Österreicher wollen weniger arbeiten

Nur 2 Prozent für 12-Stunden-Tag

25.06.2018

Der Plan der Regierung, die Arbeitszeit auf 12 Stunden auszuweiten, stößt auf Ablehnung.

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© APA (Fotomontage)
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Die Österreicher ­wollen nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Das zeigt der Arbeitsklimaindex, eine Umfrage des Instituts Sora für die Arbeiterkammer.

Demnach wünschen sich 76 % von jenen, die mehr als 40 Stunden arbeiten, weniger Arbeitsstunden. Nur 2 % derer, die 35 bis 40 Stunden bzw. mehr als 40 Stunden ­arbeiten, sagen: Wir wollen noch mehr arbeiten.

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Das Modell, 35 bis 40 Stunden zu arbeiten, ist am beliebtesten: 82 % wollen, dass ihre Arbeitszeit gleich bleibt. Nur jene Befragten, die unter 35 Stunden arbeiten, wollen zu 22 % mehr arbeiten.

17 % mussten häufig Überstunden machen, 52 % ge­legentlich. Die Lebenszufriedenheit sinkt mit steigender Arbeitszeit.

SPÖ und ÖGB: Massiver Widerstand gegen Gesetz

Die Pläne der Bundesregierung lauten ja: 12 Stunden Arbeitszeit pro Tag und 60 Stunden pro Woche sollen „freiwillig“ möglich werden. Die AK lehnt das ab.

ÖGB und SPÖ mobilisieren diese Woche alle Kräfte gegen den 12-Stunden-Tag. Online werden derzeit Unterschriften dagegen gesammelt. Am Montagnachmittag hielt man bei knapp 12.000 Unterzeichnern.

Heute findet ein Sternmarsch der Gewerkschaft in Linz statt. Vorläufiger Höhepunkt des Protests ist eine Großdemonstration des ÖGB am kommenden Samstag in Wien.

Regierung will beruhigen: "8-Stunden-Tag bleibt"

Vizekanzler Strache hätte sich als Zahntechniker 12-
Stunden-Tag gewünscht.

 Erstmals hat sich ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz zu den Arbeitszeit­plänen seiner Regierung geäußert. Am Montag betonte er zum Thema Tagesarbeitszeit: „Es bleibt bei den acht Stunden, lediglich die Flexibilität wird erhöht.“ Der Arbeitnehmer habe die Möglichkeit, zu entscheiden, ob er die 11. und 12. Stunde arbeiten möchte, oder ob er diese Überstunden ablehnt. Kurz forderte mehr Sachlichkeit in der Diskussion ein.

Auch FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache verwies darauf, dass die Arbeitnehmer nun mehr Möglichkeiten erhalten sollen, ihre Arbeitszeit flexibel einzuteilen. Er selbst wäre in seinem früheren Job als Zahntechniker froh gewesen, Aufträge schneller abzuarbeiten, um dann mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Kritiker monieren, dass es mit der Freiwilligkeit nicht weit her sei, wenn der 12-Stunden-Tag einmal im Gesetz verankert sei.  Aus Angst vor Jobverlust würde kaum jemand ablehnen.

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