ÖSTERREICH exklusiv

ÖVP-Gagenkaiser legen Einkommen offen

02.12.2007

Die ersten Politiker scheren aus der ÖVP-Klublinie aus und outen ihre Gagen. In ÖSTERREICH offenbaren zwei Parlamentarier alle Einzelheiten.

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© Lisi Niesner
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Klubobmann Wolfgang Schüssel hat für die Volkspartei die Parole ausgegeben: Mandatare sollten keine Nebeneinkünfte nennen, die sie neben dem Abgeordnetenbezug beziehen. Doch am Sonntag preschte ein ÖVP-Mann vor, ohne Schüssel zu informieren. Peter Michael Ikrath, der als Mandatar jährlich rund 112.000 Euro brutto verdient, legte seine Nebeneinkünfte offen: "Als Generalsekretär des Sparkassenverbandes erhalte ich 200.000 Euro brutto im Jahr."

"Bringe Leistung"
Gegenüber ÖSTERREICH präzisiert Ikrath: Ein Drittel sei ein Leistungsbonus, den er sich jedes Jahr neu erarbeiten müsse. Genieren will er sich für seine Einkünfte nicht. "Ich bringe die erwartete Leistung", meint Ikrath. "Die Frage ist nicht, ob man zugleich Mandatar und Manager sein kann – das ist leicht zu schaffen. Die Belastung tragen ja die Menschen im Privatleben." Der Topverdiener schätzt trotz seines Transparenz-Vorstoßes die ÖVP-Klublinie, Gagen unter Verschluss zu halten. Jeder solle selbst entscheiden.

"Zumutung"
Für ÖVP-Bundesrat Georg Spiegelfeld, der neun Einnahmequellen hat, ist es eigentlich eine "Zumutung", private Gehälter offenzulegen. "Aber für ÖSTERREICH lege ich freiwillig offen: Aus öffentlichen Einkünften beziehe ich 70.000, aus Nebenberufen nicht ganz 100.000 Euro brutto im Jahr."

Erstmals nennt er alle Details: 2005 habe er 16.000 Euro als Obmann der Wirtschaftskammer Grieskirchen kassiert, 56.000 Euro als Bundesrat, 1.900 Euro als Aufsichtsrat eines Wohnbauträgers. Zusätzlich zum Gewinn von etwa 90.000 Euro aus Land- und Forstwirtschaft und Immobilienberatung. Alles in allem kommen so 164.000 Euro zusammen.

"Zeitraubend, aber lustig"
"Politiker sollen nebenher Geschäfte betreiben dürfen", sagt Spiegelfeld. "Ich werde nie zum Versorgungsfall, wenn ich das Mandat verliere." Neun Jobs seien "zeitraubend, aber lustig". Und der Besitzer mehrerer Schlösser versichert, dass er den Kontakt zum normalen Leben beibehält. "Wäre das verboten, gäbe es bald nur noch schlechte Politiker."

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