Nach Infekt

So stehen Thiems Chancen bei US-Open

23.08.2019

Djokovic US-Open-Topfavorit aus den 'big three' - Thiem setzt sich nach Infekt kein Ziel.

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Vier der fünf vergangenen Grand-Slam-Turniere hat er gewonnen, und auch für die am Montag beginnenden US Open ist Novak Djokovic der Favorit. Der Wimbledonsieger, der sein Major-Titel-Konto zuletzt mit einem dramatischen Finalsieg über Roger Federer bereits auf 16 aufgestockt hat, wird auch in Flushing Meadows das Maß aller Dinge sein.

Der topgesetzte Serbe und der als Nummer 3 gereihte Schweizer könnten im Halbfinale der oberen Tableau-Hälfte neuerlich aufeinandertreffen. Geht alles nach Setzung, dann würde das zweite Halbfinale Dominic Thiem (AUT-4) gegen Rafael Nadal (ESP-2) lauten. Doch ehe es zu einer Wiederholung des unvergessenen Vorjahrs-Viertelfinales zwischen dem Niederösterreicher und dem 18-fachen Major-Champion Nadal kommt, muss Thiem einmal sein Fitnesslevel nach überstandener Verkühlung noch ordentlich steigern.

Zumindest könnte Thiem dank seiner Top-4-Setzung diesmal erst eine Runde später auf einen der "big three" prallen. Doch mit derartigen Spekulationen will sich auch Thiem selbst nicht beschäftigen. Er hielt ganz klar fest: "Nach meiner mühsamen Viruserkrankung kann man keine Wunderdinge erwarten, auch ich selbst setze mir keine Ziele wie ein Viertel- oder Semifinale. Ich kann in so einer Phase nur von Runde zu Runde schauen, alles andere wäre vermessen."

Erste Hürde für Thiem machbar

Zumindest hat Thiem keinen Spieler wie den starken, ungesetzten Kanadier Denis Shapovalov zum Auftakt erhalten. In Thomas Fabbiano, die Nummer 87 im ATP-Ranking, sieht auch Thiem-Manager Herwig Straka "ein machbares Los". Thiem jedenfalls will nun bis zu Beginn sein Trainings-Programm "auf ein Minimum reduzieren, um ab Montag körperlich bereit zu sein".

Spricht man von einem möglichen Durchbruch gegen die Phalanx der "großen Drei", dann fällt aktuell wohl jedem Tennis-Fan der Name des Russen Daniil Medwedew als erster ein. Mit nun drei Finali en suite in Washington, Montreal und dem Titel in Cincinnati hat sich der 23-Jährige nicht nur in die Top 5 katapultiert. Er gilt auch als "heißeste Aktie" auf der Tour, den aktuellen Major-Lauf von Djokovic, Nadal und Federer zu durchbrechen. Immerhin hat dieses Trio schon wieder die vergangenen elf Majors gewonnen, und könnte mit einem US-Open-Sieg das dritte Jahr en suite den Sieg sozusagen unter sich ausmachen. 54 Titel dieser nicht umsonst "big three" genannten Superstars von 65 Major-Events seit Wimbledon 2003 (Federer-Titel) sprechen Bände.

Medwedew ist nach seinem tollen Lauf in der nordamerikanischen Hartplatz-Saison zurecht als gefährlicher Außenseiter einzustufen. Allerdings hat er in den drei Wochen in Folge auch viel Kraft gelassen. Man darf gespannt sein, wie er mit seiner neuen Mitfavoritenrolle zurechtkommt. Der Russe, der übrigens auch beim Erste Bank Open in Wien aufschlagen wird, hatte vor drei Wochen einen Vorstoß in die Top 5 nicht für möglich gehalten. "Das ist ein Riesenerfolg, ich habe vor drei Wochen erst die Top Ten erreicht. Jetzt bin ich Top Five, das ist großartig." Mit seinem Team wollte er an einem Plan arbeiten, wie er sich für die US Open am besten erholen kann. "Aber es gibt keine Gründe, warum ich für die US Open nicht bereit sein sollte."

Viele Favoritinnen bei Damen

Jedenfalls stellt er einen zuletzt kranken Thiem, einen die ganze Saison recht schwachen Alexander Zverev (GER-6), Kei Nishikori (JPN-7) und auch den griechischen Jungstar Stefanos Tsitsipas (8) in den Schatten. Bei den Damen ist das Feld wieder einmal weit offener als bei den Herren. Naomi Osaka, die Sensationssiegerin des Vorjahrs, führt das Feld an, war zuletzt allerdings am Knie angeschlagen. Bei der Auslosungszeremonie, bei der traditionell die Vorjahressieger anwesend waren, meinte die erste japanische Major-Siegerin überhaupt aber, dass es ihr "immer besser" gehe.

Ihr Erstrunden-Auftritt gegen Anna Blinkowa (RUS) wird allerdings weit weniger Aufsehen erregen, als der von jenem Superstar, der ihr im Vorjahrs-Endspiel unterlegen ist: Serena Williams, die weiterhin auf der Jagd nach ihrem 24. Grand-Slam-Titel ist, hat in einem echten Erstrunden-Kracher gleich Maria Scharapowa zur Gegnerin. Auch wenn die Russin seit ihrer Dopingsperre nie wieder ganz nach oben zurückgekommen ist, so war die dreifache Major-Siegerin doch lange Zeit unter den bestbezahlten weiblichen Sportlerinnen der Welt.

Williams greift nun neuerlich nach Titel Nummer 24, womit sie endlich den Rekord von Margaret Court (AUS) egalisieren möchte. Doch der Favoritenkreis erstreckt sich wesentlich weiter, auch Wimbledonsiegerin Simona Halep und French-Open-Championesse Ashleigh Barty gehören u.a. zu den Kandidatinnen für den Titel.

Mit großem Interesse wird man freilich auch den nächsten Auftritt des 15-jährigen US-Supertalents Cori "Coco" Gauff verfolgen. Die aus Florida stammende Gauff hatte in Wimbledon mit ihrem Lauf bis ins Achtelfinale für Furore gesorgt und nun auch eine Wildcard für ihren Heim-"Slam" bekommen. Sie könnte in Runde drei auf Osaka treffen.

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