Peter Linden

LINDEN LIVE: Das 20-Millionen-Karussell in Violett

20.02.2026

Mit einem Sieg in Altach könnte die Austria an die Tabellenspitze springen. Doch statt Titelträumen dominieren andere Schlagzeilen den Klub: Interne Vorwürfe, anonyme Mails und brisante Papiere sorgen für Unruhe hinter den Kulissen – und werfen Fragen auf, die weit über das Sportliche hinausgehen.

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Mit einem Sieg in Altach könnte die Austria Tabellenführer sein, wenn es Sonntag beim Spitzenduell zwischen LASK und RB Salzburg keinen Sieger gibt. Aber nicht einmal das wäre das beherrschende violette Thema. Es bleiben die Vorwürfe, die unter dem Titel Ausverkauf und Machtergreifung in den „Zagiczek-Papers“ gegen Wirtschaftsvorstand Harald Zagiczek erhoben wurden, die nach dem Derbysieg von einer anonymen Mailadresse auch allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle übermittelt wurden.

20.000 Euro Provision eingesteckt

Seit 26. Jänner ermitteln die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young im Auftrag des Aufsichtsrats wegen angeblicher Veruntreuung einer sechsstelligen Summe und Führung einer Schwarzgeldkassa gegen Zagiczek, wegen einer Provisionszahlung von 20.000 Euro in Zusammenhang mit dem Transfer von Abubakr Barry aus Israel gegen Ex-Sportvorstand Jürgen Werner. Bei dieser Sitzung war Ralph Krueger nicht mehr Vorsitzender des Aufsichtsrats. Der ehemalige erfolgreiche Eishockey-Trainer und Vorsitzende von Southampton, als der Klub in der Premier League spielte, konnte sicher auch nicht verstehen, warum man Investoren, ohne deren Millionen die Austria nicht mehr in der Bundesliga spielen würde, bekämpft.

Er trat schon zehn Tage vorher nach dem Hearing des von den Investoren vorgeschlagenen neuen Sportvorstand Tomas Zorn zurück. Derzeit sind nur drei der vier Investoren-Plätze im Aufsichtsrat besetzt. Durch Hanno Egger, Franz Suttner-Gatterburg und seit einem Monat durch Ex-Ried-Präsident Peter Vogl, einen renommierten Juristen. Den holte Werner sicher nicht ohne Hintergedanken an seine Seite. Er nahm von den Plänen, acht Monate nach dem Rücktritt als Sportvorstand in den Aufsichtsrat zu gehen, vorerst Abstand.

Präsident Gollowitzer war informiert

Am 17. Mai letzten Jahres saßen Zagiczek und Werner im Wembley-Stadion beim FA-Cupfinale. Die Karten bekam Werner von Oliver Glasner. Heute würde er Zagiczek sicher keine mehr überlassen. Weil er vom kroatischen Vermittler Josko Rokov einige Aktivitäten von Zagiczek erfuhr. Er wollte alleiniger Vorstand sein, wie in einem Mail, das er am 14. August, als Werner noch im Amt war, an Rokov schickte, zu lesen ist. In dem Zagiczek auch anzweifelte, ob der ein Jahr davor von Werner bestellte Stephan Helm der richtige Trainer für die Austria ist. Rokov stellte den Kontakt zum englischen Unternehmen Revolution Sports her, das die Interessen nordamerikanischer Investoren vertritt. Worüber Austrias Präsident Kurt Gollowitzer informiert war.

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Mit US-Hilfe wollte Zagiczek die Anteile der Investoren an der Austria-AG zurückkaufen. Ihm schwebte ein Markenrechte-Deal vor: Die Amerikaner kaufen Austria die Markenrechte für 20 Millionen ab, der Klub verpflichtet sich, die Marke für 20 Jahre exklusiv zu nützen, zahlt dafür jährlich 1,3 Millionen. Der Investor erhält 20 Jahre 45% des Jahresgewinns der Austria-AG, gewährt zehn Millionen als Startkapital für Einkäufe. Weil es zu keiner Einigung kam, war Rokov sauer.

20. Jänner: Eidesstattliche Erklärung in Graz 

Am 20. Jänner gab er zu den Anschuldigungen in Graz eine eidesstattliche Erklärung ab, die sechs Tage später den Aufsichtsrat der Austria-AG beschäftigte. Zagiczek klagte Rokov, erhob Anschuldigungen gegen Werner, der ebenfalls klagen wird. Wenn es nur um 20.000 Euro geht, ist es ein Indiz dafür, dass er in drei Jahren seine Tätigkeit korrekt abwickelte.