Vor Krisen-Derby

Analyse: Darum sind Wiener Klubs so schlecht

28.08.2019

Austria und Rapid stecken vor dem Derby am Sonntag in der Misere - nur ein Sieg zählt.

Zur Vollversion des Artikels
© GEPA
Zur Vollversion des Artikels

Fußball-Wien hinkt auch heuer weit hinterher. Rapid verlor zuletzt zu Hause gegen den LASK 1:2, ist mit sieben Punkten aus fünf Spielen auf Rang 6. Noch drastischer ist das Abschneiden der Austria: Fünf Punkte, Platz 7 - derzeit ist man unter dem ominösen Strich. Am Sonntag kommt es jetzt zum Krisen-Derby, empfangen die Violetten Rapid. Für beide zählt im 328. Duell mit dem Erzrivalen nur ein Sieg - ein Befreiungsschlag muss her. "Wir alle haben uns den Start besser vorgestellt", betont Austria-Coach Christian Ilzer. Die Gründe: Defensiv-Misere, fehlende Kreativität nach vorne, viele Ausfälle und kein Geld für Neuzugänge, die die Qualität erhöhen würden.

Bei Rapid fehlt es an Offensiv-Gefahr, bislang traf man nur sechs Mal. Dazu kommt die Verletzungs-Misere."Wir brauchen einen Sieg im Derby", so Kapitän Stefan Schwab. Der Gewinner des Krisen-Duells darf nach oben schauen - beim Verlierer ist Feuer am Dach, mehr als jetzt schon!

AUSTRIA: Defensive als Problemzone

Die Austria taumelt durch die Liga - das sind die Gründe für die momentane Mega-Krise: Beim 2:2 zuletzt in Hartberg fühlte sich die Austria vom Schiedsrichter betrogen, unter dem Strich stehen mit fünf Punkten aber die wenigsten nach fünf Runden seit 2014. Die Gründe: Die Austria kassiert zu viele Gegentore. 10 an der Zahl, im Schnitt zwei pro Spiel. Mehr gab es im selben Zeitraum zuletzt vor 33 Jahren (1986,11 Gegentore)."Da ist viel Luft nach oben", weiß Trainer Christian Ilzer, der immer noch nicht sein ideales System gefunden hat. Offensiv traf die Austria zwar schon neun Mal, doch die Torquote täuscht: In Mattersburg erzielte man fünf Tore, in den anderen vier Spielen im Schnitt nur eins. Entscheidend dabei: die fehlende Kreativität im Mittelfeld. Mit Ausnahme von Kapitän Alexander Grünwald sind zu wenig Spieler dabei, die spielerische Ideen mitbringen. Geld für qualitativ hochwertige Neuzugänge ist keines da, Sportboss Peter Stöger sind die Hände gebunden: "Ich wusste, als ich gekommen bin, dass ich nicht zum Tresor gehe und schau, wo ich das Geld beim Fenster rausschmeißen kann."

Viele Verletzte, schlechte Neuzugänge und kein Geld

Dabei wären neue Spieler Gold wert. Zum einen, weil die bisherigen Neuzugänge nur Ergänzungsspieler sind (Pichler, Zwierschitz, Cavlan, Jarjue, Palmer-Brown), zum anderen, weil mit Madl, Schoissengeyr und Borkovic drei Spieler verletzt sind. Nur ein Derby-Sieg kann für Ruhe in Favoriten sorgen.

Die Austriabaustellen:

Defensive: 10 Gegentore, mehr zuletzt vor 33 Jahren (1986)

Offensive: Kapitän Grünwald ist Alleinunterhalter in Sachen Kreativität

Neuzugänge: Sechs Neue, aber keiner hat bislang eingeschlagen

Ausfälle: Drei Verletzte, dazu ist Palmer-Brown jetzt Rot-gesperrt

Kein Geld: wirtschaftlicher Engpass lässt wenig Risiko zu

RAPID: Offensive ist laues Lüftchen

Rapid verliert den Anschluss nach oben - darum läuft es nicht beim Rekordmeister: Das kurze Zwischenhoch mit drei unbesiegten Spielen in Serie ist schon zu Ende. Gegen den LASK setzte es eine 1:2-Heimpleite - bezeichnend! Denn Grün-Weiß hat die Dominanz im Weststadion längst verloren, nur fünf der letzten 10 Spiele dort gewonnen. "Da müssen wir uns schleunigst was überlegen", so Kapitän Stefan Schwab. Wie die fehlende spielerische Kreativität. In den letzten drei Spielen schoss Rapid nur 3 (!) Mal auf das Tor. Insgesamt stehen sechs Treffer zu Buche, 1,2 pro Spiel. Weniger waren es zuletzt 2014. "Das ist zu wenig", weiß Coach Didi Kühbauer. Aliou Badji ist völlig außer Form, Neuzugang Koya Kitagawa noch nicht integriert. Derzeit hält Taxiarchis Fountas die Fahnen hoch, traf drei Mal. Allerdings gegen St. Pölten und Altach. In den drei Duellen mit den großen Namen Salzburg (0:2), LASK (1:2) und Sturm (1:0) nicht -womit eine schwache Bilanz weitergeht: Nur fünf der letzten 20 Liga-Duelle gegen die drei sowie die Austria gewann man, das sind 25 Prozent.

Die lange Verletztenliste sorgt für Kopfzerbrechen

Keine guten Aussichten für das Derby am Sonntag. Gerade, weil das Verletzungspech Rapid auf Trab hält: Nach Srdjan Grahovac fallen auch Thorsten Schick und Maxi Hofmann länger aus, Richard Strebinger und Aliou Badji sind fraglich. "Wir haben eh schon einen dünnen Kader, die Verletzungen tun uns weh", weiß Schwab. Mit einem Derby-Sieg am Sonntag würde in Hütteldorf Ruhe einkehren.

Die Rapidbaustellen:

Offensive: 6 Tore, weniger zuletzt vor 5 Jahren (2014) - Knipser fehlt

Verletzte: 5 Schwerverletzte, zuletzt erwischte es Schick & Hofmann - auch Strebinger & Badji angeknockt

Duelle vs. Top-Teams: Letzte 20 Spiele gegen LASK, Austria, Salzburg Sturm nur 5 Siege (11 Pleiten)

Heimbilanz: Nur 5 Siege in den letzten 10 Liga-Heimspielen

P. Scheichl

Zur Vollversion des Artikels