Bundesheermanieren

"Schwuchteln", "Gummihunde" und Leichen

06.04.2009

Der Bericht der Bundesheerbeschwerdestelle enthält wie immer neue und bekannte Schimpfwörter für die Rangniedrigeren, Schikanen und tödliche Unfälle.

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Im Folgenden einige Auszüge aus dem Jahresbericht 2008 der Parlamentarischen Bundesheer-Beschwerdekommission:

- Ein Unteroffizier bezeichnete Sport-, Marsch- und Laufbefreite generell als "schwul", "warm" und "luschenhaft". Beim Abtransport der marschbefreiten Soldaten mit dem Heereskraftfahrzeug wurde ihnen das Wort "Schwuchteln" nachgerufen.

- Ein tödlicher Verkehrsunfall mit einem Schützenpanzer. Der eingeteilte Panzerkommandant besaß nur die Qualifikation zum Bedienen der Fernmeldegeräteausstattung eines Schützenpanzers. Der unerfahrene Panzerfahrer selbst wies nur eine geringe Fahrpraxis auf (insgesamt 130 Kilometer). Der Kommandant wurde beim Unfall getötet.

- Ein Zugskommandant bezeichnete Rekruten als "Gummihunde", "Klosettbienen", "zu blöd" bzw. "zu dumm" und stellte deren Lernfähigkeit durch das Herausstreichen der höheren Lernfähigkeit von Regenwürmern infrage.

- Ein Verkehrsunfall eines Heereskraftfahrzeuges aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und rücksichtslosen Fahrverhaltens des Lenkers. Erschwerend kam hinzu, dass auf der Ladefläche des Puch G in einem offenen Behälter Kalk mitgeführt wurde. Beim Unfall erlitten zwei Rekruten Verätzungen an den Augen durch den Kalk.

- Um die "Merkfähigkeit" von Rekruten zu erhöhen, befahl ein Gruppenkommandant selbst bei Kleinigkeiten häufig, Liegestütze durchzuführen.

- Um Druck aufzubauen verwendete ein Ausbildner Aussagen wie "Falls irgendwer einen Fehler macht, prügle ich ihn außi, die Sau und spuck ihn an!"

- Um einen Rekruten im Rahmen der Basisausbildung auf seine Verpflichtung zur Abnahme eines um den Hals getragenen Lederbandes hinzuweisen, hielt ihm der Gruppenkommandant ein nicht geöffnetes Klappmesser an den Hals.

- Stark abgenutzte und zum Teil desolate Sanitäreinrichtungen führten in Verbindung mit zu wenig Duschen und zu wenig warmen Wasser dazu, dass die betroffenen Soldaten die notwendige Körperpflege nur mangelhaft durchführen konnten.

- Bei einem Rekruten wurde die erforderliche Kontrolle der Schilddrüsenhormone nicht durchgeführt und die Versorgung mit dem täglich notwendigen Medikament nicht sichergestellt.

- Vier Rekruten erhielten vom Truppenarzt aufgrund von Schlafstörungen militärmedizinische Einschränkungen. Der Zugskommandant drohte den Rekruten den Entzug der Heimschläferbewilligung an, wenn es nicht bald zu einer "Gesundung" kommen sollte.

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