oe24-Interview

Neuer ÖVP-Klubchef: "Ich werde meinen eigenen Weg gehen"

09.05.2026

Der neue ÖVP-Klubchef im oe24-Interview über seine Pläne, seinen Vorgänger und sein Lieblingsgetränk. 

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Seit Dienstag ist Ernst Gödl Klubobmann der ÖVP. Sein Vorgänger, August Wöginger, ist nach dem erstinstanzlichen Schuldspruch in der Causa Finanzamt zurückgetreten. Was er jetzt anders machen will, was er über die FPÖ denkt und welchen Fußballverein er anfeuert:

oe24: Herr Gödl, was war Ihre erste Amtshandlung?

Ernst Gödl: Das Erste war natürlich einmal die Wahl. Und da bin ich sehr froh, dass ich einstimmig gewählt worden bin. Dann natürlich, das Büro kennenlernen, die Mitarbeiter kennenlernen.

oe24: Was wollen Sie anders als Ihr Vorgänger machen?

Gödl: August Wöginger ist wirklich eine besondere Persönlichkeit, ein sehr verbindender Mensch. Das möchte ich auch sein. Aber jede Persönlichkeit hat ihre eigenen Vorstellungen. Ich werde meinen eigenen Weg gehen und das eine oder andere anders anlegen.

oe24: Zum Beispiel?

Gödl: Ich werde sicher im Social-Media-Bereich einiges anders machen.

oe24: Gibt es in der ÖVP ein Umdenken nach dem erstinstanzlichen Urteil gegen August Wöginger?

Gödl: Der Gust Wöginger hat das selbst sehr gut und richtig formuliert. Aus heutiger Sicht würde er das nicht mehr so machen.

oe24: Wo liegt bei Ihnen die Grenze für Bürgeranliegen?

Gödl: Es ist völlig klar, dass jedes Bürgeranliegen immer im rechtlichen Rahmen weitergegeben wird. Die klassischen Bürgeranliegen sind ja ganz einfache, etwa, dass eine Straßenlaterne nicht funktioniert.

oe24: Hat die ÖVP einen Imageschaden durch die Causa erlitten?

Gödl: Politik hat ganz viel mit Vertrauen und auch mit Glaubwürdigkeit zu tun. Wir müssen tagtäglich daran arbeiten, konsequent, nachvollziehbar, vertrauensvoll zu arbeiten.

oe24: Ihre Partei warf den NEOS zwei Tage nach dem Wöginger-Urteil einen Postenschacher rund um den früheren pinken Abgeordneten Gerald Loacker vor.

Gödl: Laut Regierungsprogramm liegt das Vorschlagsrecht dafür bei den NEOS. Faktum ist, dass hier eine kompetente Frau einem ehemaligen Politiker vorgezogen wurde. Das müssen die NEOS erklären.

oe24: Sie haben die FPÖ in der Vergangenheit scharf kritisiert. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit den Blauen? Braucht es eine Gesprächsbasis?

Gödl: Eine Gesprächsbasis braucht es sowieso immer, die habe ich auch zur FPÖ. Ich finde es nur schade: Viele Projekte, die wir heute umsetzen, waren damals schon Teil in der Regierungszeit mit den Blauen, zum Beispiel die Gefährderüberwachung, damals von (FPÖ-Chef Herbert, Anm.) Kickl sehr stark forciert. Heute stimmen sie vehement dagegen. Das finde ich im Sinne unserers Landes nicht gut, dass eine Fraktion Frontalopposition betreibt.

oe24: Haben Sie das nötige Verhandlungsgeschick als Klubchef?

Gödl: Ich bin seit über 30 Jahren in politischen Funktionen tätig. Sie können sich vorstellen, dass man sehr viel verhandeln muss. Ich glaube, dass ich da das nötige Rüstzeug mitbringe.

oe24: Im Doppelbudget 2027/28 sind Einschnitte bei den Pensionen geplant. Werden diese sozial gestaffelt sein?

Gödl: Vorweg: Es wird keine Einschnitte oder Kürzungen bei den Pensionen geben. Ich bin ein großer Anhänger des Leistungsprinzips. Das heißt: Wer mehr einzahlt in das Pensionssystem, muss am Ende auch mehr rausbekommen. Wir werden das sehr genau ausverhandeln in der Koalition.

oe24: Also, Sie wären für die Variante, dass alle Pensionen unter der Inflation angeglichen werden?

Gödl: Wenn man mehr einbezahlt hat, muss sich das auch abbilden. Dafür stehe ich.

oe24: Sie sind Sicherheitssprecher der Partei. Im Juni tritt der EU-Asylpakt in Kraft. Reicht der oder braucht es noch weitere Verschärfungen?

Gödl: Wenn wir diesen Asylpakt auf europäischer Ebene konsequent umsetzen, natürlich auch mit nationalen Maßnahmen, deswegen passen wir ja auch zehn Gesetze an, dann wird das ein gutes Regelwerk sein, aber es muss konsequent umgesetzt werden. Sprich: Außengrenzkontrollen; schnelle Verfahren, wenn es keine Aussicht auf Asyl gibt; Rückführungen.

oe24: Ihr Vorgänger hat gerne Schokobananen bei Verhandlungen gegessen. Worauf setzen Sie?

Gödl: Ich esse ganz wenig Süßes. Einzige Ausnahme ist Eis. Aber ich glaube, Eis essen wird bei Verhandlungen nicht möglich sein. Ich bin ein Wasser- und vor allem Hollunder-Saft-Trinker.

oe24: Exotische Hobbys?

Gödl: Nein, aber ich bin prinzipiell ein Läufer. Ich bin sportlich aufgewachsen, war in meiner Jugend Fußballer.

oe24: Welche Mannschaft feuern Sie an?

Gödl: Tausendprozentig Sturm Graz.