Almer rettet ÖFB-Team

Österreich zittert sich zu Remis

18.06.2016

ÖFB-Team hat seinen ersten Punkt bei dieser EURO - der war aber hart erkämpft.

Zur Vollversion des Artikels
© apa
Zur Vollversion des Artikels

Die österreichische Fußball-Nationalmannschaft hat sich bei der EM in Frankreich zurückgemeldet. Die Österreicher rangen Favorit Portugal am Samstag im zweiten Gruppenspiel in Paris ein 0:0 ab. Mit einem Punkt aus zwei Partien sind die Achtelfinal-Chancen weiterhin intakt. Zum Aufstieg in die K.o.-Phase bedarf es zum Abschluss der Gruppe F am Mittwoch in St. Denis gegen Island aber eines Sieges.

Die Portugiesen waren vor 45.000 Zuschauern im Prinzenpark-Stadion die bessere Mannschaft, ließen aber eine Vielzahl von guten Gelegenheiten ungenützt. Bei einem Elfmeter von Superstar Cristiano Ronaldo hatte das ÖFB-Team aber auch Glück: Portugals Kapitän setzte den Strafstoß nach Foul von Martin Hinteregger an ihm selbst an die Stange (79.).

+++ Noten: Ein Einser-Schüler überragt alle +++

ÖFB-Teamchef Marcel Koller verzichtete auf Stürmer Marc Janko. Der Goalgetter, der in der EM-Qualifikation sieben Treffer erzielt hatte, war nach einer Mitte April erlittenen Muskelverletzung im Adduktorenbereich zuletzt nicht in Vollbesitz seiner Kräfte. An seiner Stelle begann Marcel Sabitzer - allerdings auf dem rechten Flügel. Martin Harnik, nach dem verpatzten Auftakt gegen Ungarn (0:2) ebenfalls ein Wackelkandidat, rückte ins Sturmzentrum.

Alaba übernahm Junzovic-Rolle
Zu zwei Änderungen war Koller gezwungen. Für den gesperrten Abwehrchef Aleksandar Dragovic kam in der Innenverteidigung wie erwartet Sebastian Prödl zum Einsatz. Anstelle des verletzten Spielmachers Zlatko Junuzovic erhielt der defensivere Stefan Ilsanker den Vorzug gegenüber Alessandro Schöpf. David Alaba rückte ins offensive Mittelfeld-Zentrum auf die Junuzovic-Position vor, war dort aber ein Schatten seiner selbst. Vor der Pause kamen nur 50 Prozent seiner Pässe an.


Ronaldo übertraf mit seinem 128. Länderspiel den im Stadion anwesenden Luis Figo und avancierte zum Rekordnationalspieler seines Landes. ÖFB-Torhüter Robert Almer musste in der 2. Minute erstmals vor dem Real-Madrid-Mann eingreifen. Auf der Gegenseite war Harniks Timing beim Absprung schlecht. Der 29-Jährige setzte einen Kopfball nach Sabitzer-Flanke daher neben das Tor (3.).

Portugal am Drücker
Die Portugiesen waren gefährlicher. Almer zeichnete sich erst im Eins-gegen-Eins mit Ronaldos Sturmpartner Nani aus, nachdem dieser Prödl hatte aussteigen lassen (12.). Gleich darauf parierte er einen Fernschuss von Vieirinha (13.). Ronaldo schoss nach sehenswerter Kombination über Nani und Linksverteidiger Raphael Guerreiro aus guter Position vorbei (22.). Auch nachdem Martin Hinteregger einmal das Abseits aufgehoben hatte, brachte er den Ball nicht im Tor unter (37.).

Einem Treffer am nächsten kam Nani. Der Fenerbahce-Legionär, der schon im Auftaktspiel gegen Island (1:1) getroffen hatte, köpfelte nach Guerreiro-Flanke an die linke Stange (29.). Im Strafraum der Portugiesen wurde es selten ernst. Bei einem Alaba-Freistoß aus spitzem Winkel rettete Vieirinha an der zweiten Stange vor Harnik (41.). Kurz nach der Pause prüfte der starke Ilsanker mit einem Flachschuss erstmals Keeper Rui Patricio (46.).

Ronaldo scheitert vom Punkt
Beim ÖFB-Team stand der Torhüter mehr im Mittelpunkt. Almer war bei einem Ronaldo-Schuss auf das kurze Eck (55.) ebenso auf dem Posten wie bei einem Kopfball des 31-Jährige nach einem Corner (56.). Ein Ronaldo-Freistoß ging über das Tor (65.). Koller zeigte Mut, brachte bereits in der 65. Minute Schöpf anstelle des schwachen Alaba. Der Bayern-Star wirkte bei seiner Auswechslung alles andere als glücklich.


Noch unglücklicher war Ronaldo, als er den Matchball an die linke Stange schoss. Hinteregger hatte den Real-Star im Strafraum niedergerungen, der italienische Starschiedsrichter Nicol Rizzoli entschied auf Elfmeter. Wenig später wurde ein Kopftor von Ronaldo ebenso zurecht wegen Abseits nicht anerkannt (85.). In der Schlussphase kamen beim ÖFB-Team Lukas Hinterseer (85.) und Kevin Wimmer (87.), um den Punkt nach Hause zu bringen.

ÖFB-Team muss weiter warten
Die Österreicher blieben zwar bereits im dritten Länderspiel in Folge ohne Torerfolg. Sie dürfen nach dem sechsten Remis im elften Duell mit Portugal aber weiter auf den Achtelfinal-Einzug hoffen. Dafür muss am Mittwoch im Stade de France gegen Island aber zumindest der zweite EM-Treffer der ÖFB-Geschichte gelingen. Für den bisher einzigen hatte Ivica Vastic bei der Heim-EM 2008 gegen Polen (1:1) gesorgt.

Auf den ersten Sieg bei einer EM-Endrunde muss das ÖFB-Team weiter warten. Bei großen Turnieren haben die Österreicher seit der WM 1990 in Italien bereits acht Partien in Folge nicht gewonnen. Durch das zweite Remis in Folge zittert aber auch Portugal zum Abschluss gegen Ungarn um den Achtelfinal-Einzug. Die Portugiesen sind bisher noch nie in einer EM-Gruppenphase ausgeschieden.

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel