Kontert Vorwürfen

ORF-Manager Strobl: "Das ist Täter-Opfer-Umkehr"

12.03.2026

Im Interview mit oe24 kontert Strobl den Vorwürfen, er stecke hinter einer "Intrige" gegen Ex-ORF-Chef Weißmann, und redet über seinen Pensionsvertrag und eine allfällige Klage gegen den ORF. 

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oe24:  Die Mitarbeiterin, die letztlich den Rücktritt von Roland Weißmann bewirkt hat, arbeitet in einer Ihrer Abteilungen. Seit wann wussten Sie von den Vorwürfen der sexuellen Belästigung? 

Pius Strobl: Ich habe über einen längeren Zeitraum beobachtet, wie die Betroffene ihre Ängste um Jobverlust und Repressalien überwand und letztlich - und davor habe ich großen Respekt - den persönlichen Mut fasste, diesen Schritt zu tun, Gerechtigkeit und die Übernahme der Verantwortung für etwas einzufordern, was einfach nicht mehr geht ….. 

oe24:  Im ORF wird kolportiert, Sie hätten die Mitarbeiterin animiert sich an einen Anwalt zu wenden, der auch Ihrer ist. Stimmt das? 

Strobl: Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Frau in so einer Situation die bestmögliche Unterstützung braucht und großes Vertrauen fassen können muss. Mein langjähriger Anwalt ist nicht nur fachlich hervorragend, sondern auch eine menschliche Stütze. Und ja - ich habe dem Opfer geraten, sich an ihn zu wenden. Und es war die richtige Entscheidung  Anwälte leben übrigens von einer Vielzahl an Mandanten und ich finde es schon fast peinlich, wie aus einer Anwaltsentscheidung die Begründung für eine Intrige wird

oe24:  Sie und der zurückgetretene ORF-Chef Weißmann gelten als Gegenspieler. Wieso ist Ihr Verhältnis so eskaliert?

Strobl: Der Herr Generaldirektor a.D. war mein Chef und genau so war unser korrektes Arbeitsverhältnis - nicht mehr und nicht weniger. Und ja - eine tiefe Freundschaft war es nicht und wird es wohl auch nicht mehr werden. Allerdings stimmt auch, dass ich den Herrn Generaldirektor a.D. mehrmals mündlich und schriftlich darauf aufmerksam gemacht und mit Beispielen untermauert mitgeteilt habe, dass ich unter starkem Mobbing seiner Umgebung und Bossing der Führung leide, dass vertrauliche Informationen und Unterlagen, die nur einem sehr eingeschränkten Führungspersonenkreis zugänglich waren, an externe Stellen weitergegeben wurden, um daraus „Geschichten“ gegen mich zu initiieren und zu lancieren und vieles mehr ….Die Reaktionen waren in sehr überschaubaren Grenzen und im Mai letzten Jahres holte mich ein schweres Burnout ein, unter dessen Folgen ich immer noch bzw. wieder leide.Die dem Herrn Generaldirektor a.D. nunmehr angelasteten Vorkommnisse stehen allerdings in keinem Zusammenhang mit meiner persönlichen Leidensgeschichte.Die absichtlich gestreuten Gerüchte sollen ja nichts anderes als eine „Opfer-Täter-Umkehr“ bewirken, um von der Tat und dem Täter abzulenken …..

oe24: Es geht auch um Ihren Pensionsvertrag, der 2010 abgeschlossen wurde und den Weißmann juristisch prüfen ließ und anzweifelt/nicht einhalten wollte, oder? 

Strobl: Ich schicke voraus, dass es keinen mir bekannten Versuch gab, meinen laufenden Dienstvertrag seitens des Hauses aufzulösen. Der Herr Generaldirektor a.D. hat mir am 15.12.2025 in einer E-Mail folgendes mitgeteilt:

(Mail von Weißmann) "im Plenum des Stiftungsrates vom 27.11.2025 habe ich über die erfolgreiche Umsetzung aller Beschlüsse des Stiftungsrates im Zusammenhang mit dem Projekt „Medienstandort ORF“ nach 12 Jahren berichtet. Seit mehr als sieben Jahren zeichnest Du als Gesamtprojektleiter für dieses Projekt verantwortlich.
Deinem unermüdlichen Einsatz sowie jenem Deines Projektteams ist es zu verdanken, dass nicht nur alle Prozesse neu aufgesetzt und konsequent eingehalten wurden, sondern darüber hinaus der vorgegebene Finanzrahmen um ca. € 16,9 Mio. unterschritten werden konnte. Ein solches Ergebnis erscheint insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, erheblicher Teuerungen und hoher Inflation nahezu unvorstellbar, konnte aber trotz aller Widrigkeiten durch gutes Teamwork erzielt werden. Dafür danke ich Dir und Deinem Projektteam im Namen der Geschäftsführung des ORF sehr herzlich!"

Strobl: Ich denke, dass diese Zeilen auch ein guter Beweis gegen die gestreuten Gerüchte tiefer Zerwürfnisse des Arbeitsverhältnisses sind. Richtig ist, dass der Herr Generaldirektor a.D. eine seit 2010 bestehende vertragliche Zusage einer „Freiwilligen Pensionsleistung“ zu meinen Gunsten nicht akzeptieren wollte und bereits 2023 die letztmalige Korrespondenz dazu mit ihm erfolgte. Mein Anwalt und ich haben zur Kenntnis genommen, dass ich diese Zusage nach Ablauf meines Dienstvertrags am 31.12.2026 beim Arbeitsamt- und Sozialgericht einklagen werde müssen. In dieser Pensionsangelegenheit habe ich nach dem November 2023 nie mehr mit dem Herrn Generaldirektor a.D. gesprochen oder in anderer Form kommuniziert.

oe24: Werden Sie den ORF klagen?

Strobl: Bedauerlicherweise werde ich wohl vor dem Arbeits- und Sozialgericht klagen müssen, kann dies allerdings erst ab Jänner 2027 tun, wenn ich tatsächlich nach Ablauf meines Dienstvertrages in den Ruhestand trete und der ORF mir die zugesagte Pension verweigert. Ansprüche einzuklagen und ein Gericht entscheiden zu lassen ist übrigens vollkommen natürlich in einem Rechtsstaat. 

Anmerkung: Der ORF hat die Aussagen generell und zu "allfälligen finanziellen Ansprüchen explizit nicht bestätigt".