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AK-Chefin zu SPÖ-Debatte: "Ich werde Babler wählen"

15.02.2026

Als Reaktion auf die SPÖ-interne Debatte fordert AK-Präsidentin Renate Anderl mehr Frauen in der Politik - und eine SPÖ-Kandidatin für die Bundespräsidentschaftswahlen.

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Zunächst einmal übte Anderl indirekt Kritik am SPÖ-Regierungsteam - sie vermisse oft eine "positive Erzählung" der Regierung, man solle aber "nicht ständig über Köpfe reden". Anderl gab SPÖ-Frauensekretärin Ruth Manninger recht, die gesagt hatte, dass "manche Männer so deppat sind, dauernd Haltungsnoten zu verteilen". "Wir haben einige Männer im Land, die glauben, sie seien die allerwichtigsten." Namen nennen wollte sie aber keine - sie würde dabei sicher "den einen oder anderen vergessen", so Anderl. Sie werden Babler am Parteitag am 7. März jedenfalls unterstützen: "Die Debatte schadet der SPÖ."

Anderl für weibliche Hofburgkandidatin...

Überrascht zeigte sich Anderl mit Blick auf die Ankündigung des früheren burgenländischen Landeshauptmanns Hans Niessl (SPÖ), für die SPÖ ins Hofburgrennen gehen zu wollen. "Ich weiß nicht, wieso er diese Idee hatte oder wer ihn dazu getrieben hat", so Anderl. Sie sei "perplex" gewesen, als sie davon hörte. Besonders unterstützen wollen dürfte die AK-Präsidentin den SPÖ-Mann nicht: "Ich hätte gerne eine Frau an der Spitze, das wäre schon schön." Auch die derzeitige dritte Nationalratspräsidentin der SPÖ, Doris Bures, gilt in den roten Reihen als mögliche Kandidatin.

...und für Reichensteuer

Anderl fordert angesichts der Budgetlage eine Reichen- und Erbschaftssteuer. Sie werde auch die entsprechende Petition der Grünen unterschreiben, erklärte sie am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". An der Staatsspitze wünscht sich die AK-Chefin unterdessen eine Frau als Bundespräsidentin, bzw. sollte die SPÖ eine Frau ins Rennen schicken. Über das Kandidaturansinnen ihres Parteikollegen Hans Niessl war sie "überrascht".

In einer Krisenzeit müsse man schauen, wo das Geld ist. Neben Steuern für Reiche kann sich Anderl auch eine höhere Bankenabgabe sowie eine Rücknahme der KöSt-Senkung vorstellen. Sie dachte in der Sendung auch an härtere Strafen für Betriebe, die Überstunden nicht korrekt ausbezahlen. Den Beschäftigten würde hier jährlich rund eine Milliarde an Entgelten entgehen. Weiters müssten Unternehmen, die ihre Beschäftigten beim Arbeitsmarktservice (AMS) "zwischenparken", einen höheren Teil der entsprechenden Kosten tragen.

Lohnkostensenkung nur bei Gegenfinanzierung

Einer von den SPÖ-Koalitionspartnern ÖVP und NEOS geforderten Lohnnebenkostensenkung würde sie ohne Gegenfinanzierung nicht zustimmen. Dies dürfe aber nicht in Form von Kürzungen an anderer Stelle geschehen. Es sei auch Aufgabe der Betriebe, sich am Sozialstaat zu beteiligen.

Gegen Wehrdienst-Volksbefragung

Mit Blick auf die Wehrdienstdebatte sprach sich die AK-Chefin eher gegen eine Volksbefragung aus: Es sei Aufgabe einer gewählten Regierung, solche Entscheidungen zu treffen. Aus AK-Sicht sei vor allem wichtig, dass junge Wehrdiener, die bereits arbeiten, abgesichert sind und für sie ein Kündigungsschutz gilt.

Wenig Freude hat sie auch mit dem ÖVP-Vorschlag nach einer abgespeckten Basisgesundheitsversorgung für Asylbewerberinnen und -bewerber. "Wenn jemand eine medizinische Versorgung braucht, dann soll er auch den Zugang dazu haben." Das gelte auch für sogenannte Gastpatienten. Hier war es jüngst zu einem Konflikt zwischen der Stadt Wien und den Bundesländern Niederösterreich und Burgenland gekommen. Als Kritik an der rot-geführten Wiener Stadtregierung wollte Anderl ihre Aussage auf Nachfrage hin aber nicht verstanden wissen. Alle Beteiligten müssten sich an einen Tisch setzen und Lösungen finden.