Sieben Stunden
Schwarz-roter Schlagabtausch im Parlament
13.12.2006
Einen kleinen verbalen Schlagabtausch der Noch-Nicht-Koalitionspartner ÖVP und SPÖ zur Wirtschaftspolitik hat die Nationalratssitzung am Donnerstag gebracht.
Nach etwas mehr als sieben Stunden hat der Nationalrat seine Donnerstags-Sitzung beendet. Während die ÖVP in der von ihr beantragten Aktuellen Stunde das Wachstum von über drei Prozent als "kleines Wirtschaftswunder" und als Bestätigung ihrer Politik bezeichnete, forderte die SPÖ einmal mehr einen "Kurswechsel". Zuletzt wurde ein Antrag der Grünen in erster Lesung behandelt, der ein Minderheitenrecht auf Einsetzung von Untersuchungsausschüssen vorsieht. Neben der Einsetzung durch 20 Abgeordnete wollen die Grünen auch die Möglichkeit für die Minderheit, Beweismittel und Zeugen-Befragungen zu beantragen (derzeit ist dafür im U-Ausschuss ein Mehrheitsbeschluss nötig). Der Antrag wurde dem zuständigen Ausschuss zugewiesen.
Bartenstein lobt Konjunkturpolitik
Wirtschaftsminister Martin
Bartenstein (V) hatte die Konjunkturpolitik der Regierung zuvor in den
höchsten Tönen gelobt ("Wir sorgen dafür, dass die Wirtschaft
läuft. Wir sorgen dafür, dass der Arbeitsmarkt boomt") und
einmal mehr eine "Trendwende am Arbeitsmarkt" ausgerufen. Für die
Zukunft forderte er die Verdoppelung der Mitarbeiterbeteiligung durch
steurliche Begünstigung und die Anhebung der Forschungsquote auf drei
Prozent. ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer verlangte eine weitere Senkung der
Abgabenquote und warnte vor "falschen Signalen" an Investoren.
SPÖ verlangt Kurswechsel
Deren Budgetsprecher Matznetter
konnte das Eigenlob der ÖVP nicht nachvollziehen und verlangte einmal mehr
einen "Kurswechsel". Die abgewählte Regierung habe ein "schweres
Erbe" hinterlassen: Die Staatsschulden seien auf 160 Mrd. Euro
gestiegen, weitere 20 Mrd. Euro seien außerbudgetär (ÖBB, Asfinag, BIG) "versteckt"
worden. Außerdem hätte man angesichts des hohen Wachstums "längst
finanzielle Reserven im Haushalt" anlegen müssen. "Wir sind
in der Situation, dass wir dringende Maßnahmen für die Zukunft setzen müssen
und dass die Kassen leer sind", kritisierte Matznetter.
"Schweres Erbe"
Von VP-Wirtschaftssprecher Reinhold
Mitterlehner setzte es umgehend Kritik am roten Gegenüber: "Ich
glaube, Kollege Matznetter, Sie sind irgendwo im falschen Film."
Schließlich habe die Regierung die Schulden nicht selbst gemacht, "die
haben wir übernommen". Auch BZÖ-Chef Peter Westenthaler
verteidigte die Bilanz der zuletzt schwarz-orangen Regierung und verwies auf
hohes Wachstum und sinkende Arbeitslosigkeit: "Wenn das ein schweres
Erbe ist, und einem Erbe geht ja immer ein Trauerfall vorher, dann wird in
Zukunft jedes Erbe zum Volksfest."