Bundesliga-Aufreger

Causa LASK setzt Senat unter Druck

11.05.2021

Die Causa LASK sorgt weiter für Unruhe. Die Bundesliga-Klubs fordern ein faires Verfahren.

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Während auf den Fußballplätzen dieses Landes derzeit um den Titel oder den Klassenerhalt gespielt wird, brodelt es im Hintergrund. Auslöser dafür: Eine am 23. April von "NEWS" publizierte Geschichte über LASK-Vizepräsident Jürgen Werner. Das Magazin wirft dem 59-jährigen „dubiose Deals“ vor. Der Bericht legt nahe, dass Werner, früherer Spielerberater, mit einer Investment-Firma Transferrechte an Fußball-Profis erworben und dadurch mutmaßlich gegen das Verbot der „Third Party Ownership“ verstoßen hat.

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Der LASK dementiert die Anschuldigungen, Werner sagt: „Ich halte fest, dass aktuell weder ich noch irgendeine Firma wirtschaftlicher Eigentümer eines LASK-Spielers ist. Sämtliche Transferrechte aller Spieler des LASK liegen beim LASK.“ Die Linzer kündigen rechtliche Schritte gegen das Magazin an. Sollten die von News aufgestellten Behauptungen stimmen, droht dem LASK eine saftige Strafe der FIFA – von Geldstrafe bis hin zu einem Transferverbot ist alles denkbar. Die österreichische Bundesliga reagierte jedenfalls prompt, fordert „nach den Vorwürfen um angeblich fragwürdige Geschäftspraktiken beim LASK“ eine Stellungnahme bis zum heutigen Dienstag. Danach wird entschieden, ob ein Verfahren gegen den LASK eingeleitet wird.

Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek stellt auf OE24-Anfrage klar: "Letztlich geht es auch darum, dass Fußball nicht zu einem Spekulationsobjekt verkommen darf. Wir spielen Fußball für unsere Fans und nicht für die Rendite von Investoren!" 

Extrem enge Verbundenheit war Klubs nicht bekannt

Behandelt wird diese heikle Thematik vom Liga-Senat 5. Und da sorgte eine am Donnerstag von OE24 publizierte Geschichte für Aufsehen. Denn: Ein Mitglied dieses achtköpfigen und unabhängigen Senats ist Dr. Stefan Lutz. Er wurde von Vertretern des LASK als Senats-Mitglied vorgeschlagen, dann von den übrigen Liga-Vertretern hineingewählt. Wie mehrere Vereine auf OE24-Nachfrage bestätigten, wusste da aber noch keiner, wie eng die Verbundenheit zwischen Lutz und LASK-Präsident Siegmund Gruber wirklich ist. Das betont auch Rapid-Geschäftsführer Christopher Peschek: „Mir war die von „Österreich“ dokumentierte extrem enge Verbundenheit bzw. die frühere Geschäftsbeziehung zwischen Herrn Gruber und Herrn Lutz nicht in diesem Ausmaß bekannt.“

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Lutz und Gruber waren jahrelange Geschäftspartner bei der GLP Steuerberatung, bis 2014 war Gruber als Geschäftsführer dieser Firma geführt – das zeigen Auszüge aus dem Firmenbuch, die OE24 vorliegen. Noch heute teilen sich die beiden den gleichen Firmensitz in Traun, Lutz mit seiner GLP Steuerberatung und Gruber mit seiner G-Quadrat Holding GmbH. Wie lange sich die beiden schon gut kennen, zeigt ein Blick in das Jahr 2005. Die beiden verfassten auf der Johannes-Kepler-Universität in Linz eine gemeinsame Hochschulabschlussarbeit. Der Titel? „Voraussetzungen und Institutionalisierung sozioökonomischer Kooperation zur Prävention von Geldwäsche.“


Liga sind in der Causa die Hände gebunden

Da der Senat 5 als unabhängiges Entscheidungsgremium gilt, wirft die Teilnahme von Lutz eine schiefe Optik auf die bevorstehende Verhandlung. Erst recht, sollte der Senat nach der heutigen LASK-Stellungnahme entscheiden, den Vorwürfen gegen Werner nicht weiter nachzugehen. Der Bundesliga sind in dem Fall die Hände gebunden. Auf OE24-Anfrage betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Thonhauser, es gäbe „keinerlei Möglichkeit zur Einflussnahme seitens der Bundesliga-Geschäftsstelle, des Vorstandes oder des Aufsichtsrats. Diese können insbesondere auch nicht auf die Besetzung eines Gremiums in einem konkreten Verfahren einwirken.“ Und weiter: „Gremienmitglied in einem konkreten Verfahren bei Vorliegen eines wichtigen Grundes, der Zweifel an seiner Unparteilichkeit auslösen könnte für befangen zu erklären. Über die Befangenheit eines Mitgliedes oder über Ablehnungsanträge der Parteien entscheidet der Vorsitzende.“


"Befremdlich, dass darüber überhaupt diskutiert werden muss"

Heißt: Einzig Lutz oder der Senats-Vorsitzende können entscheiden, ob der Gruber-Vertraute an der Verhandlung teilnimmt oder nicht. Ob Lutz vor wenigen Wochen bei den Lizenz-Verhandlungen dabei war, als öffentlich von namhaften Juristen eine mögliche Umgehung des LASK der 50+1-Regel diskutiert wurde, ist offen.

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Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek kann das nicht nachvollziehen: „Es ist nicht zu akzeptieren, dass Herr Lutz selbst darüber befindet, ob er nun befangen ist oder nicht. In Fragen der Befangenheit geht es um den Anschein und dieser Anschein einer Nahebeziehung ist jedenfalls gegeben. Es ist befremdlich, dass darüber überhaupt diskutiert werden muss.“ Und weiter: "Da nun erneut medial kolportierte schwere Vorwürfe gegen den LASK im Raum stehen, muss sich Herr Lutz aufgrund dieser Nahebeziehung zu Herrn Gruber in dieser Angelegenheit zurückziehen und von den Verhandlungen fernbleiben."
Das bestätigt ein nicht namentlich genanntes Mitglied des Senat 5 gegenüber der APA. Bei einem drohenden Interessenskonflikt müsse sich der- oder diejenige "bei einer Entscheidung den Club betreffend eigentlich aus dem Spiel nehmen". "Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden." Zugleich sei aber klar: Da es sich bei dem Senat um ein Kollegium handelt, das noch dazu Beschlüsse mit einfacher Mehrheit fällt, könne ein Mitglied alleine nicht gegen den Willen der Mehrheit etwas durchsetzen. "Man kann nur die Diskussion in eine bestimmte Richtung lenken."


Senats-Vorsitzendem ist das Thema bekannt

Der Vorsitzende des Senat 5 ist der Rechtsanwalt Thomas Hofer-Zeni. Der erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber OE24: „Das Thema ist bekannt und ich kann Ihnen versichern, dass der Senat 5 darüber beraten wird.“ Peschek hofft jedenfalls auf ein faires Verfahren – ohne den Zweifel einer möglichen Befangenheit von Senatsmitgliedern. „Der mutmaßliche Verstoß gegen die TPO Regelung, also dem Verbot der Beteiligung von Investoren an Spielertransfers, ist sehr ernst zu nehmen und muss genau geprüft werden, denn dies wäre ein Finanz-Doping und ein illegaler Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen Klubs. Daher ist eine seriöse Auseinandersetzung des Senats, der wie ein Sportgericht fungiert, von großer Bedeutung. Wenn daher auch nur der Anschein einer Befangenheit eines Senatsmitgliedes gegeben ist, gehe ich davon aus, dass sich diese Person aus den Verhandlungen zurückzieht. Schließlich geht es um die Einhaltung der gemeinsamen Spielregeln aller Klubs, aber letztlich auch um die Integrität des Bewerbs und der Gremien.“

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Unterstützung erhält er von Thomas Tebbich, Wirtschaftsboss von Sturm Graz, der auf OE24-Anfrage klar stellt: "Als Mitglied der Bundesliga legen wir großen Wert darauf, dass für alle Vereine die gleichen Spielregeln gelten. Uns ist es auf jeden Fall wichtig, dass die unabhängigen Senate der Bundesliga korrekt besetzt werden und die dafür geschaffenen Richtlinien strikt eingehalten werden. Ich gehe aber davon aus, dass dies ohnehin so umgesetzt wird und ich hoffe auf zeitnahe, nachvollziehbare Entscheidungen, die über jeden Zweifel erhaben sind."


Peschek wünscht sich Compliance Regeln

Für die Zukunft wünscht sich Peschek von vornerein mehr Transparenz „bei Mitarbeitern und Senatsmitgliedern“. Er hofft auf die Einführung interner Complicane Regeln. „Nachdem nun erneut eine mögliche Befangenheit eines Senatsmitglieds im Raum steht, ist definitiv auch der Bundesligaaufsichtsrat und der Ligavorstand gefordert, für derartige Sachverhalte, ergänzend zu den bisherigen Statuten, eine Compliance-Regelung für Senatsmitglieder und Bundesliga-MitarbeiterInnen zu implementieren. Denn die Glaubwürdigkeit sowie das Vertrauen unserer Fans und Sponsoren sind sehr hohe Güter. Daher darf nie der Eindruck von Seilschaften bzw. Befangenheit bei den Sportgerichten im Raum stehen, denn dies wäre für alle Beteiligte, aber vor allem für den Fußball sehr fatal. Hier sitzen alle Klubs in einem Boot, wir haben die Verpflichtung gegenüber unseren Fans, aber auch gegenüber allen aktuellen und potentiellen Partnern und Sponsoren, unsere wirtschaftlichen und sportlichen Aktivitäten seriös und transparent zu betreiben und darzustellen.“

Das letzte Wort in der Causa LASK scheint noch nicht gesprochen, der Druck liegt beim Senat ...

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