Regierung
"Frauen abgeschafft": ÖVP bringt keine Gesetzesreform zustande
22.05.2026Eineinhalb Jahre nach der angeblich verunglückten Novelle des Beamtendienstrechts steht eine Reform der Reform aus.
Es war für die FPÖ im Herbst 2024 ein gefundenes Fressen - FPÖ-Klubvize Dagmar Belakowitsch giftete, man habe "die Frauen abgeschafft", das sei ein "Kniefall vor der woken Regenbogen- und Gender-Linken".
Was war passiert? ÖVP, SPÖ und Grüne hatten - lange bevor die Ampelkoalition feststand - Ende 2024 das Bundesgleichbehandlungsgesetz geändert. Demnach könne es nicht nur zu einer Diskriminierung von Frauen und Männern kommen, sondern es seien auch andere Diskriminierungen - etwa von nicht-binären Personen - möglich.
"Geschlechter-Abschaffung": FPÖ tobt wegen ÖVP-"Placebo-Antrag"
Wöginger legte Rückwärtsgang ein
Der blaue Aufschrei war so groß, dass der damalige ÖVP-Klubchef August Wöginger den Rückwärtsgang einlegte: Die Passage sollte wieder gestrichen werden, das sieht ein VP-Antrag vor, der eingebracht wurde und unter anderem auch von Wöginger unterschrieben wurde. Er wurde dem Budgetausschuss zugewiesen - und dort liegt er offenbar immer noch.
Die ÖVP hatte damals große Geschütze gegen das Gesetz aufgefahren, das sie "irrtümlich" mitbeschlossen hatte: "Die Verwendung des Begriffs "Geschlecht" ermöglicht einen - der Rechtsprechung entsprechenden - Interpretationsspielraum, weshalb die Verwendung unbestimmter Gesetzesbegriffe nicht angezeigt ist." Und das will die ÖVP wieder streichen: "Geschlecht im Sinne dieses Bundesgesetzes umfasst Geschlechtsmerkmale, Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechterrolle."
Stocker: Es gibt keinen Konsens
Doch das Gesetz ist bis heute nicht geändert worden - das geht aus einer Anfrageserie des FPÖ-Abgeordneten Christoph Steiner hervor. Steiner fragte alle ÖVP-Minister ab, wo denn das Gesetz bleibe - und erhielt durchwegs die Antwort, man sei dafür nicht zuständig. Nur Bundeskanzler Christian Stocker sprach Klartext: "Bezüglich der ausgearbeiteten Novellierung konnte bis dato kein Konsens erzielt werden." Oder anders gesagt: Weder SPÖ noch NEOS sind bereit, der ÖVP den Gefallen zu machen.
Die FPÖ kann also weiter auf dem Anti-Gender-Klavier gegen die "linke" ÖVP mobil machen.