Blauer Geburtstag

"Alles für Österreich": FPÖ feiert 70er mit neuem Buch

11.05.2026

Die FPÖ beschenkt sich zum 70. Geburtstag selbst mit einem Buch über ihre Parteigeschichte. 

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© APA/TOBIAS STEINMAURER
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Unter dem Titel "Klare Verhältnisse. Alles für Österreich" wird die freiheitliche Sicht auf die Zeit seit der Gründung 1956 geschildert. Es sei "keine Festsitzung", sondern lediglich eine "politische Standortbestimmung", sagte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker bei der Präsentation am Montag in Wien. Kritik an den anderen Parteien sowie dem ORF durfte dabei nicht fehlen.

Von einem wichtigen Geburtstag für das "Dritte Lager" sprach Hafenecker. Die Identität der FPÖ sah er vor allem auf drei Säulen gebaut: Freiheit, Heimat, Souveränität. Schon bei der Gründung sei die Idee gewesen, "gegen den Proporz zu wirken". Die SPÖ hingegen habe die Arbeiter "schamlos verraten", die ÖVP etwa die Bauern im Stich gelassen. Viele Menschen würden heute von der Politik nicht mehr repräsentiert.

Hafenecker: "Sind keine Protestpartei"

"Wir sind der Anwalt dieser Gruppen", war Hafenecker überzeugt. Die FPÖ sei eine "Partei der Ehrlichkeit", lasse sich nicht verbiegen. "Wir sind keine Protestpartei, wir sind eine Programmpartei", so der Generalsekretär. Oft wären die Freiheitlichen in der Geschichte kleingeredet worden, doch: "Heute kann man uns schlicht und ergreifend nicht mehr übersehen."

Hafenecker sprach sich gegen eine Stigmatisierung des FPÖ-Mitgründers und ehemaligen Nationalsozialisten Friedrich Peter aus. Parteichef Jörg Haider habe später eine "neue breite FPÖ gestartet". In Bezug auf die "Ibiza-Affäre" gehe man auch kritisch mit sich selbst um, unter Herbert Kickl seien die Freiheitlichen schließlich "stärkste Partei" geworden. Ungerecht behandelt sah sich Hafenecker etwa in einer ORF-Dokumentation zum 70-jährigen Jubiläum. Zu wenig gewürdigt werde die Rolle der FPÖ etwa bei der Aufarbeitung des Weinskandals in den 1980er-Jahren, beim Einsatz für Volksbegehren und Neutralität bzw. gegen die "Corona-Entrechtung".

Vorgängerbewegungen ab 1848

Der ehemalige EU-Abgeordnete Andreas Mölzer beschrieb den Aufbau des Buchs, das er "im Wesentlichen erstellen durfte". Von der aktuellen politischen Situation gehe es in der Geschichte zurück bis 1848 und den Vorgängerbewegungen der FPÖ. Dabei würden "Brüche" und "Probleme" geschildert, sagte Mölzer. "Aber auch die Leistungen, die häufig verschwiegen oder kleingeredet werden."

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim zeigte sich wenig begeistert. "Die blaue Jubelpropaganda in Buchform hat nichts mit der Realität zu tun", ließ er per Aussendung wissen. "70 Jahre FPÖ bedeuten eben nicht 70 Jahre Einsatz für Österreich, sondern 70 Jahre rechte Hetze, Spaltung und Chaos", so Seltenheim. Es sei gut, dass die Freiheitlichen nicht in der Regierung sind, "denn die FPÖ steht immer auf der falschen Seite".