Aussprache

Gespräch mit Thiem: Bresnik schweigt

03.05.2019

Ex-Coach will über Gespräch mit Thiem nichts sagen.

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Nach seinem Titel beim ATP-500-Turnier in Barcelona hat Dominic Thiem gleich nach seiner Rückkehr und noch vor seiner Abreise nach Madrid ein Gespräch mit seinem nun ehemaligen Langzeit-Coach Günter Bresnik geführt. Über den Inhalt wollten weder Thiem selbst noch der weiter als Thiem-Manager tätige Bresnik etwas verraten. Bresnik versicherte Thiem aber weiterhin jede benötigte Unterstützung.
 
"Das war ein Gespräch, über dessen Inhalt von meiner Seite nichts gesagt wird", sagte Bresnik im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur. Der seit Kurzem 58-jährige Niederösterreicher wird derzeit sowohl international als auch in der Heimat von allen möglichen Leuten befragt. "Wer da aller fragt - so wichtig ist das jetzt einmal nicht." Ob er aus dem Dialog mit dem Weltranglisten-Fünften klüger geworden sei, beantwortete Bresnik schlagfertig. "Ich war vorher schon so klug, dass eine Steigerung schwer möglich ist. So können wir das belassen", scherzte er.
 

Interesse bleibt

Auch wenn er sportlich nun völlig von Trainer Nicolas Massu ersetzt wurde, an seinem Interesse an Thiem hat das nichts verändert. Bresnik schaut sich nach wie vor jedes Match Thiems an. "Das sehe ich alles. Warum er was gewinnt, das weiß er schon. Es ist keinem verborgen geblieben, dass er gewinnt, weil er die besten Schläge hat. Schläge lernst nicht in drei, vier Wochen", weiß Bresnik um die in 15 Jahren gelegte Basis seiner Arbeit. Hinzu befinde sich Thiem in einer Phase, in der alles "super läuft": "Er ist gesund, hat gute Laune, im Privatleben passt alles."
 
Und Thiem scheint nun bereit für den nächsten großen Schritt in seiner Weltkarriere. "Er wird von Jahr zu Jahr besser. Es ist wie ein Wein, der wird produziert und du gibst ihn ins Fass und lässt ihn dort reifen. Produziert worden ist er schon vor zehn Jahren: Da geht es um die Reben, die Pflege, den Weinproduktionsvorgang als solchen. Das Anzapfen von dem Fass kannst du jeden machen lassen", erklärt Bresnik.
 
Thiem, der die Tage vor seiner am Donnerstag erfolgten Abreise nach Madrid in der Südstadt erstmals mit Massu trainiert hat, möchte weiter im Bundesleistungszentrum trainieren. "Das ist die Stätte, in der ich aufgewachsen bin, da fühle ich mich wohl, es ist nicht weit weg von zu Hause. Ich würde schon gerne da weitertrainieren", meinte der 13-fache Turniersieger kürzlich in einem ORF-Interview. Und Bresnik wird ihm diesbezüglich gar nichts erschweren. "Es gibt überhaupt keine Schwierigkeiten für ihn, gar nichts. Ganz im Gegenteil. Blödsinn, von mir wird er immer jede Unterstützung kriegen, die er braucht. Wo wäre mein Interesse daran, dass er einen Nachteil hat?", fragt Bresnik.
 

"Na sicher freue ich mich"

Mit so manchem Kommentar auf der Straße kann er da gar nichts anfangen. "Leute reden mich an, und fragen: 'Freust dich überhaupt noch, wenn er gewinnt?' Na sicher freue ich mich! Da muss ja einer deppert sein, wenn er das nach 15 Jahren nicht tun würde. Das wäre so, als würde ich mich darüber ärgern, dass jemand der Wein schmeckt, obwohl ich ihn vor zehn Jahren produziert habe", kam Bresnik auf sein Beispiel vom selbst produzierten Wein zurück.
 
Die "Weinmarke Thiem" wird aber freilich immer wertvoller, verläuft die Leistungskurve nach dem Trainerwechsel so weiter, dann wird der weiterhin als Manager tätige Bresnik wohl noch einige Arbeit haben. Seine Tätigkeit als Trainer in der Südstadt, wo er sich u.a. seit einigen Wochen auch um Mira Antonitsch, die Tochter von Ex-Davis-Cup-Spieler Alexander kümmert, bleibe gleich. "Ich werde keinen extremen (Zeit-)Überschuss haben. Fad wird mir überhaupt nicht werden."
 
Internationale Coaching-Anfragen gibt es, die gab es auch schon während der Zeit mit Thiem. "Das interessiert mich gar nicht. Ich erzähle auch nicht, welche Angebote oder Anfragen es gibt. Ich werde keine wie auch immer geartete Anfrage in nächster Zeit annehmen", versicherte Bresnik der APA. Sein Wunsch sei schon in den vergangenen beiden Jahren gewesen, weniger zu reisen. Mit Spielern wie etwa Ernests Gulbis, die er schon lange betreut, sei das in geringem Ausmaß schon noch möglich.
 
Ob er eine Reise zu den French Open plant? "Das weiß ich nicht, aber es ist nicht ausgeschlossen." Durchaus möglich, dass sein Langzeit-Schützling Thiem nach zwei Semifinalen und dem Finale im Vorjahr nun den großen Coup schafft. Nach dem Auftritt Thiems in Barcelona, wo er u.a. auch Rafael Nadal im Halbfinale bezwungen hat, steht der 25-jährige Lichtenwörther schon bei einigen Experten auf der Favoritenliste für Roland Garros ganz oben - sogar vor Nadal.
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