Ausgekontert

Salzburg braucht jetzt ein Wunder

19.09.2008

Nach dem 0:2 in Sevilla droht den Bullen zum dritten Mal in Folge das frühe Aus im Europacup.

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Salzburgs Fußballern droht auch im dritten Jahr der Ära Red Bull ein frühes Europacup-Out. Nach dem unglücklichen 0:2 am Donnerstag im Erstrunden-Hinspiel des UEFA-Cups gegen FC Sevilla braucht die Mannschaft von Co Adriaanse am 2. Oktober auf dem Kunstrasen von Wals-Siezenheim eine Top-Sensation. Die Tatsache, dass der zweifache UEFA-Cup-Sieger nach der Pause im eigenen Stadion zwischenzeitlich ordentlich wankte und von den 40.000 Fans ausgepfiffen wurde, konnte die Salzburger nach Schlusspfiff überhaupt nicht trösten.

Nur das Ergebnis zählt
"Wir können uns jetzt hinstellen und allen erzählen, wie toll wir in der zweiten Spielhälfte waren. Das Wichtigste im Fußball ist aber immer noch das Ergebnis, und da steht ein 0:2. Auch wenn es den Spielverlauf nicht widerspiegelt, nur davon können wir uns nichts kaufen", brachte es Tormann Timo Ochs, der bei den Treffern durch Diego Capel (6.) und Adriano (92.) machtlos war, auf den Punkt.

Todesstoß
Die Ausgangsposition erheblich verschlechtert hat das (abseitsverdächtige) 0:2 in der Nachspielzeit. Dem Treffer nach klassischem Konter ist ein schwerer Abspielfehler des ansonsten starken Christoph Leitgeb vorausgegangen. "Da war um einiges mehr drinnen. Wir haben super mitgespielt und den Ball laufen lassen. Und dann passiert mir dieser blöde Fehlpass", ärgerte sich ÖFB-Teamspieler Leitgeb selbst am meisten. Zeit zum Nachdenken hatte Leitgeb gleich direkt nach Schlusspfiff, denn der sichtlich stinksauere Adriaanse ließ seine Kicker nach dem Match etwas mehr als eine halbe Stunde lang auslaufen.

Leitgeb am Boden
Alexander Zickler fühlte mit Leitgeb mit: "Er hat bis dahin super gespielt, und dann passiert so ein Ding. Das ist natürlich für so einen jungen Burschen ein Wahnsinn." Auch Routinier Niko Kovac lag der zweite Gegentreffer ordentlich im Magen. "Wir haben so viele Nationalspieler in der Mannschaft, da darf so ein Gegentor wie das 0:2 einfach nicht passieren. Wir dürfen den Ball nicht so leicht verlieren", erklärte der Kroate, der ergänzte: "Wir sind in Schönheit gestorben. Die B-Note war okay, die A-Note war nicht okay."

Zu viele Chancen vergeben
In die B-Note miteinberechnen kann man demnach das couragierte Auftreten und die deutliche Leistungssteigerung nach der Pause sowie den körperlichen Zustand der Salzburger, die Sevilla mit Aggressivität und Kompaktheit das Leben sehr schwer gemacht haben. Die A-Note stimmte dann aber nicht, da Topchancen, u.a. von Alexander Zickler, Robin Nelisse oder Leitgeb, verhaut wurden und das wahrlich vermeidbare 0:2 passiert ist.

Trainer sauer
Alles andere als guter Laune war Trainer Adriaanse. "Wir hatten die Absicht, in Sevilla zu gewinnen. Unterm Strich haben wir 0:2 verloren, dementsprechend enttäuscht sind wir", analysierte der Niederländer, der zum zweiten Tor meinte: "Ein Gegentreffer in der letzten Minute ist immer schlimm. Vor allem aber, wenn er durch so einen Ballverlust passiert." Die Ausgangslage für das Rückspiel sieht Adriaanse realistisch: "Die Chancen sind nicht so groß. Das 2:0 ist für Sevilla ein sehr gutes Ergebnis."

Durchhalteparolen
Von den Spielern gab es für das zweite Match gegen den UEFA-Cup-Sieger 2006 und 2007 Durchhalteparolen. "Fußball ist ein seltsames, komisches Spiel, in dem alles möglich ist. Aber wir sind Realisten genug, um zu wissen, dass es ganz, ganz schwer wird", meinte Kovac. "Wir sind von Sevilla nicht hergespielt worden, das gibt Mut fürs Rückspiel. Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Sollte uns ein frühes Tor gelingen, dann ist vieles möglich", so Ochs, der jedoch weiß: "Wir müssen gleichzeitig 90 Minuten auf der Hut sein und aufpassen, dass wir kein Tor kassieren."

Auch Zickler appellierte an die Moral der Truppe: "Klar brauchen wir ein Wunder. Aber wir müssen uns zusammenraufen, das Positive mitnehmen und alles versuchen, in Salzburg noch die Wende zu schaffen." Sollte die jedoch nicht gelingen, dann könnte es im Luxuskader der Bullen ungemütlich werden. Denn dann würde wie bereits in den vergangenen beiden Saisonen ab Anfang Oktober nur noch österreichische Hausmannskost auf dem Programm stehen.

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