In Yad Vashem

Edtstadler und Rauch versichern Antisemitismus-Kampf

13.09.2022

Bei einem gemeinsamen Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem haben Europa- und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Gesundheits- und Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) am Dienstag Österreichs Einsatz gegen Antisemitismus versichert.

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© APA/BKA/FLORIAN SCHROETTER
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Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, sagte, es gebe in der heutigen österreichischen Staatsführung "keine Reste mehr von der These von Österreich als erstes Opfer" des Nationalsozialismus.

Der gemeinsame Kampf gegen den Antisemitismus sei wichtiger denn je, in einer Zeit, in des es in Europa Krieg gebe und der Antisemitismus auch in Österreich und in Europa ansteige, sagte Edtstadler, die die Gedenkstätte bereits das vierte Mal besuchte. Dabei müsse der Hass nicht nur im richtigen Leben sondern auch in der digitalen Welt bekämpft werden. "Wir tun alles in unserer Macht stehende, um Juden vor Antisemitismus zu schützen", versicherte Edtstadler.

Die Europaministerin zitierte Simon Wiesenthal: "Damit das Böse gedeihen kann, braucht es nur gute Menschen, die nichts tun." Wenn Juden in Österreich, Europa und weltweit unter Druck gerieten, kämen auch die freien Demokratien in Österreich, in Europa und weltweit unter Druck.

Mit dem EU-Beitritt habe Österreich seine Schuld für die Verbrechen des Nationalsozialismus spät anerkannt, sagte Rauch. "Auch ich entschuldige mich zutiefst. Man sei sich zu sicher gewesen, aus der Geschichte gelernt zu haben. Dabei sei es heute notwendiger denn je, gemeinsame Werte zu verteidigen. "Andernfalls verlieren wir die Zivilisation", warnte Rauch.

Österreich wird für eine mehrjährige Zusammenarbeit mit Yad Vashem bis zu 1,5 Millionen Euro für den Zeitraum von 2022 bis 2024 zur Verfügung stellen. Die Gelder sollten für vier Bereiche eingesetzt werden, sagte Dayan, nämlich Bildung, Dokumentation, Forschung und Ausstellungen zur Shoah.

"Der Antisemitismus zeigt wieder sein hässliches Gesicht", sagte der Vorsitzende der Gedenkstätte. Zwar sei die Lage nicht mit dem Europa der 30er-Jahre vergleichbar, weil die heute Generation über mehr Erfahrung verfüge. Eine der Lektionen aus dem Holocaust sei aber, "dass wir unmittelbar gegen den Antisemitismus Stellung beziehen müssen, wenn er erste Anzeichen zeigt. Andernfalls kann er monströse Ausmaße annehmen."

Yad Vashem beherbergt heute 220 Millionen Dokumente aus der Zeit des Holocausts, davon 520.000 Fotos, 4.500 Filme, 38.000 Artefakte und 12.000 Kunstwerke, schilderte der Leiter des Fotoarchivs Jonathan Matthews. Die Gedenkstätte kennt die Namen von 4,8 Millionen Opfern der Shoah. "Pro Monat finden wir 300 bis 400 neue Namen", so Matthews.

Ein Problem sei es, dass ein Großteil des Bildmaterials aus der Täterperspektive von den Nazis aufgenommen wurden, so der Archivar. Dabei sei es die Aufgabe von Yad Vashem, die Geschichte der Opfer zu erzählen. In Einzelfällen sei dies auch mit Bildern gelungen, etwa dem Fotografen Zvi Hirsch Kadushin, der heimlich Aufnahmen aus dem Ghetto Kauen (Kaunas) machte. Kadushin habe die Negative auf dem Friedhof versteckt und nach dem Krieg wieder ausgegraben.

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