Neuwahl
Wohlgemuth mit 95,93 Prozent zum neuen Tiroler SPÖ-Chef gewählt
28.06.2025Der neue Landesparteivorsitzende der Tiroler SPÖ heißt Philip Wohlgemuth.
Der rote Landeshauptmannstellvertreter wurde bei einem Ordentlichen Landesparteitag am Samstag in der Innsbrucker Messe mit 95,93 Prozent bzw. 283 von 295 abgegeben Delegiertenstimmen gewählt. Der 38-jährige bisherige geschäftsführende Vorsitzende fogte auf Georg Dornauer, der vergangenen November über einen Jagdausflug mit René Benko gestolpert war.
Wohlgemuth hatte zuvor in einer kämpferischen Rede, die die Landtagswahl im Jahr 2027 im Blick hatte, um die Gunst der Delegierten geworben. Man sei "nicht Juniorpartner oder Beiwagerl" in der Koalition mit der Landes-ÖVP, sondern der "starke rote Motor." Er lade alle Tiroler ein, "ein Stück des Weges mit uns zu gehen", zitierte er den SPÖ-Säulenheiligen Bruno Kreisky.
Mehr als eine halbe Stunde lang sprach Wohlgemuth in dem - inklusive der Gastdelegierten - mit rund 360 Personen voll besetzten Forum 2 der Innsbrucker Messe. Und entgegen seinem eigentlichen Naturell wurde es auch durchaus emotional: Sein Leben sei "auf den Kopf gestellt" worden, seit er vor einem halben Jahr zum roten Landeshauptmannstellvertreter und Frontmann avancierte. Das Ganze sei "eigentlich nie Teil meiner Lebensplanung" gewesen, erinnerte der frühere Landes-ÖGB-Chef. Er habe gemeinsam mit seinen Freunden die Landespartei "durch ein Wellental in ruhige Gewässer geführt." Nun wolle er die Partei zu einer "Homebase für den Fortschritt" machen. Nur wenn man "verbindlich, stark, glaubwürdig, geschlossen und entschlossen" auftrete, werde man bei der Landtagswahl 2027 reüssieren.
Für "Öffnung" der Tiroler SPÖ
Wieder und wieder strich Wohlgemuth das "Team" und das "Gemeinsame" heraus. "Die Stärke entsteht aus dem Kollektiv." Man dürfe nicht zulassen, dass "rechte und neoliberale Kräfte das Land spalten": "Wir brauchen eine Gegenmachtsfähigkeit gegenüber Konservativen und rechten Kräften." Er stehe für eine "Öffnung" der Tiroler SPÖ, spielte er auf die am Parteitag zur Debatte stehenden "vier Themeninitiativen" an. Dies gelte auch personell, was die Einbeziehung von Nicht-Parteimitgliedern betrifft. Und er stehe für eine "Politik, die einbindet, Lösungen sucht und nicht auf Schlagzeilen schielt."
Die Sozialdemokratie wolle in Tirol Antworten auf alle Fragen haben. Aber vor allem stehe man - gemäß der Ressortverteilung - "für Wohnen, Soziales und Mobilität." Wohlgemuth propagierte unter anderem eine "soziale Boden- und Wohnungspolitik" und verwies darauf, dass man etwa an einer verschärften Leerstandsabgabe sowie der Baulandmobilisierungsabgabe arbeite. "Es braucht eine Sozialpolitik, die nicht nur repariert, sondern vorbeugt", gab der 38-Jährige als Maxime aus. Seinen ebenfalls anwesenden Vorgänger Dornauer erwähnte Wohlgemuth übrigens nicht.
Babler mit scharfen Worten bei Pensionen
Vor der Rede Wohlgemuths hatte SPÖ-Vizekanzler und Bundesparteivorsitzender Andreas Babler sein "Grußwort" beim Ordentlichen Landesparteitag vor allem bundespolitisch genutzt - und zwar vor allem, um Forderungen aus der Wirtschaft nach einer Anhebung des Pensionsantrittsalters eine scharfe Absage zu erteilen. "Wer uns ausrichtet, dass wir bis 70 oder 75, bis zum Umfallen, arbeiten sollen, dem sage ich: Das wird nicht kommen."
Es gehe vielmehr darum, dafür zu sorgen, dass das jetzige tatsächliche Antrittsalter in der Realität auch erreicht werde. Inhaltlich machte Babler, der sein rotes Regierungsteam heftig lobte, zudem klar, dass im Zuge der "Sozialhilfe neu" auch die Kindergrundsicherung eingeführt werden müsse. In Bezug auf die prekäre Budgetlage ließ er deutliche Kritik an den Regierenden der vergangenen Jahre durchklingen - ohne die ÖVP beim Namen zu nennen: "Wir bringen Ordnung in das, was andere verbrochen haben." Wohlgemuth wünschte er unter kräftigem Applaus der Delegierten ein "starkes Ergebnis". Bereits vor dem Parteitag hatte Babler der Tiroler SPÖ eine "Aufbruchsstimmung und Geschlossenheit" attestiert.
Die Delegierten waren indes gleich zu Beginn von einer futuristisch anmutenden "Lasershow" samt akrobatischer Einlagen empfangen worden. Neben Babler waren an bundespolitischer Prominenz unter anderem auch Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Staatssekretärin Michaela Schmidt anwesend.
Ende der Ära Dornauer
Mit dem Parteitag endete die Ära Dornauer auch formell. Wohlgemuth hatte den Sellrainer bereits im Dezember als roter Landeshauptmannstellvertreter in der Regierung mit der ÖVP beerbt. Nun übernahm der 38-Jährige auch hochoffiziell das Führungszepter in der Landespartei. Der Innsbrucker war wenig überraschend der einzige Kandidat für den Parteivorsitz.