Paralympics

Unsere Olympia- Helden

09.09.2012

Es geht also doch: Mit etlichen Medaillen im Gepäck reisen Österreichs Sportler heute von den Paralympics in London ab. Was sie so erfolgreich macht.

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London. Was war das für eine Blamage: Keine einzige Medaille schafften die 70 Athleten bei den XXX. Olympischen Sommerspielen in London. So schlecht waren unsere Sportler seit 48 Jahren nicht mehr gewesen!
Doch jetzt zeigt sich: Österreicherische Athleten können sehr wohl bei Olympia glänzen. Bei den Paralympics, die noch bis heute in der britischen Hauptstadt stattfinden, gab es für uns einen wahren Medaillen-Regen. Bis auf zwei Gold-, drei Silber- und fünf Bronze-Medaillen brachte es das österreichische Team bereits bis Donnerstag. Und das obwohl es mit nur 32 Sportlern um mehr als die Hälfte kleiner war als jenes von Rogan, Melzer & Co.!
Schon am Montag holte der steirische Reiter Pepo Puch (46) mit seiner Stute „Good Feeling“ Gold in der Kür. „Es war ein unglaubliches Gefühl. Als ich die Medaille geholt habe, war ich der glücklichste Mensch der Welt“, sagt Puch im Gespräch mit ÖSTERREICH.
Begeisterung. Am Dienstagabend zog dann Günther Matzinger nach: Über die 400 Meter holte der 25-jährige Salzburger die Goldmedaille. Und das vor 80.000 Zuschauern im voll besetzten Olympia-Stadion. „Das Londoner Publikum war der Wahnsinn. Es ist sportbegeistert, sachkundig und weiß, wann es anfeuern muss“, berichtet Matzinger  (siehe auch Interview rechts). „Nach der Siegerehrung bin ich noch vors Stadion gegangen und habe Fotos gemacht. Etliche Zuschauer sind dann auf mich zugekommen und wollten Fotos mit mir. Ich konnte kaum mehr weg“, lacht der glückliche Goldmedaillen-Gewinner. Als einziger Europäer trat er gestern im 800-Meter-Finale an und kämpfte um einen weiteren Stockerlplatz.
Schicksal. Fest steht in jedem Fall: Unsere beide Sporthelden verbindet ein ganz besonders Schicksal. Puch stürzte 2008 bei einem Reitunfall schwer, brach sich mehrere Wirbel, war querschnittsgelähmt. Inzwischen kann er zumindest wieder eingeschränkt gehen.
Matzinger wurde bereits mit einer Fehlbildung des rechten Unterarms geboren. Aufgegeben hat deswegen keiner der beiden.        

Günther Matzinger: »Ganz oben zu stehen, war einfach Wahnsinn!«

 

 

 

© APA

ÖSTERREICH: Herr Matzinger, herzlichen Glückwunsch zu     Ihrem grandiosen Erfolg.            Hätten Sie mit einer Goldmedaille überhaupt gerechnet?
Günther Matzinger: Ich habe natürlich davon geträumt, aber hätte einen solchen Sieg nie zu hoffen gewagt. Am Ende war es ja dann doch noch relativ eindeutig.
ÖSTERREICH: Merkt man eigentlich schon während des Laufs, was man da schaffen kann?
Matzinger: Bei den 400 Metern startet man versetzt. Erst ganz am Schluss, auf den letzten 100 Metern, auf der Zielgeraden, weiß man wo man steht. Als ich da vorn war, konnte ich es gar nicht glauben. Das hat mich noch einmal so beflügelt, dass ich noch mal richtig Gas gegeben habe. Dass ich am Schluss ganz oben auf dem Treppchen stand, war der Wahnsinn.
ÖSTERREICH: Und wie war das britische Publikum?
Matzinger: Als wir gelaufen sind, war das Stadion bummvoll. Zeitweise war es so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Da bekommt man schon eine Gänsehaut.
ÖSTERREICH: Wie werden Sie durch Ihre Behinderung bei Ihrem Sport eingeschränkt?
Matzinger: Beim Sprint können die Arme ein wesentlicher Impulsgeber sein. Das fehlt mir natürlich auf meiner rechten Seite. Aber ich kenne es halt nicht anders.

 

 

 

Dana Müllejans
 

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