"Basis soll entscheiden"

Strache bietet FPÖ Comeback als Parteichef an

24.11.2019

Die Parteibasis solle über eine Rückkehr des Ex-FPÖ-Chefs entscheiden.

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Nachdem Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Samstag einen Überraschungsauftritt bei einer Raucher-Demo vor dem Bundeskanzleramt am Ballhausplatz absolviert hat und dort viel Applaus bekam, bringt er nun in einem Facebook-Posting ein politisches Comeback ins Spiel.  In einem Kommentar bot er an, sich einer Basisabstimmung der Wiener Landespartei zu stellen.
 
 
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"Parteibasis soll entscheiden"

„Ich biete der FPÖ die Aufhebung meiner Suspendierung und Rückkehr als Parteichef an“, schreibt Strache. Und dann weiter: „Die Parteibasis soll entscheiden. Machen wir eine demokratische Basis-Abstimmung!“ 
 
Erst vergangene Woche ließ Strache ebenfalls auf Facebook ein Comeback anklingen. Auf die Frage eines Fans, wann er ihn kennenlernen könne, postete Strache, er werde „im neuen Jahr zu einer großen Veranstaltung“ einladen. 
 
Am Samstag trat Strache bei der ersten Raucher-Demo in Wien auf. Dabei wurde der ehemalige Vizekanzler trotz aller Skandale mit viel Applaus bedacht.
 
 

Wiener FPÖ kann Strache-Aussagen zu Comeback "nicht nachvollziehen"

 
Die Wiener FPÖ kann die Aussagen ihres ehemaligen Obmanns Heinz-Christian Strache, der via Facebook-Posting ein mögliches Comeback in den Raum stellte, "nicht nachvollziehen", wie Landesparteisekretär Michael Stumpf am Sonntag der APA sagte. "Ein suspendiertes Mitglied kann sich allein statuarisch nicht am Landesparteitag als Kandidat für die Obmannschaft aufstellen."
 
Stumpf findet das Ansinnen des über das Ibiza-Video gestolperten Ex-Parteichefs "interessant": "Denn seine (Straches, Anm.) Erklärungen aus den vergangenen Monaten, nämlich dass er sich aus der Politik vollständig zurückzieht, haben wir zur Kenntnis genommen und nie bezweifelt."

Der Landesparteisekretär kündigte an, dass die Partei weiterhin ihrer Linie in der Causa treu bleiben wird: "Wir müssen abwarten, was die Ermittlungen ergeben." Dann werde die Situation bewertet: "Eine Aufhebung der Suspendierung Straches käme nur infrage, wenn an den Vorwürfen nichts dran ist."
 

Kickl über Strache: "Ausschluss auf Knopfdruck"

 

oe24.TV: Diese Whats-App-Chats von Strache, die jetzt aufgetaucht sind, werfen kein gutes Bild auf die FPÖ. Das können Sie ja wohl nicht bestreiten …

Herbert Kickl: Vorweg eines: Strache ist jemand, den man – salopp formuliert – vielleicht als kommunikativ inkontinent bezeichnen könnte. Für ihn war das Handy so etwas Ähnliches wie ein Notizblock. Das ist etwas anderes, als wenn sich Leute gezielt Nachrichten schicken. Es sind ja, wie ich hörte, auch andere Handys beschlagnahmt worden. Die Ermittlungsbehörden werden sich das alles anschauen. Ich glaube vom grundsätzlichen Ansatz her, dass es bei all diesen Vorwürfen sehr gute Gegenargumente gibt und das alles im Nichts verlaufen wird.     

oe24.TV: Kann die FPÖ diesen langen Schatten des Strache überhaupt hinter sich lassen?

Kickl: Es gibt, was mich betrifft, eine Nicht-Kommunikation. Wir haben nichts mehr miteinander zu tun, es ist ein Verhältnis der Gleichgültigkeit. Das Kapitel Strache ist politisch abgeschlossen und die FPÖ wird es auch weiterhin geben. So wie damals viele gesagt haben, dass nach dem Bruch mit Jörg Haider die FPÖ den Bach hinuntergehen wird, so gibt es jetzt wieder welche, die so etwas behaupten. Aber die FPÖ mit ihrer neuen Führung wird sie Lügen strafen.   

oe24.TV: Ein Parteiausschluss steht nicht mehr im Raum?

Kickl: Der steht immer im Raum. Wenn es zu parteischädigenden Vorgehensweisen kommt, und das wird die Wiener FPÖ entsprechend beobachten, dann wird auf den Knopf gedrückt und der Ausschluss ist da.

oe24.TV: Zu den Koalitionsverhandlungen: Türkis-Grün ist Ihnen wohl ein Graus?

Kickl: Ich glaube, das ist auch weiten Teilen der Bevölkerung ein Graus. Der Einzige, der hier offensichtlich kein Kostverächter ist, das ist Sebastian Kurz. Er sagte ja, dass es mit den Grünen sehr viele Kompromisse brauchen wird. Dem gegenüber steht das Angebot der FPÖ. Da braucht man eigentlich nur einen Kompromiss. Und der heißt: Das Innenressort darf nicht in schwarze ­Hände gehen. Der Rest ist genau diese Fortsetzung der Mitte-rechts-Politik, die Kurz versprochen hat.

oe24.TV: Sie beharren darauf, wenn es eine Koalition geben soll, wollen Sie das BMI?

Kickl: Das ist eine Bedingung, die kennt die ÖVP. Wenn sie das akzeptiert, können wir ins Gespräch kommen. 

 

"Liste Strache" wäre in Wien fix im Gemeinderat

Trotz Ibiza-Causa, Hausdurchsuchungen zur Casinos-Affäre und Streit mit der FPÖ hätte HC Strache zusammen mit seiner Ehefrau Philippa laut aktueller Umfrage eine durchaus realistische Chance, mit einer eigenen Liste in den Wiener Gemeinderat einzuziehen.  
 
Für die Wien-Wahl 2020 steht noch kein genauer Termin fest. Dennoch sorgen erste Umfragen für Überraschungen. Jüngst fragte etwa das "Karmasin Research & Identity" 3.000 Österreicher für Puls 24: "Können Sie sich vorstellen, eine Philippa-und-Heinz-Christian-Strache-Partei zu wählen oder nicht?" 
 
Mit "sicher" antworteten immerhin 5,2 Prozent. Neun Prozent der Befragten sagten "möglich". In Wien ist der Wähler-Zuspruch für die Straches noch größer: 7,8 Prozent würden einer solchen Liste "sicher" ihre Stimme geben, weitere 10,3 Prozent "möglicherweise". Damit wäre eine "Liste Strache" fix im Wiener Gemeinderat.
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