Regierung

Koalitionskrach um Verlängerung der Volksschule auf 6 Jahre

13.02.2026

Die ÖVP attackiert Bildungsminister Wiederkehr, weil der die Volksschule auf 6 Jahre verlängern will.  

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© APA/HELMUT FOHRINGER
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EOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat mit seinen angekündigten Lehrplanreformen und Vorarbeiten für ein Pilotprojekt zur sechsjährigen Volksschule für Irritation beim Koalitionspartner ÖVP gesorgt. Man wolle gerne konstruktiv an Reformen mitarbeiten. "Das können wir aber nur, wenn es auch eine vernünftige Substanz gibt", kritisierte Bildungssprecher Nico Marchetti. Die NEOS schlagen jetzt zurück.

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Bei so sensiblen Themen wie den Lehrplänen, wo es viele Wünsche und Erwartungen gebe, müsse die Politik sich gesamthaft überlegen, welche Inhalte es in einem modernen Bildungssystem braucht. Noch liege dazu aber nichts am Tisch, kritisierte Marchetti, der auch Generalsekretär der ÖVP ist, im Gespräch mit der APA. Es gebe dazu weder Unterlagen noch Verhandlungstermine oder eine Einbindung der Personalvertretung.

Fordert Verhandlung zu Latein-Reform

Wiederkehrs Plan, in der AHS-Oberstufe Stunden bei Latein bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache zu kürzen und im Gegenzug Unterricht zu KI, Demokratie- und Medienbildung auszubauen, ist für Marchetti dementsprechend auch noch keineswegs eine ausgemachte Sache. "Wir sind noch am Start." 

NEOS gegen "bildungspolitische Bremsmanöver"

Bei den NEOS konnte man mit Marchettis Kritik am Freitag wenig anfangen. "Reformen im Bildungsbereich brauchen Substanz, Einbindung und sorgfältige Vorbereitung und genau das leisten wir derzeit", betonte Generalsekretär Douglas Hoyos in einer Aussendung. Wiederkehr presche hier auch nicht vor, sondern setze das von ÖVP, SPÖ und NEOS vereinbarte Regierungsprogramm um - und das sehe auch einen modernen Lehrplan und mehr Chancengerechtigkeit durch eine spätere Trennung nach der Volksschule vor. "Nach Jahrzehnten des Stillstands unter ÖVP-Bildungsministern werden nun endlich konsequente Reformen umgesetzt", so Hoyos. Die Koalitionspartner forderte er auf, "diesen Weg konstruktiv mitzugehen und bildungspolitische Bremsmanöver den Regierungen der Vergangenheit zu überlassen". 

SPÖ will Gesamtschule, ÖVP Gymnasium

Er schätze es, dass Wiederkehr das Bildungssystem positiv entwickeln wolle, betonte der ÖVP-Bildungssprecher. Es sei auch nicht das Thema, dass Wiederkehr hier - wie etwa bei seinem "Plan Z" für einen grundlegenden Umbau des Bildungssystems - seine parteipolitischen Vorstellungen habe. Auch ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker habe ja vor Kurzem parteipolitische Schwerpunkte vorgestellt. "Aber wenn man zu Entscheidungen und tatsächlichen Reformen kommen muss, gibt es halt andere Modi als Parteiformate. Und dann muss man sich zusammensetzen und handfeste Politik machen." Das fände er auch im Bildungsbereich sinnvoll. Mit Blick auf das im rot-pink regierten Wien angedachte Pilotprojekt zur Verlängerung der Volksschule stellte Marchetti gleichzeitig klar: "Das Gymnasium steht für die ÖVP nicht zur Disposition."

Auch SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer plädierte dafür, die Lehrplanreform nicht isoliert, sondern "breit und umfassend" zu denken. Dazu gehöre aber auch eine Diskussion über eine Gemeinsame Schule aller Zehn bis 14-Jährigen und mehr Schulautonomie bei den Lehrinhalten. "Wer Bildung ganzheitlich denkt, stärkt nicht nur Fachwissen, sondern auch soziale, digitale und demokratische Kompetenzen. Wenn das bei den angedachten Reformen Anklang findet, dann bin ich zuversichtlich." Viele sozialdemokratische Forderungen wie den Chancenbonus oder mehr Deutschförderung habe man in den vergangenen Monaten bereits verwirklicht.