Schlammschlacht
Enthüllt: Das geheime Rücktritts-Mail von Ex-ORF-Chef Weißmann
16.04.2026oe24 liegt jenes E-Mail vor, in dem Roland Weißmann am 8. März seinen Rücktritt verkündete. Was er vom Stiftungsrat forderte und wie er sein ORF-Aus eigentlich kommunizieren wollte.
Die Schlammschlacht um den ORF eskaliert immer weiter: Ex-ORF-Chef Roland Weißmann will gegen seine Kündigung (die ihm bisher noch nicht zugestellt wurde) klagen und fordert einen Schaden von 3,9 Millionen Euro ein, der ihm entstanden sei - oe24 berichtete. Weißmann beteuerte in einem Pressegespräch am Mittwoch zudem, dass er nicht freiwillig zurückgetreten sei, sondern von der Stiftungsratsspitze unter Druck gesetzt wurde. Mehrfach hätte man ihm gesagt: „Das geht sich nicht aus, du musst zurücktreten.“
"Die Gründe liegen auf der Hand und sind Euch bekannt"
oe24 wurde aus Anwaltskreisen nun jenes brisante E-Mail vom 8. März zugespielt, in dem Weißmann seinen Rücktritt verkündete - und das auch im Akt der Compliance-Untersuchung enthalten ist. Das Mail schickte Weißmann an diesem Sonntag um 11.45 Uhr an den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und seinen Stellvertreter Gregor Schütze. Darin war der Ton durchaus noch amikaler. „Aufgrund der Ereignisse der letzten Tage sehe ich mich gezwungen, mein Mandat als Generaldirektor des ORF mit sofortiger Wirkung zurückzulegen, wobei ich festhalte, dass ich mich auf einen wichtigen Grund nach § 26 Angestelltengesetz berufe. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und sind Euch bekannt. Ich möchte dazu nur noch sagen, dass ich ohne mich einer Schuld zu bekennen, den Forderungen des Rechtsanwalts vollumfänglich nachgegeben habe, um Schaden vom Unternehmen und mir abzuhalten. Er hat zugesagt, dass von deren Seite keinerlei weitere Schritte mehr gesetzt werden. Die Angelegenheit ist damit aus meiner Sicht vollständig bereinigt.“
Einvernehmliche Lösung stand im Raum
Im Raum soll an diesem Sonntag auch noch eine einvernehmliche Lösung zwischen Weißmann und dem ORF gestanden haben. Weißmann schreibt dazu: „Ich gehe davon aus, dass gemäß Pkt. VII. meines Anstellungsvertrages meine Ansprüche aus dem Generaldirektorenvertrag befriedigt werden, stehe aber für weitere Verhandlungen für eine Gesamtlösung gerne ab sofort und dauerhaft zur Verfügung. Ich kann, wenn gewünscht sofort in den Urlaub gehen, werde mich dann auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen und stehe intern natürlich für Rückfragen und Übergabethemen jederzeit zur Verfügung für die interimistische Geschäftsführung.“
"Möchte Prozess bestmöglich unterstützen"
Schließlich schlägt Weißmann „im Interesse beider Seiten, eine abgestimmte Kommunikation“ vor und ein Mail an die Mitarbeiter sowie an den Stiftungsrat am Montagvormittag. Den Text dafür schickte Weißmann ebenfalls gleich mit: „Nach reiflicher Überlegung und aus höchstpersönlichen Gründen bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass ich mich nicht mehr für eine weitere Funktionsperiode als Generaldirektor bewerben werde. Ich habe daher den Stiftungsrat um ehestmögliche Entbindung von meinen Aufgaben als Generaldirektor ersucht und dieser hat dies angenommen. Ich setze diesen Schritt zu diesem Zeitpunkt vor der nächsten Stiftungsratssitzung, auch weil die Ausschreibungsfrist für die neue Generaldirektor:innenperiode bereits am 1. Mai beginnt. Ich möchte daher für diesen, so wichtigen Vorgang für den ORF zur Seite treten, um den Prozess bestmöglich zu unterstützen bzw. ihn nicht behindern. Ich habe dem Stiftungsrat meine volle Unterstützung für eine reibungslose Übergabe versichert. Ich werde aus dem ORF ausscheiden und mich nach der herausfordernden letzten Zeit ein wenig zurückziehen. Nach mehr als 30 Jahren im ORF und mit knapp 58 Jahren werde ich mich dann mit voller Kraft einer neuen Aufgabe widmen. Ich wünsche dem ORF und Ihnen alles Gute für die Zukunft.“
Gekommen ist es anders: Am Montag, den 9. März, platzte die Bombe, dass Roland Weißmann nach einem Vorwurf der sexuellen Belästigung zurücktritt. Seitdem tobt im ORF eine Schlammschlacht …