Olympia 2026
Vonn trotzt Kreuzband-Schock – Ärzte fassungslos
04.02.2026Kreuzband-Schock – und nur neun Tage später will Lindsey Vonn trotzdem bei den Olympischen Spielen (6. bis 22. Februar) in Cortina an den Start gehen. Während Fans ungläubig staunen, schlagen Knie-Experten Alarm und warnen vor einem riskanten Spiel mit der Gesundheit.
Als Lindsey Vonn letzten Freitag bei der Abfahrt in Crans-Montana schwer stürzte, schien für viele klar: Olympia ist erledigt. Kreuzbandriss, Knochenprellungen – eine Diagnose, die normalerweise das Saison-Aus bedeutet. Mindestens ein halbes Jahr Pause. Zum Vergleich: ÖSV-Star Marco Schwarz brauchte nach seinem Kreuzbandriss im Oktober 2023 ganze 303 Tage bis zu seinem Comeback im Schnee.
»Ich will es versuchen«
Für die US-Ski-Queen ist es jedoch überhaupt keine Option, so lange auszusetzen. Nur neun Tage nach ihrem Sturz will sie bereits wieder an den Start gehen – und stand sogar schon wieder auf Skiern. Vonn sagt: „Mein Knie ist nicht geschwollen und fühlt sich stabil an. Ich weiß, dass ich nicht mehr die gleichen Chancen habe. Aber ich will es versuchen.“
Ausgerechnet in Cortina d’Ampezzo plant sie am Sonntag (ab 11.30 Uhr, HIER im Sport24-Liveticker) ihr Comeback – in der Abfahrt auf der Olympia delle Tofane, ihrer absoluten Paradestrecke. Zwölf Weltcupsiege hat sie dort bereits gefeiert. Ein Vorhaben, das selbst hartgesottene Mediziner staunen – oder schlucken – lässt. Denn die Strecke hat es in sich: 2.560 Meter Länge, 750 Höhenmeter und im berüchtigten Tofana-Schuss bis zu 64 Prozent Gefälle. Dazu kommen weite Sprünge, Highspeed-Passagen und Geschwindigkeiten von über 100 km/h. Eine Piste, die selbst mit einem gesunden Knie alles abverlangt.
Murrisch: »Daumen drücken, dass es gut geht«
Entsprechend deutlich fällt die Einschätzung von Kniespezialist und Ex-Mannschaftsarzt der deutschen Alpin-Nationalmannschaft, Dr. Thierry Murrisch, im Gespräch mit Bild aus: „Das größte Problem ist die Landung nach den Sprüngen. Dabei muss sie das Knie stabil halten können – sowohl muskulär als auch koordinativ. Entscheidend ist, dass sie die richtige Position hält, damit das Knie nicht nachgibt.“
Seine Warnung ist eindringlich: „Der Meniskus oder das hintere Kreuzband könnten reißen. Es drohen irreparable Knorpelschäden oder sogar Frakturen im Becken oder Unterschenkel. Man kann ihr wirklich nur die Daumen drücken, dass das gutgeht.“ Vonn jedoch träumt vom nächsten Coup – vom zweiten Olympia-Gold nach Vancouver 2010. Zwischen Wahnsinn und Willenskraft liegt diesmal nur ein Knie.