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SPÖ: Mehrheit bereits für Kern, Babler kämpft

07.02.2026

Eine Mehrheit der SPÖ-Länder wünscht sich Kern statt Babler. Entscheidende Sitzung am 13. Februar. Kärnten als Zünglein an der Waage. 

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In wenigen Tagen – konkret am 13. Februar – findet der SPÖ-Parteivorstand statt, der eine Vorentscheidung über das Schicksal der SPÖ treffen soll: Bleibt SPÖ-Vorsitzender Andreas Babler der einzige Kandidat? Oder wird am Ende am 13. Februar doch Ex-SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern nominiert? Dieser ist der letzte Vorstand vor dem SPÖ-Parteitag am 7. März an dem der SPÖ-Vorsitzende gewählt werden soll. 

In den vergangenen Tagen gab es jedenfalls hinter den Kulissen jede Menge Gespräche von mehreren SPÖ-Länderorganisationen, die an einer Alternative zu Babler basteln. Ihr Wunschkandidat ist – erraten! – Kern.

Wann Kern antreten würde

Dieser würde zwar grundsätzlich bereit stehen, berichten langjährige Wegbegleiter. Allerdings nur „falls eine breite Mehrheit inklusive der SPÖ Wien ihn und seine Inhalte unterstützen würden“.  

Oe24-Recherchen zeigen, dass Kern grundsätzlich bereits eine Mehrheit der Bundesländer hinter sich hätte. Neben weiten Teilen von der SPÖ Niederösterreich, stünden auch Burgenland, Kärnten, Steiermark, Salzburg, größere Teile Oberösterreichs hinter einer Kandidatur ihres Ex-Vorsitzenden, dem sie noch am ehesten zutrauen würden die SPÖ aus der Umfrage-Misere zu führen. Der neue SPÖ-Chef von Kärnten, Daniel Fellner, sagt im oe24.TV-Interview offen, dass er eine Gegen-Kandidatur befürworte und zeigt offene Sympathien für Kern. Kommende Woche habe er sein Antrittsbesuch bei Wiens Michael Ludwig. Dieser hatte zuletzt keine großen Sympathien für eine Kandidatur Kerns erkennen lassen.  

Babler oder Kern? Wien gespalten

Und Wien an sich? Hier sind vor allem die Flächenbezirke längst gegen Andreas Babler. Diese hatten den SPÖ-Vorsitzenden bereits 2023 beim Parteitag für die falsche Wahl gehalten und ihn teilweise nur aus Loyalität zu Michael Ludwig gewählt. „Loyalität ist keine Einbahnstraße“, soll eine sehr prominente Vertreterin dieser Flächenbezirke, Nationalratspräsidentin Doris Bures, Babler mittlerweile wiederholt gesagt haben. Übersetzt: Diese Loyalität dürfte vorbei sein.

Aber sind diese Bezirke deswegen „pro Kern“? Bis auf Simmering nicht unbedingt. Allerdings sagt ein Vertreter dieses Lagers zu oe24: „Wenn er den Kurs korrigiert und der SPÖ nützt, sind die alten Geschichten vergessen“. Die inneren Bezirke wären eher geteilt. Die neuen Mitglieder, die 2023 wegen Babler der SPÖ beigetreten sind, stehen wohl weiter hinter ihm. 

Bis jetzt ist jedenfalls noch keiner der SPÖ-Landeschefs, die aufgrund des Umfragetiefs Babler „austauschen“ wollen, koordiniert und offiziell in die Öffentlichkeit gegangen. „Falls die glauben, dass Kern beim Vorstand auftaucht und sagt: Ich will es machen, irren die sich. Die müssen selbst initiativ werden“.  

Babler selbst kämpft freilich, berichten wiederum seine Unterstützer. Er „fraktioniert derzeit und achtet darauf, dass die Delegiertenlisten der Bundesländer nicht zu sehr aus Kritiker besteht“. Und wie schätzen Partei-Insider ein echtes Duell Babler gegen Kern am Parteitag ein? Das könnten dann Gewerkschaft und Frauen entscheiden – und hier habe Kern weit bessere Chancen als einst Hans Peter Doskozil, analysieren Kenner der SPÖ. „Falls Kern wirklich antritt und eine Mehrheit hinter sich hätte, würde man aber wohl eher Babler ein Angebot machen etwa als Sportstaatssekretär in der Regierung zu bleiben“, sagt ein SPÖ-Spitzenmann. Ob er darauf einsteigen würde? 

Kern-Kandidatur erst am Parteitag selbst?

 Wenn Kern am 13. Februar aufgestellt würde, würde es bis zum 7. März eine „Schlammschlacht geben“, warnt ein Roter. Deswegen überlegen manche Kern-Unterstützer einen Plan B: „Kern erst am Parteitag aufzustellen“. Aber da bräuchte es eine Zweidrittel-mehrheit der Delegierten? „Es würde keinen schlanken Fuß machen ihn dann zu verhindern“, sagt ein SPÖ-Delegierter. 

In ÖVP und Neos beobachtet man das Treiben der Roten jedenfalls mit gemischten Gefühlen. „Einen Ex-Kanzler als Vizekanzler könnten wir schlecht ablehnen“. Beide Parteien glauben – hoffen -, dass am Ende aber doch Babler bleibt. Und das ist – die SPÖ kennend – ein durchaus realistisches Szenario.