Ski-Aufreger

Vonn: Riesen-Zickenkrieg um Ski-Beauty

18.10.2017

US-Amerikanerin will gegen die Männer antreten. Das sorgt für Aufregung.

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Der amerikanische Verband hat bei der FIS einen Antrag eingereicht, der es Lindsey Vonn erlauben soll, im nächsten Jahr die Männer-Abfahrt in Lake Louise zu bestreiten. Auf derselben Strecke fahren im Weltcup auch die Damen - und die 32-Jährige gilt als fast unschlagbar, daher auch der Spitzname "Lake Lindsey".

18 Erfolge (14 in der Abfahrt, 4 im Super-G) hat sie bereits in den kanadischen Rocky Mountains eingefahren. Nicht nur das schlägt hohe Wellen. Ihre Gegnerinnen werfen ihr zudem vor, nur auf die Publicity in den USA aus zu sein. Wir fassen die Reaktionen nochmals zusammen:

Anna Veith: "Wir haben unser eigenes Rennen in Lake Louise", so die Salzburgerin. Sie glaubt, dass es Vonn in Wahrheit gar nicht um den sportlichen Vergleich geht. "Sie kann bei jeder Abfahrt, wo die Herren starten, als Vorläuferin runterfahren. Das hat ihr keiner verboten. Warum tut sie es nicht, wenn sie es will?", fragt Veith schmunzelnd und liefert die Antwort gleich selbst: "Sie will ja gesehen werden."

Mikaela Shiffrin: "Ihr geht es um Aufmerksamkeit", sagt die Gesamtweltcup-Siegerin der Vorsaison: "Gender-Diskussionen sind in den USA gerade ein ganz großes Ding. Aber ich frage mich, ob das so eine gute Idee ist." Rumms. Das sitzt! Zumal sie und Vonn Teamkolleginnen sind.

Stephanie Venier: "Es geht nicht darum, ob ich das gerne tun würde. Ich darf ja auch nicht, wenn ein Fußballspiel bei den Herren ist, als Dame bei den Bayern mitspielen", so die Abfahrts-Vize-Weltmeisterin von St. Moritz.

Tina Weirather: Für Liechtensteinerin "riecht es stark nach PR. Denn in den USA hat der Skisport nie die Aufmerksamkeit" wie beispielsweise in Europa. "Vonn könnte 100 Rennen gewinnen - aber die US-amerikanischen Medien würden nur wenig darüber berichten", so Weirather. Ein Vergleich mit Männern wäre gleichwohl ein Spektakel "im Sinne der Amerikaner". Deshalb könne sie Vonn durchaus verstehen.

Hannes Reichelt: Er spricht von einem "Kasperltheater". Wenn es die FIS zulasse, sei sie ernsthaft hinterfragen, sagt der Athletenvertreter. Demnach brächte ein punktueller Vergleich weder dem Ski-Weltcup noch der Frauenbewegung etwas. "Dann kannst du den Damensport gleich abschaffen", betont Reichelt.

Peter Schröcksnadel: Der ÖSV-Boss sei zwar ein "Frauenfreund, aber die Gender-Partie in dieser Sache halte ich für einen unnötigen Gag. Wenn Lindsey einen echten Vergleich mit den Herren haben will, dann soll sie ihn bekommen. Aber einen echten Vergleich." Etwa in "Beaver Creek, Wengen, Gröden oder Kitzbühel", hält er fest.

Franz Klammer: "Ich bin dafür, dass Lindsey bei den Herren starten darf. Man muss es als Show und nicht als seriöses Rennen sehen", so der ÖSTERREICH-Kolumnist. Er glaube aber nicht, dass Vonn in Lake Louise unter die Top-10 komme: "Die Männer setzen die Skier einfach anders hin, sind bei den Sprüngen aggressiver."

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