Mehr Tathandlungen
Verfassungsschutz: Starker Anstieg bei Extremismus-Zahlen
04.05.2026Der Verfassungsschutzbericht für 2025 zeigt einen Anstieg an Vorfällen in fast allen wichtigen Bereichen.
So gab es beispielsweise beim Rechtsextremismus rund 34 Prozent und beim islamistischen Extremismus und Terrorismus 42 Prozent mehr Tathandlungen. Lediglich beim Linksextremismus gab es einen Abfall von 36 Prozent. Das Internet spielt u. a. bei der Rekrutierung und Vernetzung eine große Rolle, hieß es bei der Präsentation. Treiber sind außerdem internationale Konflikte.
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Islamistischer Extremismus sowie Rechtsextremismus sind derzeit die größten Herausforderungen, stellte Staatsschutz-Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) fest. Vergleichsweise hoch sind die Zahlen bei Letzterem. 1.986 Tathandlungen gab es 2025, im Vergleich zu 1.486 im Jahr zuvor. Diese Gruppe habe eine hohe Affinität zu Waffenbesitz, stellte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) fest; hier gebe es auch immer wieder Schwerpunktaktionen. 277 Hausdurchsuchungen wurden durchgeführt, 75 Personen festgenommen.
Rechtsextremisten setzen auf neue Codes
Rechtsextremisten setzen heute auf internationale Vernetzung sowie gezielte Radikalisierung über Social Media, sagte Leichtfried. Dabei würden sie "neue Codes" verwenden, um Anschlussfähigkeit an die gesellschaftliche Mitte zu erzeugen. Von dort kommende Begriffe - Karner nannte die auch von der FPÖ geforderte "Remigration" - würden gezielt in den politischen Diskurs eingeführt werden. Strategien der Rechtsextremisten seien die Verbreitung von Desinformation und Verschwörungstheorien, etwa über Eliten und einen "Tiefen Staat", führte der Innenminister aus.
Zudem beginne sich die rechtsextreme Szene mit digitalen Subkulturen wie der "Incel-Szene" zu überschneiden - Bindeglied sei dabei die Misogynie, so Leichtfried. Der Staatssekretär sieht eine reale Bedrohung für Frauen in Österreich sowie für die Demokratie, diene Misogynie doch als Einfallstor für extremistische Ideologien. Diese Verbindungen zwischen gewaltbereitem Frauenhass und extremistischen Strömungen sollen in den nächsten Verfassungsschutzbericht aufgenommen werden.
Gefährdungslage durch islamistischen Extremismus hoch
Die Gefährdungslage durch islamistischen Extremismus sei hoch, sagte die Direktorin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Sylvia Mayer. Das werde sich auch 2026 nicht ändern. Bei den islamistischen Tathandlungen, die zur Anzeige gebracht wurden, gab es einen Anstieg von 215 im Jahr 2024 auf 306 im Jahr 2025, außerdem fanden 129 Hausdurchsuchungen und 40 Festnahmen statt. Eine entscheidende Rolle spielt das Internet, rund 56 Prozent der Delikte passierten online. Die Terrorismus-Szene wird außerdem jünger. Das Durchschnittsalter von Gefährdern ist laut Leichtfried zwischen 2020 und 2025 von 31 auf 23 Jahre gesunken.
Angriffsziele seien öffentliche Orte, die LGBTQIA-Community, Polizistinnen und Polizisten sowie jüdische und israelische Einrichtungen. Im Fokus der DSN stehe auch der im Mai in Wien stattfindende Song Contest, sagte Mayer. Man führe regelmäßig Gefährdungseinschätzungen durch und bereite sich seit Monaten darauf vor, versicherte sie.
Terrororganisationen wie der Islamische Staat oder Al-Qaida seien weiterhin einflussreich und würden Propaganda verbreiten. Man bemerke sogar ein Interesse an Ausreisen von Österreich in Gebiete wie Somalia und Pakistan, in denen der IS präsent ist. Vermehrt würden neue Technologien wie Künstliche Intelligenz genutzt, Terrorfinanzierung passiere häufiger über Kryptowährungen, Drohnen werden verwendet, Waffen durch 3D-Druck hergestellt.
Weniger linksextremistische Tathandlungen
Im Linksextremismus - als einzigem von fünf hervorgehobenen Bereichen - sind die Zahlen um 36 Prozent gesunken. 2025 gab es 136 Tathandlungen, 2024 214. Allerdings sei das immer noch mehr als vor dem Angriff der terroristischen Hamas auf Israel im Jahr 2023, führte Karner aus. Dieses Ereignis habe den Linksextremismus befeuert, auch hier sei zunehmend Gewaltbereitschaft zu erkennen. Linksextremistinnen und -extremisten fallen vor allem durch Antisemitismus und radikalen Aktionismus auf, sagte Mayer. Solidarität werde etwa mit der Pro-Palästina-Bewegung bekundet. Bei den Tathandlungen gehe es vor allem um Sachbeschädigung.
Neun Tathandlungen wurden in der Kategorie Spionage registriert (2024: zwei). Eine große Rolle spielen hier laut Karner internationale Konflikte wie der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen sei vor allem Wien Schauplatz von Spionageaktivitäten. Die Hauptakteure sind Mayer zufolge neben Russland auch China und der Iran.
Niedrige Aufklärungsquote bei Cyberangriffen
Auch bei den staatsschutzrelevanten Cyberangriffen gibt es ein kleines Plus, 2025 waren es 31, 2024 29. Die Aufklärungsquote liegt mit nur einer Tathandlung bei 3,2 Prozent, im Vorjahr waren es gar null Prozent. Beim internationalen illegalen Waffenhandel stiegen die Tathandlungen von 30 auf 49 um 63 Prozent an.
Karner betonte, dass die Regierung an Maßnahmen arbeitet. So soll die Gefährderüberwachung 2027 zum Einsatz kommen, ein Gesetzesvorschlag für eine Fußfessel für Gefährder werde erarbeitet und man wolle ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media einführen.