Lehrerschaft muss dazu ausgebildet werden, das Schulmanagement und die Bildungsplaner müssen sich damit auseinandersetzen", so Gudrun Biffl, Leiterin des Departments Migration und Globalisierung an der Donau-Universität Krems. Sie kritisierte, dass das Österreichische Bildungswesen derzeit institutionalisiert diskriminiert, es gebe eine Ungleichbehandlung zwischen Mädchen und Burschen in der Schule.

Positiv hob Biffl hervor, dass in Österreich fast alle Berufe über Kollektivverträge geregelt sind: "So bekommen Migranten zumindest die Mindeststandards." In Österreich gebe es daher geringe Lohnunterschiede zwischen Migranten und Einheimische. Die Migrationsforscherin plädierte generell dafür, auf Vorschläge von außen "nicht defensiv zu reagieren", sondern für Hinweise dankbar zu sein und die mögliche Umsetzung zu prüfen.

Wird im Kontext von Arbeitsmarktpolitik und Migrationshintergrund gesprochen, ist laut Petra Draxl, Leiterin der Landesgeschäftsstelle des AMS Wien, die Staatsbürgerschaft das Hauptkriterium. Dabei sei unwesentlich, ob die Person etwa in Österreich geboren wurde und hier die Schule besuchte: "Diese Jugendlichen stehen hier vor großen Problemen." Die größte Gruppe unter den Migranten in Österreich bilden die Deutschen. Die größte Gruppe unter den Arbeitslosen seien aber Türken und Türkinnen, gefolgt von Personen aus dem früheren jugoslawischen Raum, so Draxl.

Beim AMS Wien selbst verfügen derzeit elf Prozent der Beschäftigten über Migrationshintergrund. "Diesen Anteil wollen wir steigern", so Draxl. Auch werden die Mitarbeiter für mögliche kulturelle Problemsituationen sensibilisiert. Weiters gebe es bereits spezifische Veranstaltungen nur für Kundinnen.

"Zusammenleben kann man nicht per Gesetz herstellen. Das muss man sich erarbeiten", dies gelte für "beide Seiten", erklärte Heinisch-Hosek. Als Frauenministerin habe sie "alle Frauen" im Fokus, denn bei Migrantinnen handle es sich um eine Gruppe, die besonders benachteiligt sei. Deutsch als Voraussetzung sei zwar wichtig, aber auch die Mehrsprachigkeit sei ein "Schatz", den man nicht kleinreden dürfe. So können etwa Migrantinnen ihre Muttersprache in Organisationen einsetzen, wo sie andere beraten. Gegen den Vorschlag aus der ÖVP, Gemeindewohnungen zu privatisieren, wehrte sie sich: Die "Durchmischung" in diesen und die Leistbarkeit seien schließlich eine Weichenstellung für funktionierende Integration.

So unterschiedlich die Herkunftsländer von Frauen sind, so vielfältig seien auch die Herausforderungen, stellte die SPÖ-Integrationssprecherin Angela Lueger fest. Unter den Migrantinnen seien etwa Hochqualifizierte genauso wie Frauen, die lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Lueger thematisierte die Anerkennung der Ausbildung, denn viele Betroffene scheitern an dieser Hürde, da sie etwa keine Nachweise für ihre Bildungsabschlüsse erbringen können. Auch Biffl bestätigte, dass es allein bei den Zuständigkeiten für die Anerkennung in Österreich eine "Riesen-Baustelle" gegeben habe.

 

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