Parteien
Tiroler ÖVP sendet Öffnungssignale in Richtung Landes-FPÖ
02.01.2026Mehr als eineinhalb Jahre vor der Landtagswahl sendet die regierende Tiroler ÖVP weiter Öffnungssignale in Richtung Landes-FPÖ.
Nachdem Landeshauptmann Anton Mattle diese Öffnung bereits Ende 2024 im APA-Interview eingeleitet hatte, indem er eine Koalition mit der FPÖ nicht mehr von vornherein ausschließen wollte, legt nun Klubchef Jakob Wolf nach. Er sei "gegen eine pauschale Ausgrenzung" der FPÖ unter Obmann Markus Abwerzger, sagte Wolf der "Tiroler Tageszeitung."
Dies sage er auch als Obmann des Landes-ÖAAB, so Wolf, denn: "Man weiß nie, was kommt, das letzte Wort haben immer die Wählerin und der Wähler." Er werde immer einen kritischen Blick auf die FPÖ haben, aber "nie das Wort Ausgrenzung bzw. Abgrenzung von der Tiroler FPÖ in den Mund nehmen", erklärte der schwarze Grande. Abwerzger sei jedenfalls jemand, mit dem man "auch konstruktiv zusammenarbeiten kann." Zudem: "Was die bürgerlichen Grundwerte betrifft, gibt es eine große Schnittmenge von gemeinsamen Zielen."
Das Verhältnis zum derzeitigen Koalitionspartner SPÖ sei aber "vertrauensvoll, die Zusammenarbeit sehr gut und konstruktiv", betonte Klubobmann Wolf gleichzeitig. Man wolle möglichst viel in der verbleibenden Zeit bis zur Wahl 2027 umzusetzen. Diese soll planmäßig im Herbst desselben Jahres über die Bühne gehen.
Harte Position vor Wahl 2022 aufgeweicht
ÖVP-Landesparteiobmann Mattle hatte vor der Landtagswahl 2022, seiner ersten als Spitzenkandidat, eine Koalition mit den Tiroler Freiheitlichen für die Zeit nach dem Urnengang noch dezidiert ausgeschlossen. Ein Novum, auch bundesweit gesehen. Ende 2024 folgte dann die Aufweichung dieser Positionierung. Eine weitere dezidierte Absage an eine mögliche Koalition mit der Tiroler FPÖ wollte der Landeschef nicht mehr aussprechen. Stattdessen gab es - wie bei Wolf - Lob für Abwerzger. Dieser sei eine "andere Persönlichkeit" als Bundesparteiobmann Herbert Kickl, er sei mit ihm "immer wieder im Austausch", man verstehe sich gut: "Mit Markus Abwerzger kann man gut zusammenarbeiten." Daran änderte auch die scharfe Kritik Mattles an einem umstrittenen Social-Media-Video des Oppositionschefs nichts. Koalitionsfestlegungen für die Zeit nach der Wahl gebe es nicht, machte der Landeschef erst zuletzt gegenüber der APA klar. Dieselbe Positionierung hatte Mattles Vorgänger Günther Platter während dessen gesamter Amtszeit eingenommen.
Die ÖVP war im Jahr 2022 in Tirol trotz des historisch schlechtesten Ergebnisses mit 34,71 Prozent klar auf Platz eins gelandet. Die FPÖ mit Abwerzger, der zuvor das Duell um den Landeshauptmann-Sessel ausgerufen hatte, erreichte erstmals den zweiten Platz und legte deutlich auf 18,84 Prozent zu. Vergangenes Jahr sah eine Umfrage gar ein mögliches Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz und Blau bzw. die ÖVP nur um drei Prozentpunkte voran.