"70 Stunden vor Abflug gefährliche Zeit"

Olympia: Corona soll in China-Blase zu Randthema werden

24.01.2022

Geht es nach den Vorstellungen von ÖOC-Delegationschef Christoph Sieber, dann soll das Coronavirus für die Athletinnen und Athleten in der Blase bei den Olympischen Spielen in China zum Randthema werden. 

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"Dein Fokus bestimmt deine Realität. Die Covid-Maßnahmen sind eine Nebensächlichkeit, die es zu erledigen gilt." Eine olympische Mission zu organisieren sei schon herausfordernd genug, umso mehr sei es das mit dem Covid-Thema und den Sicherheitsaspekten.

Das Covid-Thema soll unter den Bewohnern in den Olympischen Dörfern und Hotels nicht das Hauptthema werden. "Vom ÖOC her haben wir uns dieses Mal extrem bemüht, alle frühzeitig zu informieren, zahlreiche Webinare, Workshops und die zahlreichen Informationen gut zu kommunizieren. Mit den Verbänden, den Spartenleitern, den Cheftrainern, dass die Informations-Multiplikation stattfindet", erklärte Sieber. "Damit was notwendig ist an Covid-Maßnahmen, ohne Probleme zu erledigen ist. Damit es dann wiederum umso leichter ist, es als Nebensache zu betrachten."

"Es muss einem alles egal sein"

Aus Athletenperspektive zähle nur eine Sache: möglichst rasch vom Start ins Ziel zu kommen. "Alles andere ist Nebensache. Es muss egal sein, was man für einen Druck spürt von zu Hause, Freunden, Familien, Sponsoren, von der Presse. Es muss einem völlig egal sein, wie groß oder klein das Zimmer ist. Es muss einem wirklich alles egal sein."

Die Erfahrung von den Sommerspielen in Tokio sei, dass vor Ort alle überrascht gewesen waren, dass es viel besser als erwartet sei. "Das ist natürlich unsere Hoffnung." Dass mit einer "unglaublichen Eröffnungsfeier ein gewisser Flash bei Teammitgliedern" entstehe, das sie auf dem Sport fokussiert in einen Flow kommen und bestmögliche Leistungen abrufen können, ergänzte der Chef de Mission.

"Playbook"

Das ÖOC stützt sich wie alle Nationalen Olympischen Komitees auf das sogenannte Playbook, ein umfassendes Regelwerk vom Organisationskomitee und dem Internationalen Olympischen Komitee. Überstandene Covid-Infektionen müssen nach China übermittelt werden. Wer innerhalb von 30 Tagen vor der Abreise infiziert war, muss u.a. vier negative PCR-Tests vorweisen. Antikörpertests sind für die olympische Familie nicht erforderlich.

"Es ist sehr viel Kommunikation mit dem Team notwendig, dass nicht nur die geforderten Testungen erledigt werden, damit man seinen grünen Pass, den Einreisecode usw. erhält, sondern dass man auch in Eigenverantwortung intensiv weitertestet. Ohne Eigenverantwortung schaffen wir es nicht, alle nach China zu bringen", sagte Sieber. "Mitunter ist der letzte geforderte Test 70 Stunden vor Abflug, und genau diese 70 Stunden sind eine sehr gefährliche Zeit. Jeder würde sich gerne innig verabschieden, von Freunden, von Familien, genau hier muss man besonders aufpassen und in Eigenregie weitertesten."

In Wien werde vom ÖOC eine eigene Teststraße eingerichtet, um beim großen Charterflug am Freitag, "der natürlich sehr vulnerabel ist", eine zusätzliche Sicherheitsschranke einzuziehen. 49 Athletinnen und Athleten aus der rot-weiß-roten Delegation sind für das Boarding vorgesehen. "Wir hoffen, dass wir einen negativen Charterflug nach Peking bringen, und dass niemand positiv in Peking aufschlägt."

Nachnennungen möglich

Sollten sich Sportlerinnen oder Sportler mit dem Virus infizieren, sind Nachnennungen möglich. "Das späte Auswechseln einer Athletin, eines Athleten aus medizinischen Gründen wird hier schlagend werden. Es gibt in den Sportarten vorgegebene Fristen Im Groben kann man sagen, bis zu den finalen technischen Meetings vor den Rennen können noch Auswechslungen erfolgen", erläuterte der frühere Surf-Olympiasieger.

Man müsse aber die Logistik miteinrechnen, denn es gäbe nur im Bob Ersatzathleten mit in China. Bei den Entscheidungen fließen freilich die Ct-Werte mit ein - China verlangt mindestens 35 und höher. Wenn jemand mit dem Wert nur sehr langsam steige und in den negativen Bereich komme, müsse man sich ansehen, ob man den Flug noch verschiebe, oder ob das Risiko zu hoch ist und der Athlet gleich ausgewechselt werde. "Das sind Dramen, die sich da abspielen könnten", gibt Sieber zu bedenken.
 

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