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"Frau AbgeordneteR" - schafft die FPÖ jetzt weibliche Titel ab?
14.02.2026Eine Abgeordnete, die als Abgeordneter angesprochen wird? Will die FPÖ Frauen-Titel abschaffen? Im Pilnacek-U-Ausschuss kam es am Rande zu interessanten Vorkommnissen.
Nina Tomaselli hat den Ruf, sich aber auch schon gar nichts gefallen zu lassen - die Resolutheit der Vorarlberger Grünen bekam am Donnerstag auch der FPÖ-Abgeordnete Norbert Nemeth zu spüren. Nemeth führte in Vertretung von Walter Rosenkranz den Vorsitz im Pilnacek-U-Ausschuss. Und er soll sie - so bestätigte Tomaselli gegenüber oe24 - als „Frau Abgeordneter“ aufgerufen haben. Die Grüne bat höflich, aber bestimmt, doch mit der weiblichen Funktionsbezeichnung angesprochen zu werden - was Nemeth dann auch so hielt.
Gegenüber oe24 vermutet Tomaselli Absicht: „Es ist doch die Agenda der FPÖ, alles, was mit Gendern zu tun hat, aus dem Diskurs zu verbannen. Da muss man dagegenhalten, denn Sprache schafft Bewusstsein.“ Tomaselli sagt, es sei „safe“ kein Versehen gewesen: „Herr Nemeth hat auch die Kollegin (Sophie) Wotschke als “Frau Abgeordneter„ bezeichnet.“ Immerhin: Nach der Reklamation war Tomaselli wieder eine Abgeordnete. „Das lob ich mir“, konterte die Grüne.
„Ich habe da keine Agenda“
Will also die FPÖ Frauen(-Titel) wieder abschaffen und uns 30 Jahre zurückführen, als sich die erste Landeshauptfrau Waltraud Klasnic als „Frau Landeshauptmann“ ansprechen ließ? Im FPÖ-Klub beantwortet man diese Frage mit einem klaren „Nein“: Ja, man sei gegen Binnen-I, Sternchen und Doppelpunkt beim Gendern. In den FPÖ-Presseaussendungen würden aber immer die weiblichen Bezeichnungen wie Abgeordnete und Ministerinnen verwendet. Und Nemeth ließ ausrichten, dass die Akustik im U-Ausschuss-Lokal schlecht sei, da gebe es „Unschärfen“. Im Übrigen habe er sich an das Croquis der Parlamentsdirektion gehalten, das die Handlungen des Vorsitzenden je genau regelt. „Ich verfolge da keine Agenda“, so Nemeth.
Das mag für Nemeths Ausschuss-Vorsitz so sein - in der FPÖ gibt es derlei Bestrebungen aber sehr wohl. So bezeichnet sich die blaue Landesrätin in NÖ, Susanne Rosenkranz, in Aussendungen stets als „Landesrat“ - als solcher ist sie auch auf ihrer offiziellen Homepage zu finden. Und Frauensprecherin Rosa Ecker argumentiert, dass Frauen durch Gendern nicht sichtbarer würden, sondern dass klare, traditionelle - und das sind eben männliche - Bezeichnungen Respekt vor der Sprache ausdrückten.
Anders handhabt das Salzburgs FPÖ-Chefin Marlene Svazek, die sich sowohl als „Landeshauptfrau-Stellvertreterin“ und „Landesparteiobfrau“ bezeichnet.
Sehr wohl fallen in FPÖ-Presseaussendungen weibliche Ausdrucksformen generell unter den Tisch: So kommen Bürgerinnen fast nie vor, man verwendet stets die männliche Form Bürger, usw. Im letzten Monat haben FPÖ-Abgeordnete 97 Mal „Österreicher“ angesprochen - und nur ein (!) Mal auch „Österreicherinnen“.
Tomaselli hat noch eine andere Beobachtung gemacht. „Die blauen Abgeordneten sprachen die 3. Nationalratspräsidentin Bures konsequent als ‚Frau Präsident‘ an.“