Arbeitsbesuch

Warum Stocker in die Vereinigten Arabischen Emirate reist

04.05.2026

Für Bundeskanzler Stocker geht es diese Woche in die Vereinigten Arabischen Emirate. 

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© APA/FLORIAN WIESER
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Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) reist diese Woche Mittwoch bis Samstag in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Stocker ist diesmal nicht von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, plant aber neben einer Erneuerung der 2021 geschlossenen strategischen Partnerschaft auch einen Austausch mit österreichischen Unternehmen vor Ort, wie das Bundeskanzleramt im Voraus wissen ließ.

In Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, wird Stocker den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan, zu einem Arbeitsgespräch treffen. Außerdem wird er mit Ahmed Al Jaber, CEO des Energieunternehmens ADNOC, Minister für Industrie und Fortschrittstechnologien, sowie Sonderbeauftragter der VAE für den Klimawandel, die ADNOC-Zentrale besichtigen. ADNOC hält fast 25 Prozent der OMV-Aktien und im Syndikat mit der Republik Österreich eine Mehrheit. Außerdem haben ADNOC und die OMV ihre Chemietöchter zum Chemieriesen Borouge verschmolzen. Stocker hat Al Jaber bereits vor einem Jahr anlässlich dessen Wien-Besuchs getroffen.

Die Erneuerung der strategischen Partnerschaft soll "die Zusammenarbeit in zentralen Zukunftsfeldern wie Sicherheit, Forschung, Künstliche Intelligenz, Energie, Wirtschaft und Industrie weiter verfestigen und ausbauen", so das Bundeskanzleramt. Die VAE sind mit einem bilateralen Handelsvolumen von einer Milliarde Euro kein sehr großer Handelspartner Österreichs, aber doch der größte in der Golf Region. Österreich erzielt dabei einen hohen Handelsüberschuss. Gehandelt werden in beide Richtungen vor allem Maschinen und Fahrzeuge. Unverändert setzt sich Österreich für einen raschen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Das wäre "ein wichtiger nächster Schritt, um unsere Handelsbeziehungen auch in der Golf Region breiter aufzustellen", wird Stocker zitiert.

VAE vom Irankrieg betroffen, Ausstieg aus OPEC

Die VAE sind derzeit vom Kriegsgeschehen im Iran stark betroffen. Die Ölexporte stocken wegen der Sperre der Straße von Hormuz. Unter anderem ist eine Anlage von Borouge bei einem Drohnenangriff beschädigt worden. Das Land hat sich im Zuge der Angriffe von seinen Partnern am Golf so wenig unterstützt gefühlt, dass es mit 1. Mai aus dem Ölkartell OPEC bzw. OPEC+ (inklusive Russland) ausgetreten ist. Hintergrund für diesen Schritt dürften aber auch schon länger dauernde Spannungen mit dem großen Nachbarn Saudi Arabien sein.

Mit der Motivation der VAE vertraute Personen bezeichnen den OPEC-Austritt als Höhepunkt einer Entfremdung mit Saudi-Arabien. Diese sei durch jahrelange Meinungsverschiedenheiten über die Konflikte im Jemen und im Sudan, über Energiequoten sowie konkurrierende Visionen für die Golfregion befeuert worden. Während die VAE ihre Beziehungen zu Israel zu normalisieren versuchen, hält sich Saudi-Arabien, gebremst durch innenpolitische, religiöse und geopolitische Überlegungen, diesbezüglich sehr zurück.

Stockers Reise reiht sich auch in eine breitere Besuchsdiplomatie aus Europa ein. So waren zuletzt EU-Außen- und Sicherheitsbeauftragte Kaja Kallas und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa, im Land zu Besuch.